800-Jahre-Feier
22.09.2026 Bezirk Sissach, Kultur, Gesellschaft, ItingenLange Tafel, Wettbewerbe
Anstatt wie vor zwölf Jahren ein ausgewachsenes, dreitätiges Dorffest auf die Beine zu stellen, beschränkte sich die Gemeinde Itingen zum 800-Jährigen auf einen eintägigen Anlass und nannte ihn «Jubiläumsfeier». Die Gäste, darunter viele ...
Lange Tafel, Wettbewerbe
Anstatt wie vor zwölf Jahren ein ausgewachsenes, dreitätiges Dorffest auf die Beine zu stellen, beschränkte sich die Gemeinde Itingen zum 800-Jährigen auf einen eintägigen Anlass und nannte ihn «Jubiläumsfeier». Die Gäste, darunter viele Heimweh-Itinger, erlebten auf dem Festareal auf der Dorfstrasse einen mit Herz und Hingabe gemachten Anlass, mit charmanten Beizen, originellen Wettbewerben und einem Unterhaltungsprogramm aus eigenem Boden. Nicht nur die Gäste waren glücklich, auch die Macher. Stellvertretend für alle Mitwirkenden schwärmte Gemeindepräsidentin Cécile Schmidt Bur von einer rundum gelungenen Feier.
Die Elektra Itingen, die dieses Jahr ihren 125. Geburtstag feiert, nutzte die Gelegenheit, um den Einheimischen zu zeigen, wer hinter ihren Stromrechnungen steckt. Die Vorstandsmitglieder informierten über die Genossenschaft, liessen Gross und Klein an einem Geschicklichkeitsspiel teilnehmen und «zapften» Unmengen Soft-Ice. Laut Elektra-Präsident Rolf Stöckli wurden mehr als 400 Glaces verkauft und weggeschleckt. Der Verkaufserlös von rund 1200 Franken werde auf 1500 Franken aufgerundet und der Badi gespendet – für einen weiteren schattenspendenden Baum.
Mit 450 Wildschwein-Bratwürsten ist die Jagdgesellschaft Itingen an der «Langen Tafel» in der Dorfstrasse an den Start gegangen. Diese wurden nach dem Rezept des Kassiers, Metzgers und Grillmeisters Paul Wenger hergestellt und fanden bei den Hungrigen reissenden Absatz. Über eine mangelnde Auswahl an Speisen konnten sich die Gäste in Itingen wahrlich nicht beklagen: Die Bürgergemeinde rührte im Risotto-Topf, der Musikverein zapfte in der Container-Bar Bier, die Volleyballer schöpften «Älplermagronen» und am Flammkuchenund Pizzastand im unteren Bereich des Festgeländes wurde schon nach wenigen Stunden Festbetrieb der Pizzateig-Notstand ausgerufen.
«The Winner is... Peter Zaugg!» Mit 4 Metern und 6 Zentimetern hat der 73-Jährige die grösste Sonnenblume gezogen und damit den Jubiläumswettbewerb gewonnen. Silber ging an Luc Madörin (3,73 Meter) und Bronze an Margrit Steiner (3,62 Meter). 25 Frauen und Männer hatten am Wettbewerb teilgenommen. Die Siegerehrung nahm Brigitte Zbinden vor, die nicht nur dem OK vorstand, sondern auch den Sonnenblumenwettbewerb initiierte und jede Pflanze eigenhändig ausgemessen hat. Der mit einem goldenen Gartenschäufelchen ausgezeichnete Sieger des blumigen Wettkampfs antwortete auf die Frage nach seinem Geheimnis: «Keines». Er habe aus Kernen zweier Sorten 100 Pflänzlein gezogen und diese im Garten verteilt. Eines im Schatten des Kindergartens habe nicht aufgehört zu wachsen – ohne Dünger und ohne besonderes Zutun, versicherte der gelernte Landwirt.
Gleich noch einmal zu einem Sieger: Das Bällelirennen hat Luis Forster gewonnen. Wie 440 weitere Festbesucher hatte er für 5 Franken einen nummerierten Ball gekauft. Am späten Nachmittag wurden alle Bälle gleichzeitig oberhalb der Dorfstrasse auf die mit Feuerwehrschläuchen begrenzte, rund 250 Meter lange Piste geschickt. Die Bälle, die als Erste durchs Ziel gingen, wurden mit Preisen bedacht. Der Sieger wird mit einer Begleitung im «Rössli» dinieren können.
Der inoffizielle Preis für den Dorffestbesucher mit dem besten Sitzleder geht an Peter Buser. Der Sissacher Gemeindepräsident war schon um den Mittag angereist, um die Festivitäten auf sich wirken zu lassen und nicht erst zum offiziellen Teil um 17 Uhr. Die Wartezeit überbrückte der Präsident unter anderem damit, gutnachbarschaftliche Beziehungen zu pflegen, die feilgebotenen Getränke durchzudegustieren und mit weiteren Festbesucherinnen und -besuchern vor der Fotobox der Frauenriege für Erinnerungsfotos zu posieren. Diese erwies sich als grosser Publikumsmagnet. Pro Stunde knipste und druckte der Apparat 40 bis 60 Bilder.
Der Gemeinderat von Itingen setzte auf Geschichte und Information. Bei älteren Semestern dürften die vielen alten Fotos aus dem Dorf nostalgische Gefühle geweckt haben. Wer die Bilderausstellung am Fest verpasst hat, bekommt auf dem «Itinger Kulturpfad», der zum Jubiläum angelegt wird, eine üppige Portion Dorfgeschichte serviert. Aufbereitet wurde diese massgeblich von alt Gemeindepräsident Hansruedi Bieri und Walter Peter. Der Gemeinderat verteilte an seinem Stand Heimatkunden. Mit Jahrgang 2002 ist die Publikation schon etwas in die Jahre gekommen, dafür wurde sie gegen einen freiwilligen Obolus abgegeben. Trotz des verlockenden Angebots erwiesen sich die Abziehbilder mit dem Itinger Wappen und die Seifenblasen-Sets als beliebter als der dicke Schinken.
Das Jubiläum wurde abgerundet mit einem musikalischen Bühnenprogramm. Es spielten unter anderem der Musikverein und die Gugge «Fotzelcheibe», es sangen die Viertklässler der Primarschule, der Rondo Chor und die nach Berlin ausgewanderte Musikerin Esther Buser und es blies der Dudelsackbund Basel.
Willkommen geheissen wurden die Festbesucherinnen und -besucher mit einer Eisenplastik des Metallbauers Patrick Christen. Darauf zu sehen sind der fliegende Fisch vom Itinger Gemeindewappen und der Schriftzug «Ein Dorf blüht auf – 800 Johr Ütige». Mit Christen setzte das Fest-OK auf eine bewährte Kraft: Schon fürs Dorffest vor zwölf Jahren hatte er Schilder angefertigt. Wie eines seiner Schilder von damals (es befindet sich in der Badi) soll auch das aktuelle der Gemeinde erhalten bleiben. Wie Gemeindepräsidentin Cécile Schmidt Bur auf der Festbühne verkündete, werde ein würdiger Platz für das Werk gesucht.
Christian Horisberger









