30 Jahre Kultur im Keller
13.10.2026 Kultur, SissachBeliebter Ausgangsort feiert sein Jubiläum mit einem speziellen Programm
Nicht nur im «Oliver Twist Pub» und in der «Lounge 11» wird in Sissach an Wochenenden gefeiert: Auch im Keller dazwischen ist regelmässig einiges los. Der ehrenamtlich geführte ...
Beliebter Ausgangsort feiert sein Jubiläum mit einem speziellen Programm
Nicht nur im «Oliver Twist Pub» und in der «Lounge 11» wird in Sissach an Wochenenden gefeiert: Auch im Keller dazwischen ist regelmässig einiges los. Der ehrenamtlich geführte Verein KiK veranstaltet diese Woche ein dreitägiges Fest: Er hat Geburtstag.
Iris Bösiger
Es ist eine Tatsache und darf ruhig gesagt werden, dass es im Kanton Baselland kaum eine Gemeinde gibt, die einem am Wochenende so viele Optionen bietet, Menschen zu treffen und das Getränk seiner Wahl zu geniessen, wie Sissach. Verlässt man die eine Bar, steht man so gut wie vor der nächsten, und irgendwo findet bestimmt auch ein Konzert statt. Zu guter Letzt findet man sich am Ende einer rauen Samstagnacht noch in einem Club, der einem mit 2000er-Techno-Hits beschallt, und nach dem obligaten 2-Uhr-Morgen-Döner reicht das Bargeld dann gerade noch knapp für das Taxi nach Hause. Teil dieses Gaudis ist einer der bekanntesten Gewölbekeller in Sissach: das «KiK».
Seit 1996 bemüht sich das über die Jahre veränderte Team mit viel Herzblut, diesen Keller gegenüber dem Bahnhof regelmässig zu beleben und veranstaltet Konzerte, Lesungen, bis hin zu Podiumsdiskussionen. In seinen Anfängen war auch der Live-Talk der «Volksstimme», das Nachtcafé im «KiK» stationiert. Bekannte Gesichter aus Politik und Kultur haben der «Volksstimme» im schummrigen Keller Rede und Antwort gestanden, bis das Publikum einfach zu umfangreich wurde und der Anlass in die Obere Fabrik verlegt wurde.
Unterdessen bietet das «KiK» andere regelmässige Formate. Wie zum Beispiel immer am ersten Freitag des Monats: Dann steht der beliebte Karaoke-Abend auf dem Programm, und wenn es gut läuft, ist der Keller bis zur Treppe hin mit singwütigen Grüppchen gefüllt. Nach jedem Song wird gejubelt und applaudiert: Egal, ob ein Oldie, ein Rap oder ein 20-minütiger Hardrocksong ins Mikrofon «gespeuzt» wurde. Der Bildschirm zum Ablesen befindet sich auf der Bühne, somit haben die Singenden das Publikum im Rücken, was psychologisch gesehen sehr wertvoll ist. Das mag aus rein praktischen Gründen so sein, hat aber sicher dazu beigetragen, dass sich im «KiK» schon einige Menschen trauten ein Ständchen zu geben, die sonst nicht einmal ihre eigene Dusche beschallen.
Von Hip-Hop bis Metal
Viele Musikerinnen und Musiker haben sich schon in dem vier Quadratmeter grossen Backstage-Bereich umgezogen und die lauschige Bühne bespielt. Überall findet man kleine oder auch grosse Überbleibsel und Erinnerungsstücke. Die Wände «backstage» sind gefüllt mit Setlisten von Bands, die da waren, inklusive der persönlichen Notizen. Es darf davon ausgegangen werden, dass alle Baselbieter Hip-Hop-Crews ihre Lyrik in diesen Keller gerappt haben, Coverbands Jahrhunderthits zum Besten gaben sowie Rock-, Hardrock- und Metalbands aus der ganzen Schweiz ihr Equipment die kleine, gewundene Treppe runterund hochgeschleppt haben.
«Wir hätten viele Anekdoten auf Lager – einige davon sind leider nicht jugendfrei», scherzt Sarah Schmid, die kurz vor der Pandemie Vereinsmitglied wurde. Auch sie hat ihren Zugang durch die regelmässigen Karaoke-Abende gefunden und verbringt viel von ihrer Freizeit im «KiK». Zudem ist sie verantwortlich für Social Media und das Buchen der Bands. Sie hört sich alle Anfragen an und koordiniert die Konzerte. Die Warteliste ist lang und das «KiK» kann sich vor Anfragen kaum retten. Die Anfragen kommen aus der ganzen Schweiz, von Newcomers und alteingesessenen Bands, von unbekannt bis bekannt. Das «KiK» öffnet seine Tore für alle Musikgenres und der Grossteil der Musikerinnen und Musiker spielt auf Kollekte.
«Die Kultur, die wir hier anbieten, soll für alle zugänglich und erschwinglich sein», erklären Sarah Schmid und Oliver Schaub, der primär für die Technik zuständig ist. Neben der Jam-Session, einem Discoformat mit unterschiedlichen Musikstilen und der 1990er-Jahre-Party spielt die lokale Rockband «Fire Rose» immer ihren Tour-Abschluss Ende Jahr im «KiK». «Diese Konzerte gehören mitunter zu den besten Abenden und die Tickets sind in Rekordzeit ausverkauft», schwärmt Sarah Schmid.
Nun ist es so weit und das dreitägige Jubiläum steht vor der Tür. Übermorgen Donnerstag beehrt kein Geringerer als Philipp Fankhauser die «Jam Session». Musikerinnen und Musiker sind eingeladen, mit dem Musiker auf der Bühne zu stehen und der Inspiration ihren Lauf zu lassen. Am Freitag wird dem Hip-Hop gefrönt. Mit dabei: Urgestein Shape, Gabe & DJ O’Lee, Gfaselbieter und DJ Flink. Am Samstag findet die Cover Night statt und spielen werden «Sons of Grease» und «Too Big to Fade».
Zum 30-Jahre-Jubiläum hat sich das «KiK» etwas Besonderes einfallen lassen: Freitags und samstags kosten die Konzerte nur 15 Franken. Dafür hat das Team im Vorfeld Merchandise hergestellt, das an den Anlässen gekauft werden kann. Der Erlös kommt dem Verein hinter dem Kulturkeller zugute.
Informationen: www.kik-sissach.ch Tickets: www.eventfrog.ch


