Trockenheit
11.08.2026 BRIEFEWo kein Gras wächst, wird Futter teuer
Als Landwirt mitten im Dorf Ormalingen habe ich durch unseren Hofladen viel Kontakt mit Kundinnen und Kunden. In diesen Gesprächen sind die Hitze und ihre Auswirkungen auf die Landwirtschaft in unserer Region immer ...
Wo kein Gras wächst, wird Futter teuer
Als Landwirt mitten im Dorf Ormalingen habe ich durch unseren Hofladen viel Kontakt mit Kundinnen und Kunden. In diesen Gesprächen sind die Hitze und ihre Auswirkungen auf die Landwirtschaft in unserer Region immer wieder ein Thema. Mit meinem Leserbrief möchte ich die aktuelle Situation etwas erklären: Im Moment wächst auf unseren Feldern ohne Bewässerung nahezu nichts.
Anhand von Zahlen aus unserem Betrieb möchte ich die Probleme aufzeigen. Eine Kuh entspricht einer Grossvieheinheit (GVE). Auf unserem Betrieb mit rund 50 Kühen und entsprechendem Jungvieh halten wir etwa 70 GVE. Eine GVE frisst pro Tag rund 20 Kilogramm Heu. Für unseren Betrieb sind das täglich etwa 1400 Kilogramm Futter.
Der Einfachheit halber rechne ich mit Heu. Dieses kostet, sofern es überhaupt verfügbar ist, mindestens 40 Franken pro 100 Kilogramm. Bei 1400 Kilogramm sind das 560 Franken pro Tag oder 16 800 Franken im Monat für das Futter unserer Tiere.
Im Normalfall produzieren wir dieses Futter zu einem sehr grossen Teil selbst. 2026 fehlen uns im Moment sicher drei Monate Futter. Wie es weitergeht, weiss noch niemand. Die Landwirte in unserer Region geraten dadurch grossflächig in enorme Schwierigkeiten. Besonders Milch produzierende Betriebe befinden sich in einer äusserst schwierigen Lage.
Auch das Weiden der Tiere ist kaum mehr möglich. Dabei wäre dies die günstigste Variante: Die Tiere holen sich ihr Futter selbst und es entstehen keine Kosten für die Futterbergung. Doch wo kein Gras wächst, macht auch das Weiden keinen Sinn.
Ich habe im Moment keine Lösung für dieses Problem. Ich selbst bekomme AHV, und die kommt bei jedem Wetter. Die jüngere Generation nimmt sich der Herausforderungen an. Doch in solch extremen Situationen erwarte ich von unseren Partnern im Handel und in der verarbeitenden Industrie, insbesondere von den Grossverteilern, ein Zeichen der Solidarität.
Andreas Itin, Ormalingen
