«Blühende Nachbarschaft»
08.03.2024 ZeglingenInformationsanlass zur Förderung von Wildblumenwiesen
Was können Gemeinden tun, damit mehr einheimische Wildblumen wachsen und die Artenvielfalt gefördert wird? Diese Frage beschäftigt die Gemeinden Kilchberg, Rünenberg, Wenslingen und Zeglingen unter der Leitung ...
Informationsanlass zur Förderung von Wildblumenwiesen
Was können Gemeinden tun, damit mehr einheimische Wildblumen wachsen und die Artenvielfalt gefördert wird? Diese Frage beschäftigt die Gemeinden Kilchberg, Rünenberg, Wenslingen und Zeglingen unter der Leitung des gemeinsamen Werkhofs.
Brigitte Keller
«Blühende Nachbarschaft» nennt sich das gemeinsame Projekt der vier Gemeinden Kilchberg, Rünenberg, Wenslingen und Zeglingen. Der Name ist dabei Programm. Geht es doch konkret darum, vor der eigenen Haustüre aktiv zu werden und die Biodiversität mittels Wildblumenwiesen zu stärken. Rund 40 Besucherinnen und Besucher nutzten einen Infoabend am Dienstag, um mehr darüber zu erfahren und handfeste Anregungen mitzunehmen.
Damit es nicht nur bei der Absicht bleibt, mehr naturnahe Lebensräume zu schaffen, sondern auch Tatsachen folgen – dafür setzt sich Simon Itin ein. Er ist Leiter des Werkhofteams und arbeitet mit den Exekutiven der vier beteiligten Gemeinden zusammen. Sie wollen mit gutem Beispiel vorangehen – mit der Hoffnung, weitere Gartenbesitzerinnen und -besitzer anzuregen. Denn mit der richtigen Pflege eignen sich auch kleine Flächen sehr gut, um mit einheimischen Blumen neuen Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleintiere zu schaffen.
Die Idee, die öffentlichen Grünflächen anders als bisher, nämlich naturnaher zu gestalten und nachhaltiger zu pflegen, hatte Itin vor rund einem Jahr. Aus der Idee wurde ein Projekt und daraus entstanden wiederum konkrete Pläne. Beim Friedhof Wenslingen und in Rünenberg werden diesen Frühling erste Wildblumenwiesen angesät, weitere Flächen beim Kirchenvorplatz in Kilchberg und beim Quellgebiet Erlimatt in Zeglingen sollen im Frühling 2025 folgen.
Steht die Förderung der Biodiversität auf dem Programm, kommt man nicht darum herum, das Thema Neophyten anzusprechen. Dabei handelt es sich bekanntlich um absichtlich oder versehentlich eingeführte Pflanzen. Einige davon verhalten sich invasiv, verbreiten sich zu stark und verdrängen dadurch einheimische Arten. Darunter befinden sich bekannte und bisher beliebte Pflanzen wie der Kirschlorbeer, der Sommerflieder und die Goldrute. «Diese sind auch in der ‹Blühenden Nachbarschaft› anzutreffen», wie Naturschutzbiologe Lukas Merkelbach ausführte, der sich zu Beginn des Abends an die Anwesenden wandte. «Wir brauchen mehr Blumen, aber von diesen Blumen, von denen ich hier spreche, wollen wir nicht mehr, denn sie verdrängen alles andere.»
«Bräuchten einen Gehörschutz»
Im weiteren Verlauf des Abends sprach Koni Gschwind, Gärtner und Fachmann für naturnahen Garten und Landschaftsbau. Zum Einstieg führte er kurz aus, wie es um die Biodiversität in der Schweiz steht und wie es dazu gekommen ist. «Wenn Insekten schreien könnten, bräuchten wir alle einen Gehörschutz», so sein Statement dazu. Deshalb hat sich der glühende Verfechter einheimischer Wildblumen ganz dem naturnahen Gärtnern und dem Erhalt der Artenvielfalt verschrieben.
Gschwind freut sich, wenn die Gemeinden mit gutem Beispiel vorangehen und es ihnen möglichst viele Besitzer von Grundstücken nachmachen. Wie dabei am besten vorgegangen wird, zeigte er im zweiten Teil seiner Präsentation auf. Es brauche Abklärungen zu Standorten und Bodenverhältnissen und die Wahl des richtigen Saatguts. Für zwei Wildblumenmischungen sprach er eine Empfehlung aus, noch besser sei aber eine ortsspezifische Mischung.
Die Verbundgemeinden werden auf ihrer Website respektive in den «Gmäini-Nochrichte» darüber informieren und ein Bestellformular publizieren. «Damit Sie schon bald auf Safari im eigenen Garten gehen können», gab Gschwind noch weitere Tipps: Unter anderem zum richtigen Zeitpunkt für die Aussaat, der von Mitte April bis Anfang Juni dauert, und demnach bald beginnt.
Koni Gschwind hält am 22. März um 20 Uhr einen weiteren öffentlichen Vortrag zum Thema «Naturnahe Gärten»: in Zeglingen im Anschluss an die Jahresversammlung von «Natur am Wisenberg».