800 000 ältere Menschen vermissen Gesellschaft
05.11.2026 Gesundheit, SchweizNeue Studie gibt Einblicke in die Lebenssituation
Obwohl die meisten Menschen über 60 in der Schweiz sozial gut eingebunden sind, fühlen sich viele zeitweise einsam. Besonders betroffen sind Verwitwete, Geschiedene und jene mit tiefem Einkommen. Dies zeigt eine neue Studie von ...
Neue Studie gibt Einblicke in die Lebenssituation
Obwohl die meisten Menschen über 60 in der Schweiz sozial gut eingebunden sind, fühlen sich viele zeitweise einsam. Besonders betroffen sind Verwitwete, Geschiedene und jene mit tiefem Einkommen. Dies zeigt eine neue Studie von Pro Senectute Schweiz.
vs. Mehr als 800 000 Menschen ab 60 Jahren in der Schweiz wünschen sich zumindest gelegentlich mehr Gesellschaft. Rund 140 000 vermissen sogar häufig soziale Kontakte. Zu diesem Ergebnis kommt die neue repräsentative Bevölkerungsbefragung «Beziehungen im Alter» von Pro Senectute Schweiz. Sie zeigt, dass Einsamkeit trotz einer insgesamt guten sozialen Einbindung für einen bedeutenden Teil der älteren Bevölkerung zum Alltag gehört.
Gemäss der Befragung geben 36 Prozent der über 60-Jährigen an, zumindest manchmal Gesellschaft zu vermissen. Dabei ist Einsamkeit nicht allein auf fehlende Kontakte zurückzuführen. Sie kann sich auch durch Gefühle der Ausgrenzung oder Isolation bemerkbar machen. Entscheidend ist laut der Studie weniger das Alter selbst als vielmehr die persönliche Lebenssituation.
Partnerschaften bieten Halt
Die grosse Mehrheit der älteren Bevölkerung verfügt über ein stabiles soziales Umfeld. So leben 71 Prozent der Befragten in einer Partnerschaft. Viele dieser Beziehungen bestehen bereits seit Jahrzehnten: 83 Prozent dauern länger als 20 Jahre, beinahe jede zweite sogar mehr als 40 Jahre.
Wer ohne Partnerin oder Partner lebt, ist allerdings nicht zwangsläufig einsam. Rund die Hälfte der Alleinstehenden schliesst eine neue Partnerschaft grundsätzlich aus. Das Alleinleben kann somit auch Ausdruck einer bewussten und selbstbestimmten Lebensgestaltung sein.
Deutlich höher ist das Risiko für Einsamkeit hingegen bei Menschen, die ihre Partnerin oder ihren Partner verloren haben. Während 69 Prozent der Verheirateten fast nie Gesellschaft vermissen, liegt dieser Anteil bei Verwitweten lediglich bei 51 Prozent. Umgekehrt wünschen sich 11 Prozent der Verwitweten häufig mehr Gesellschaft. Bei den Verheirateten sind es nur 3 Prozent. Auch Geschiedene und Getrennte berichten überdurchschnittlich oft von Gefühlen der Ausgrenzung.
Ein weiterer Einflussfaktor ist die finanzielle Situation. Menschen mit tiefem Einkommen sind gemäss der Untersuchung häufiger von Einsamkeit betroffen. Die Ergebnisse verdeutlichen damit, dass soziale Teilhabe auch von den persönlichen Lebensumständen abhängt.
Begegnungen gegen Einsamkeit
Neben Partnerschaften spielen Freundschaften, familiäre Beziehungen, Nachbarschaftskontakte und das Vereinsleben eine wichtige Rolle. Auch freiwilliges Engagement kann dazu beitragen, neue Bekanntschaften zu knüpfen und bestehende Kontakte zu pflegen. Pro Senectute betont deshalb die Bedeutung von niederschwelligen und bezahlbaren Begegnungsmöglichkeiten. «Dort, wo Einsamkeit auftritt, braucht es einfache und bezahlbare Möglichkeiten für Begegnung, Austausch und gemeinsame Aktivitäten», erklärt Alain Huber, Direktor von Pro Senectute Schweiz. Mit Beratungen, Freizeit- und Gruppenangeboten sowie Treffpunkten wolle die Organisation die soziale Teilhabe älterer Menschen fördern.
Für die repräsentative Untersuchung «Beziehungen im Alter» befragte das Forschungsinstitut gfs-zürich im Auftrag von Pro Senectute Schweiz insgesamt 1051 Personen ab 60 Jahren. Die Ergebnisse zeigen, dass soziale Verbundenheit im Alter zwar die Regel ist, Einsamkeit jedoch eine gesellschaftliche Herausforderung bleibt.
