«Signalwirkung im Kanton»
26.10.2023 HersbergBevölkerung stellt Fragen vor Fusionsabstimmung
Engagiert diskutierte eine Handvoll Stimmberechtigter von Hersberg mit dem
Gemeinderat über die bevorstehende Abstimmung über den Zusammenschluss mit Arisdorf.
Thomas Immoos
Im November findet ...
Bevölkerung stellt Fragen vor Fusionsabstimmung
Engagiert diskutierte eine Handvoll Stimmberechtigter von Hersberg mit dem
Gemeinderat über die bevorstehende Abstimmung über den Zusammenschluss mit Arisdorf.
Thomas Immoos
Im November findet in Arisdorf und Hersberg die Urnenabstimmung über die Fusion der beiden Gemeinden statt (die «Volksstimme» berichtete). Um der Bevölkerung Gelegenheit zu geben, noch offene Fragen zu stellen, hat der Gemeinderat von Hersberg bisher zwei Sprechstunden abgehalten, eine weitere folgt am 2. November. Beim zweiten Termin vom Montag erschienen einige Interessierte, die angeregt mit dem Gemeinderat diskutierten. Wie Gemeindepräsidentin Iris Allenspach sagt, will der Gemeinderat offen und ausführlich über die Fusion informieren. Schon bei der Planung vor einigen Jahren fanden in der Dorfbeiz mehrere Info-Veranstaltungen statt. Da diese inzwischen geschlossen ist, fanden die Fragestunden in der Gemeindeverwaltung statt.
Die Handvoll Interessierter, die teilnahm, gehörte zu den Befürwortern der Fusion. Zu reden gab ein Flugblatt der Fusionsgegner, das «offenbar selektiv» im Dorf verteilt worden ist; denn nicht alle Diskussionsteilnehmer haben es erhalten. Eine Frage an den Gemeinderat lautete denn auch, ob es stimme, dass die Fusionskosten 60 000 Franken betrügen und die gemeinderätliche Finanzkompetenz überstiegen. Gemeinderat Pascal Wiget hielt fest, dass der Betrag sich auf beide Gemeinden und auf zwei oder drei Jahre verteile. Zudem habe die Gemeindeversammlung das Geld bewilligt. Die Anwesenden waren sich einig, dass im Flugblatt der Fusionsgegner einige Halb- und Unwahrheiten verbreitet werden. So heisst es, von den aktuellen Reglementen Hersbergs «bleibt nur das Hundereglement übrig». Dazu sagt Allenspach, dies sei Polemik. Denn man habe alle Reglemente der beiden Gemeinden verglichen. Für die fusionierte Gemeinde habe man dann das aktuellere oder jenes übernommen, «das für die Bevölkerung von Hersberg vorteilhafter ist». Dazu gehört etwa das Feuerwehrreglement: In Arisdorf beläuft sich die Grundgebühr pro Kopf auf 50 Franken, während sie in Hersberg 200 Franken beträgt. Die Hundegebühren sind dagegen in Hersberg tiefer.
Flugblätter sorgen für Diskussionen
Die Gegner äussern im Flugblatt auch die Angst, regelmässig von den Arisdörfern überstimmt zu werden. «Wir sind sehr mächtig, wenn wir uns organisieren», betonte Gemeinderat Dieter Reimann. Und Wiget ergänzte, dass die Unterschiede in den beiden Gemeinden gar nicht so gross seien. Der Blick auf die Ergebnisse der Nationalratswahlen zeige, dass man ähnlich ticke. Ein Anwesender ergänzte, dass das Überstimmen eine Bedrohung sein könnte, wenn sich die Gemeinden feindlich gesinnt wären. Jedoch pflege man seit Jahren gute und freundschaftliche Kontakte untereinander.
Ein weiteres Thema, über das die Anwesenden sprechen wollten, waren die Dienste des Werkhofs. Auch hier soll die Fusion Verbesserungen bringen. Zurzeit kauft Hersberg, so Allenspach, diese Dienstleistungen bei Arisdorf ein. Nach einer Fusion würde man einen gemeinsamen, permanent betriebenen Werkhof führen, was die Kosten deutlich senken dürfte. Ein Ehepaar, das erst kürzlich nach Hersberg gezogen ist, staunt über die Argumente der Gegner, welche die Befürchtung äusserten, die Arisdörfer hätten künftig mehr Rechte als die Hersbergerinnen. «In der Schweiz haben alle die gleichen Rechte, ob Genferin oder Basler.» Auf die Befürchtung, künftig werde es keine Person mehr aus Hersberg geben, die im Gemeinderat der fusionierten Gemeinde sitze, erwiderte Gemeinderat Dieter Reimann: «Solange sich Leute zur Wahl stellen, werden auch Leute aus Hersberg in den Gemeinderat von Arisdorf-Hersberg gewählt werden.»
«Fusion wird beobachtet»
René Itin, langjähriger Bürgergemeindepräsident von Hersberg, ist überzeugt, dass die mögliche Fusion der Gemeinden im ganzen Kanton aufmerksam beobachtet werde. Denn es seien offenbar auch andere Gemeinden fusionsbereit. Wiget ergänzt, mit der Fusion solle auch verhindert werden, dass Hersberg das gleiche Schicksal droht wie Nusshof, das vom Kanton gezwungen wurde, den Steuersatz zu erhöhen. Auch will man vermeiden, dass die Gemeinde erneut unter Zwangsverwaltung durch den Kanton gestellt wird, wie es vor einigen Jahren der Fall war. Erstaunt, ja erbost, waren die Anwesenden darüber, dass im Flugblatt der Gegner der Eindruck erweckt werde, die Bevogtung durch den Kanton sei besser als eine Fusion mit Arisdorf.
An der Sprechstunde war man sich einig, dass die Fusion eine emotionale Sache ist. Nüchtern betrachtet werde sie aber beiden Gemeinden nur Vorteile bringen. Eine Frau sagte, die grössere Gemeinde biete eine positive Zukunft für alle. René Itin ist überzeugt: «Die Fusion hätte Signalwirkung für den ganzen Kanton.»