Feuer und Flamme
27.05.2026 BaselbietLetzte Woche hat’s gebrannt in der Nachbarschaft. Beim Eindunkeln steigt plötzlich schwarzer Rauch über den Bäumen der Sepúlvedas auf. Minuten später schlagen Flammen hoch, Johnny rennt über die Felder, um zu helfen, falls noch zu helfen ist.
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Letzte Woche hat’s gebrannt in der Nachbarschaft. Beim Eindunkeln steigt plötzlich schwarzer Rauch über den Bäumen der Sepúlvedas auf. Minuten später schlagen Flammen hoch, Johnny rennt über die Felder, um zu helfen, falls noch zu helfen ist.
Die Feuerwehr trifft eine Dreiviertelstunde später ein und sieht zu, wie Johnny mit den Nachbarn einen Vorratsschuppen vor dem Feuer bewahrt. Zwar ist die Station der «Bomberos» nur 15 Minuten entfernt, doch es dauert, bis die Männer ihre Siebensachen beieinander haben. Sind die Schläuche endlich entrollt, ist das Haus bereits verloren.
Die chilenische Feuerwehr ist eine rein freiwillige Angelegenheit. Sie finanziert sich einzig aus Spenden. Nur die grossen Holzunternehmen können sich eigene Feuerwehren leisten. Sie verfügen über moderne Ausrüstung, Fahrzeuge und Helikopter. Die übrigen Bomberos sind auf die Grosszügigkeit der Bevölkerung angewiesen. Sie führen regelmässige Sammelaktionen durch, leisten Dienste auf Parkplätzen, stehen an Mautstellen oder treiben Geld mit Tombolas und anderen Veranstaltungen auf.
Etliche Feuerwehrautos sind Spenden aus dem Ausland. Allenthalben begegnen einem Fahrzeuge aus Deutschland, Italien und anderen europäischen Ländern. Zwar sind es nicht die allerneusten Modelle, doch sie tun ihre Dienste.
Dass es etwas länger dauert, bis sie am Brandort eintreffen, ist eine Folge dieser etwas eigenartigen Situation. Es kann aber auch sein, dass sich die Feuerwehrleute durchaus im Klaren sind, wie wenig sie bei einem Hausbrand noch ausrichten können. Die meisten privaten Gebäude hier unten im Süden bestehen aus Dachlatten, Mehrschicht- oder Faserplatten und Zinkblech. Wenn das einmal zu brennen anfängt, ist meist nichts mehr zu machen.
Das Haus der Sepúlvedas war innerhalb einer halben Stunde nur noch verkohlter Schutt. Versichert ist hier niemand, ganz einfach, weil man sich die Prämien nicht leisten kann. Dafür springen die Nachbarn ein. Via elektronische Medien zirkulieren Aufrufe für Sachspenden – Kleider, Decken, haltbare Nahrungsmittel. Die Gemeinde hilft je nachdem mit Baumaterial. Dann heisst es, von Grund auf neu anfangen.
Hausbrände sind hier in der Gegend keine Seltenheit. Geheizt wird mit Holz, gekocht mit Gas. Die Öfen und Kamine werden nicht sonderlich sorgfältig gewartet. Das Brennmaterial ist oft zweifelhaft, Feuerlöscher sind ein Luxus.
Ich bin jedenfalls ein paar Tage später auf mein Dach gestiegen, um zu russen und den Ofen gründlich zu reinigen. Johnny hat sogar alle Kaminrohre ersetzt. Das Unglück der Nachbarn hat uns nachdrücklich gezeigt, wie schnell alles, was einem lieb und teuer ist, in Flammen aufgehen kann.
Dafür herrscht im Schweinegehege eitel Freude. Liliane hat sieben süsse, pechschwarze Ferkel geworfen, wovon fünf überlebt haben. Röseli sollte in den nächsten Tagen so weit sein, ihren Nachwuchs zur Welt zu bringen.
Die Journalistin Christa Dettwiler ist 2022 gemeinsam mit ihrem Sohn und dessen Ehefrau von Rünenberg nach Chile ausgewandert. Sie erzählt regelmässig von ihrem Alltag.

