Klimawandel
14.07.2026 BRIEFEDem Wald mehr vertrauen
Zum Artikel «Der klimagestresste Wald im Umbau» in der «Volksstimme» vom 2. Juli, Seite 4
Der Artikel hinterlässt den Eindruck, der Mensch müsse den Wald aktiv retten und dem Klimawandel anpassen. Dabei ...
Dem Wald mehr vertrauen
Zum Artikel «Der klimagestresste Wald im Umbau» in der «Volksstimme» vom 2. Juli, Seite 4
Der Artikel hinterlässt den Eindruck, der Mensch müsse den Wald aktiv retten und dem Klimawandel anpassen. Dabei gerät eine wichtige Tatsache in den Hintergrund: Wir unterschätzen oft die erstaunliche Fähigkeit der Natur, sich selbst an veränderte Bedingungen anzupassen. Vielleicht sollten wir uns deshalb weniger fragen, wie wir den Wald dem Klimawandel anpassen, sondern wie wir seine natürliche Widerstandskraft erhalten. Ich zweifle nicht daran, dass die Forstwirtschaft den Wald erhalten will. Die entscheidende Frage ist jedoch nicht, wie wir den Wald durch Eingriffe steuern, sondern wie wir seine Anpassungsfähigkeit stärken können.
Schwere Forstmaschinen können Waldböden verdichten und dadurch ihre Fähigkeit beeinträchtigen, Wasser aufzunehmen und zu speichern. Kahlschläge verändern das kühlende Mikroklima. Anschliessend werden als klimaresistenter eingestufte Baumarten gepflanzt, auch wenn natürliche Verjüngung oft die besseren Voraussetzungen für ein gesundes und tief reichendes Wurzelsystem bietet. Die Biodiversität eines Waldes hängt nicht allein von der Anzahl der Baumarten ab, sondern vor allem von gesunden Böden und möglichst ungestörten natürlichen Prozessen. Wenn 130-jährige Buchen bereits als «überaltert» gelten, zeigt dies, wie stark unser Blick auf den Wald von der Holznutzung geprägt ist.
Nachdenklich stimmt mich der Schlusssatz des Artikels: «Wir können den Klimawandel nicht verhindern.» Diese Aussage vermittelt den Eindruck, als wäre er ein unabwendbares Schick- sal. Tatsächlich ist die heutige Klimakrise die Folge menschlicher Aktivitäten. Die Anpassung des Waldes ist wichtig. Entscheidend ist, seine natürliche Anpassungsfähigkeit nicht aus den Augen zu verlieren. Der beste Schutz für unseren Wald besteht darin, seine natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten und gleichzeitig die Ursachen der Klimakrise konsequent zu bekämpfen.
Katharina Gunzenhauser, Sissach
