«Das Umfeld hat sich stark verändert»
06.03.2026 PersönlichSeit 130 Jahren unterstützt die «Frauenhilfe Basel-Landschaft» Frauen in schwierigen Lebenslagen. Präsidentin Monica Somacal spricht über veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Und darüber, weshalb Unterstützung für Frauen in Not wichtig ...
Seit 130 Jahren unterstützt die «Frauenhilfe Basel-Landschaft» Frauen in schwierigen Lebenslagen. Präsidentin Monica Somacal spricht über veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen. Und darüber, weshalb Unterstützung für Frauen in Not wichtig ist.
Diana Sahun
Frau Somacal, übermorgen Sonntag ist der internationale Tag der Frauen. Wie blicken Sie darauf?
Monica Somacal: Für uns als «Frauenhilfe Basel-Landschaft» hat dieses Datum einen individuellen Wert. Mit unseren aktuellen personellen Ressourcen ist es uns leider nicht möglich, eigene Aktivitäten zu organisieren. Gleichzeitig sind wir uns sehr bewusst, dass weiterhin grosser Handlungsbedarf besteht, um die Situation von Frauen in unserer Gesellschaft zu verbessern. Zentrale Themen sind dabei insbesondere die Anerkennung von Care-Arbeit, die Lohngleichheit, die Prävention von Altersarmut sowie die Stärkung der Gendermedizin.
Ihre Organisation ist rund 130 Jahre alt. Wie entwickelten sich die Aufgaben über die Jahrzehnte?
Die Organisation ist ursprünglich aus dem kirchlichen Umfeld entstanden. Frauen haben sich organisiert, sich regelmässig getroffen und ausgetauscht. Vereine waren damals ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens, und Frauenvereine erlebten über lange Zeit eine Blütephase – nahezu jede Frau war Mitglied in einem Frauenverein. Heute hat sich das Umfeld stark verändert. Die Gewinnung von Neumitgliedern ist eine grosse Herausforderung. Das Angebot an Freizeit- und Engagement-Möglichkeiten ist vielfältig, und Soziale Medien stellen Informationen jederzeit und unkompliziert zur Verfügung.
Worin liegt heute der Schwerpunkt? Wie unterstützt der Verein Frauen?
Die «Frauenhilfe Basel-Landschaft» pflegt eine enge Zusammenarbeit mit Fachstellen im Kanton. Bei Bedarf stellen diese ein einmaliges, begründetes Finanzierungsgesuch für Klientinnen und Klienten in Notsituationen. In der Regel sind Frauen betroffen. Wir organisieren gemeinsam mit anderen Organisationen Informationsanlässe, Vorträge und Workshops. Beim heutigen Angebot von Veranstaltungen ist eine solche Zusammenarbeit wichtig.
Ihre Organisation führt und verwaltet das Freizeithaus Walten in Läufelfingen. Wie kam es dazu und wie passt das in das Konzept?
Ursprünglich war das Freizeithaus ein Geschenk. Es wurde für sogenannte «Mütterferien» und Bildungsangebote für Frauen genutzt. Aktuell dient es als Lagerhaus, zudem wird es für Seminare, private Festivitäten und Kurse genutzt. Das Haus Walten ist unser finanzieller Rückhalt.
Wie verändert sich das Leben von Frauen in Not dank der «Frauenhilfe»? Können Sie ein Beispiel nennen?
Gerne: Eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern muss in eine grössere Wohnung umziehen. Ihr soziales Netzwerk ist klein, ein Auto besitzt sie nicht. Die Umzugskosten übersteigen ihr Budget. Sie arbeitet im Gesundheitsbereich; ihr Lohn sowie die Unterhaltszahlungen reichen nur knapp aus, um die laufenden Auslagen zu decken. In solchen Fällen übernimmt die Frauenhilfe einen Teil der Umzugskosten. Unterstützt werden zudem Beiträge an Zahnarztkosten, ungedeckte Gesundheitskosten, Entlastungsangebote für Mütter sowie Anteile an Weiterbildungskosten, sofern dadurch eine verbesserte berufliche Perspektive entsteht. Wie bereits erwähnt, müssen Gesuche über eine Fachstelle eingereicht werden. Direktgesuche können wir nicht berücksichtigen.
Wo gibt es Ihrer Meinung nach noch Verbesserungspotenzial hinsichtlich Gleichstellung?
Sowohl auf struktureller Ebene als auch in der Gestaltung von Partnerschaften und Familien müssen neue Konzepte des Zusammenlebens entwickelt und weitergedacht werden. Solange Care-Arbeit weiterhin mehrheitlich von Frauen geleistet wird, haben neue und gerechtere Modelle des Zusammenlebens jedoch einen schweren Stand.
Zur Person dis. Monica Somacal ist 71-jährig und seit dem Jahr 2020 Präsidentin der «Frauenhilfe Basel-Landschaft». Die Organisation hat ihren Sitz in Liestal. Somacal wohnt in Lupsingen und arbeitet als Paar- und Sexualtherapeutin mit eigener Praxis in Liestal.
Beim aktuellen Tempo dauert es 286 Jahre bis zur Gleichstellung
sda. Der Internationale Tag der Frau von übermorgen Sonntag, 8. März, ist weltweit ein Anlass, um die sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Leistungen von Frauen zu würdigen und gleichzeitig auf bestehende Ungleichheiten aufmerksam zu machen. Seit mehr als einem Jahrhundert erinnert dieser Tag daran, dass Fortschritte möglich sind. Ohne ein entschlossenes Handeln auf allen Ebenen – politisch, gesellschaftlich und institutionell – wäre jedoch wohl nur wenig passiert.
Dieses Jahr steht der Frauentag global unter dem UNO-Schwerpunktthema «Rights. Justice. Action. For ALL Women and Girls». Dieses Motto sei historisch gewachsen sowie aktuell: Rechte allein genügen nicht, wenn sie nicht durchgesetzt werden können. Die UNO betont, dass Frauen und Mädchen weltweit weiterhin nur über 64 Prozent der gesetzlichen Rechte von Männern verfügen, und dass es beim weltweiten aktuellen Reformtempo noch 286 Jahre dauern würde, bis rechtliche Gleichstellung erreicht ist.
Der 8. März geht über die Gleichstellung hinaus: Er soll auch auf gewaltsame Auseinandersetzungen aufmerksam machen, durch die Frauen und Mädchen zu Opfern werden, heisst es seitens der UNO.

