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16.06.2026 Bezirk LiestalBahngeschichten mit Dominik Wunderlin
Am vergangenen Freitag lud Dominik Wunderlin im Dichter:innen- und Stadtmuseum Liestal das Publikum zu einer Reise durch die Geschichte der Eisenbahn ein. Dabei zeigte er, wie das Baselbiet zu einer Bahn und Liestal zu einem Bahnhof kam.
...Bahngeschichten mit Dominik Wunderlin
Am vergangenen Freitag lud Dominik Wunderlin im Dichter:innen- und Stadtmuseum Liestal das Publikum zu einer Reise durch die Geschichte der Eisenbahn ein. Dabei zeigte er, wie das Baselbiet zu einer Bahn und Liestal zu einem Bahnhof kam.
Martin Stohler
1825 nahm in Grossbritannien die Stockton and Darlington Railway ihren Betrieb auf. Sie war die erste öffentliche Bahngesellschaft, die Dampflokomotiven einsetzte. Die Revolution im Transportwesen, die damit angestossen wurde, nahm man auch in der Schweiz und im angrenzenden Ausland wahr. Rasch wurden denn auch entsprechende Pläne vorangetrieben.
Im Sommer 1844 war die von französischer Seite erstellte Strecke Mulhouse–Basel betriebsbereit. Bis auf deutscher Seite ein Zug nach Basel dampfte, ging es etwas länger. Erst 1855 kam es zur Eröffnung des ersten deutschen Bahnhof-Provisoriums in Basel. Unter anderem die badische Revolution von 1848/49 hatte zu Verzögerungen geführt. In der Schweiz begann das Eisenbahnzeitalter im August 1847 auf der Strecke Zürich–Baden, kurz vor dem Sonderbundskrieg und der Schaffung des Bundesstaates im folgenden Jahr.
Bund und Kantone
In Basel organisierten sich die Eisenbahn-Promotoren im «Basel-Olten-Eisenbahnverein». Aus diesem ging die Schweizerische Centralbahn hervor, die 1853 gegründet wurde. An ihr waren neben privaten Geldgebern unter anderem auch die Kantone Basel-Stadt und Baselland beteiligt. Direktor wurde der Basler Bankier Johann Jakob Speiser (1813–1856), der, so Dominik Wunderlin, «wusste, wie man effizient Geld für das Vorhaben beschaffen konnte». Der Plan der Centralbahn war es, ein schweizerisches Eisenbahnkreuz mit Mittelpunkt Olten zu errichten.
Die für den Bau notwendigen Konzessionen mussten nicht beim Bund, sondern bei den betroffenen Kantonen eingeholt werden. Zu den gesetzlichen Rahmenbedingungen zählte zudem ein im Jahr 1852 vom Bundesparlament verabschiedetes Enteignungsgesetz, das für sämtliche Bahnrouten in der Schweiz galt.
Der Bau der Centralbahn ging in Etappen vor sich. Auf die Strecke Basel–Liestal (1854) folgte die Strecke Liestal–Sissach (1855), anschliessend wurden der Abschnitt Sissach–Läufelfingen fertig (1857) und schliesslich das restliche Stück mit dem Hauensteintunnel bis Olten (1858).
Diskussionen und Widerstand
Die Bahn sorgte in Baselland von Anfang an für Diskussionen. Man war nicht zufrieden mit der Streckenführung, man war nicht zufrieden mit den bezahlten Entschädigungen. Man hatte keine Freude an der Bahn, wie Dominik Wunderlin anhand von zeitgenössischen Quellen eindrücklich zeigte. So heisst es etwa in einem Aufruf: «Mitbürger von Baselland! Beherziget wohl, dass uns die in der Revolution so teuer erkämpften Güter nicht durch die Eisenbahn entrissen werden.»
Es blieb nicht immer nur bei Worten. Am 17. August 1854 etwa wurde aus Pratteln gemeldet: «Donnerstag nachmittags wurde ein Wegübergang über die Eisenbahn, auf dem schon die Schwellen und Schienen gelegt sind, gewaltsam von den Einwohnern wieder geöffnet.»
Das bisweilen rüde Vorgehen bei den Enteignungen und beim Bahnbau vergiftete das politische Klima. Das zeigte sich auch bei den Landratswahlen im Jahr 1854. Alle Politiker, die in den Bahnbau involviert waren, wurden abgewählt, so auch Regierungsrat Johannes Meyer, Mitbegründer und Direktionsmitglied der Centralbahn-Gesellschaft.
Der erste Bahnhof
Anfänglich war der Liestaler Bahnhof lediglich ein Provisorium. Ein erstes definitives Bahnhofsgebäude wurde erst im Jahr 1861 in Betrieb genommen. Der zweigeschossige Bau hatte im Erdgeschoss eine kleine Halle mit Schalter, zwei Wartesäle und einen Gepäckraum. Im Obergeschoss war die Wohnung für den Bahnhofsvorstand. Flankiert war der Hauptbau von zwei Nebenbauten für die Post und für einen öffentlichen Abort samt Waschküche. Von diesem ersten Bahnhofsgebäude bis zum Liestaler Bahnhof von heute ist es ein langer, etappenreicher Weg, wie die Ausführungen von Dominik Wunderlin deutlich machten.
Der Vortrag fand als Teil des Rahmenprogramms der aktuellen, von Dominik Wunderlin kuratierten Ausstellung «Badekuren im Entdeckerland – zur Geschichte des Fremdenverkehrs zwischen Jura und Rhein» statt. Dass die Eisenbahn-Thematik – wohl auch im Zusammenhang mit dem neuen Liestaler Bahnhof – die Leute im «Stedtli» interessiert, zeigte der grosse Publikumsaufmarsch am vergangenen Freitag im Dichter:innen- und Stadtmuseum. Dies freute auch den Referenten sichtlich, der ohne Zweifel manche Stunde Arbeit in diesen eindrücklichen Vortrag gesteckt hat.


