SVP auf der Couch
Dass die SVP ihre Initiative unter dem Deckmantel der «Nachhaltigkeit» bewirbt, zeigt, dass damit eine psychische Funktion intendiert wird. «Nachhaltigkeit» ist bekanntlich ein positiv aufgeladenes Wort, steht für ...
SVP auf der Couch
Dass die SVP ihre Initiative unter dem Deckmantel der «Nachhaltigkeit» bewirbt, zeigt, dass damit eine psychische Funktion intendiert wird. «Nachhaltigkeit» ist bekanntlich ein positiv aufgeladenes Wort, steht für Verantwortung, Zukunftsfähigkeit, Fürsorge für kommende Generationen, beansprucht also moralische Legitimität. Es wird mit Umwelt- und Ressourcenschutz assoziiert, nun aber bewusst umcodiert, indem die Ablehnung und Diffamierung von Menschen aus dem Migrationssprektrum sprachlich mit der Idee von Fürsorge verknüpft wird.
Was man nicht sagen will, nämlich unerwünschte Menschen zu benachteiligen, konstruiert man als Schutz der Zukunft unseres Landes. Ein faschistisches Ausgrenzungskonzept wird für die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger somit psychisch leichter erträglich, ja, sogar attraktiv gemacht und die bei Licht betrachtet desaströsen Auswirkungen eines «Ja» am 14. Juni erscheinen unter dem Deckmantel der verantwortungsvollen Sorge.
Die unverarbeiteten Ängste vor Veränderung, Überfremdung und Kontrollverlust werden mittels Dichtevokabular zunächst emotional besetzt und anschliessend in eine gesellschaftlich akzeptierte Sprache übersetzt. Das Nachhaltigkeitsvokabular dient also dazu, tiefere emotionale Konfliktfelder zu rationalisieren. Man gaukelt dem Volk die Rolle eines bedrohten Kollektivs vor, um daraus einen sekundären Gewinn zu ziehen.
Bei einem Patienten würde hier jeder vernünftige Psychiater Simulation diagnostizieren, also bewusstes Vortäuschen einer Krankheitsrolle, um Zuwendung und Bestätigung zu erheischen.
Ulrich Dällenbach, Tenniken