Bildung
08.09.2026 BRIEFE«Mehr» auf Kosten der Gemeinden
Zum Artikel «Parlez-vous français?» in der «Volksstimme» vom 4. September, Seite 2.
Der Artikel über das Frühfranzösisch beginnt wie viele Projekte des Kantons mit guten ...
«Mehr» auf Kosten der Gemeinden
Zum Artikel «Parlez-vous français?» in der «Volksstimme» vom 4. September, Seite 2.
Der Artikel über das Frühfranzösisch beginnt wie viele Projekte des Kantons mit guten Vorsätzen und nachvollziehbaren Gründen. Nach gut einem Jahrzehnt Frühfranzösisch scheint nun endlich auch bei der Politik in Liestal die Erkenntnis des Scheiterns angekommen zu sein. Der direkte Austausch mit der Romandie und Frankreich soll gefördert werden. Grundsätzlich eine gute Idee. Ich liebe die französische Kultur und auch die Sprache.
Nun wird eine Arbeitsgruppe aus Fachpersonen die Situation analysieren und ein verändertes Konzept entwickeln. Anschliessend wird vermutlich wieder «Mehr» vom Bildungsrat, Regierungsrat oder Landrat beschlossen, um die Qualität zu verbessern.
Und dann kommt die Rechnung.
Das Problem ist, dass diejenigen, die dieses «Mehr» beschliessen, die Mehrkosten für die vermuteten Qualitätsverbesserungen nie vor einer Gemeindeversammlung erklären müssen. Die Gemeindeversammlung kann auch nicht darüber entscheiden, ob sie dieses «Mehr» überhaupt will. Die Gemeinden müssen die kantonalen Vorgaben zur Kenntnis nehmen, umsetzen und bezahlen.
Meiner Meinung nach muss der Kanton den Fokus grundsätzlich auf eine andere Frage richten. Wie schaffen wir es, dass Kinder und Lehrpersonen wieder stressfreier lernen und arbeiten können? Es muss wieder möglich sein, dass eine Lehrperson alleine, ohne unzähliges Zusatzpersonal, eine Klasse unterrichten kann. Wir müssen den Mut haben, Dinge wegzulassen, um die grossartige Arbeit unserer Lehrpersonen zu erleichtern. Die Schule muss sich auf das Wesentliche konzentrieren können. Lesen, Schreiben und Rechnen.
Und wenn die Politik trotzdem beschliesst, dass es «Mehr» braucht, darf sie dieses «Mehr» auch gerne selbst bezahlen. Notfalls mit einer Erhöhung der ohnehin schon hohen Kantonssteuern und dem Risiko eines Referendums.
Eigentlich ist es ganz einfach. «Wer befiehlt, zahlt.» Genau so sieht es unsere Kantonsverfassung vor.
Henri Rigo, Gemeindepräsident Ormalingen
