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27.03.2026 BaselbietBrot und Spiele
Dieser Spätsommer ist vor allem eines: nass. Kein Wunder also, fand die Trauung mit einer Stunde Verspätung statt. Bräutigam und Gäste hatten sich eben vor der Markise am Seeufer versammelt, als der Hagel kam. Die Damen in ihren ...
Brot und Spiele
Dieser Spätsommer ist vor allem eines: nass. Kein Wunder also, fand die Trauung mit einer Stunde Verspätung statt. Bräutigam und Gäste hatten sich eben vor der Markise am Seeufer versammelt, als der Hagel kam. Die Damen in ihren schulterfreien Roben rannten schlotternd Richtung Bäume, die Herren mit schützenden Anzugsjacken hinterher, der Bräutigam knirschte lächelnd mit den Zähnen, einzig die Braut blieb trocken.
Nach Hagel, Blitz und Donner – von allen als Glückszeichen interpretiert –, konnten sich José und Maria, unsere Partner im Weizen- und Haferprojekt, auf dem aufgeweichten Rasen doch noch das Jawort geben. Beim reichhaltigen Buffet waren die Stilettos bereits währschafterem Schuhwerk gewichen, die nackten Schultern unter Jacken, Ponchos und Pullovern verschwunden. Dem ausgelassenen Feiern konnte das Wetter jedoch nichts anhaben.
Den Weizen und Hafer hatten wir zum Glück noch im Trockenen ernten können. Unser Anteil lagert jetzt in der Scheune, gleich neben dem Winterfutter für die Kühe. Unser Höhepunkt der Weizenernte war das erste Brot, das Yvonne aus dem Weizen gebacken hat. Von Hand gemahlen vorerst, nur so zum Ausprobieren. Es hat wunderbar geschmeckt. Die elektrische Mühle, die wir uns zugelegt haben, wartet noch auf einen grösseren Einsatz.
Auch der Garten gibt jetzt seine Schätze preis. Die dunkelroten und grünen Kohlköpfe sind rund und prall, der Mais, die Kürbisse, Karotten, Stangenbohnen reifen prächtig heran. Der Chnöpperli zieht mich jeden Tag für eine Inspektionstour in den Garten. Er bestaunt die grossen Blätter der Kürbisse und Kohlköpfe, prüft, ob die Tomaten reif sind, aber das ultimative Ziel sind die letzten Erdbeeren, auf die er ganz versessen ist.
Vor dem Gartenrundgang sind die Hühner dran. Vorsichtig trägt der Chnöpperli das gemahlene Futter für die Küken, leert es in ihr Gehege und sieht zu, wie sie sich die Bäuchlein voll schlagen. Das Hühnergehege ist seit letzter Woche um eine Attraktion reicher: Neu sind drei Enten zur Familie gestossen. Auch die Schweine werden verwöhnt. Arturo füttert sie mit den weniger schönen Maiskolben und freut sich wie ein Schneekönig, wenn sich die drei um die Leckerbissen streiten.
Während wir nach und nach unserem Ziel näher kommen, uns selbst und die Tiere mit dem zu versorgen, das wir selbst anbauen und produzieren können, sorgt Johnny dafür, dass wir auch ein Einkommen erzielen. Der Holzverkauf hat sich sehr gut angelassen, und gemeinsam mit Danilo ist Johnny dieser Tage viel unterwegs, um Brennholz und Zaunpfosten auszuliefern. So hat er auch die Hochzeitsfeier genutzt, um Geschäfte anzubahnen und sein einheimisches Holz anzupreisen. Am wärmenden Kaminfeuer, bei reichlich Bier und Pisco Sour, ging es schliesslich zu und her wie an einer Schweizer Holzgant.
Die Journalistin Christa Dettwiler ist 2022 gemeinsam mit ihrem Sohn und dessen Ehefrau von Rünenberg nach Chile ausgewandert. Sie erzählt regelmässig von ihrem Alltag.

