«Der FC Bubendorf war ein Kulturschock»
30.06.2023 FussballNach sieben Saisons zieht es Matthias Maeder zum Erstligisten Black Stars Basel
Erstmaliger Aufstieg, Corona-Krise, Cup gegen Sion, Abstiegskämpfe: Als FC-Bubendorf-Trainer kann Matthias Maeder auf eine prägende Zeit zurückblicken. Nach sieben Jahren macht der 34-Jährige ...
Nach sieben Saisons zieht es Matthias Maeder zum Erstligisten Black Stars Basel
Erstmaliger Aufstieg, Corona-Krise, Cup gegen Sion, Abstiegskämpfe: Als FC-Bubendorf-Trainer kann Matthias Maeder auf eine prägende Zeit zurückblicken. Nach sieben Jahren macht der 34-Jährige nun einen nächsten Schritt und wechselt in die 1. Liga.
Thomas Ditzler
Herr Maeder, in Ihrem letzten Heimspiel als Bubendorf-Trainer hatten Sie vorzeitig den Klassenerhalt in der 2. Liga interregional geschafft. Wie gross war die Erleichterung? Matthias Maeder: Sie war riesig. Mein Assistent Sascha Degen und ich wollten das letzte Heimspiel als Trainerduo unbedingt gewinnen, egal wie die Ausgangslage vor dem Spiel war. Das haben wir glücklicherweise geschafft. Dass wir gegen Zofingen den Sieg und auch den Klassenerhalt feiern konnten, war ein schöner Trainer-Abschluss auf dem Sportplatz Brühl.
Zum wiederholten Mal konnte der FCB als Abstiegskandidat die Liga halten. Was macht Sie am meisten stolz?
Hatten wir jeweils das Messer am Hals, sind wir als Mannschaft stets zusammengestanden. Auch im Staff sind wir immer positiv gestimmt gewesen und glaubten an unsere Chancen. Mit jedem Klassenerhalt sammelten wir mehr Erfahrung, um solche Situationen zu meistern. Die letzte Saison war für mich als Bubendorf-Trainer aber die schwierigste. Die vielen Verletzungen schwächten das Kader enorm. Hinzu kamen Abwesenheiten, die für mich unverständlich waren. Trotzdem sind wir als Team ruhig geblieben. Wir wollten nochmals Spass haben und regten uns nicht über die erschwerten Bedingungen auf.
Wie sind Sie mit der Ausgangslage, stets als potenzieller Abstiegskandidat gehandelt zu werden, jeweils umgegangen?
Der Stempel hat mich nicht genervt. Schliesslich entsprach er den Tatsachen. Mit den Möglichkeiten, die wir hatten, gehörten wir im Vergleich zu den finanziellen Mitteln anderer Teams in die hintere Tabellenhälfte. Mich haben diese Voraussetzungen viel mehr motiviert. Wir wollten zeigen, dass mit unseren Mitteln etwas möglich ist. Auch in diesem Jahr gab es intern Stimmen, die uns schon abgeschrieben haben. Für uns war immer klar: Solange der Ligaerhalt rechnerisch möglich ist, geben wir nicht auf. Diese Einstellung hat uns auch in dieser Saison recht gegeben.
Nach sieben Jahren verlassen Sie den FC Bubendorf in Richtung 1. Liga zum FC Black Stars Basel. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die Bubendorf-Zeit zurück?
Mit wunderschönen. Der FC Bubendorf ist ein familiärer Verein. Mit dem erstmaligen Aufstieg in die 2. Liga interregional haben wir Vereinsgeschichte geschrieben. Zudem konnten wir uns in der Liga etablieren. Neben dem Aufstieg und dem Schweizer Cup gegen den FC Sion sind es vor allem die Spiele, bei denen wir den Klassenerhalt sichern konnten, die ich nie vergessen werde. In Erinnerung bleiben mir auch die Spieler, die ich mit den Fördertrainings an die erste Mannschaft heranführen und begleiten durfte. Die Förderung der jungen Spieler war mir fast mehr wert als ein Klassenerhalt oder das Cup-Spiel.
Über Ihren Abgang wurde immer wieder gemunkelt. Was gab nun den Ausschlag für den Wechsel?
Ich wollte nie weg vom FC Bubendorf. Ich spürte aber, dass es Zeit ist für etwas Neues. Lose Anfragen gab es immer wieder. Dadurch habe ich mir auch Gedanken gemacht. Dass ich derzeit am Erlangen des A-Diploms bin und so viel dazulernen kann, war mitunter ein Punkt für diese Entscheidung. Zudem wurde mir vom SFV aufgezeigt, dass es Zeit wäre für den nächsten Schritt. Für mich war klar, dass dieser eine Liga höher erfolgen muss. Die Anfrage von den Black Stars kam im richtigen Moment.
Was nehmen Sie von den sieben Jahren als Bubendorf-Trainer mit?
Eine extreme Erfahrung. Ich habe viele Fehler gemacht. Gleichzeitig aber auch vieles richtig. Ich habe in Bubendorf viel über Entscheidungen während des Spiels oder im Umgang mit Spielern gelernt. Als ich zum FC Bubendorf kam, war ich der gutmütige Matthias, der es allen recht machen wollte. In den Jahren habe ich gelernt, dass ich bei manchen Entscheidungen härter sein muss. Nur so kommt man als Team vorwärts. Ungemütliche Entscheidungen zu treffen, gehören zum Trainer-Job dazu. Ich bin dem FC Bubendorf enorm dankbar, dass er mir als jungem Trainer das Vertrauen und die Möglichkeit gab, Dinge auszuprobieren.
Bubendorf war Ihre erste Station als Aktivtrainer. Inwiefern haben Sie sich als Trainer weiterentwickelt?
Der Wechsel damals war in vielerlei Hinsicht eine Veränderung. Einerseits von den Junioren zu den Aktiven. Andererseits von den städtischen Klubs aufs Land nach Bubendorf. Da spielt auch eine gewisse Mentalität mit. Ich mag verschiedene Kulturen in einer Mannschaft. Diese sind in den städtischen Vereinen noch stärker verbreitet als auf dem Land. Diesbezüglich war der Wechsel nach Bubendorf für mich auch ein «Kulturschock». In Bubendorf herrschte eine ganz andere Mentalität als noch bei meinen Juniorentrainer-Stationen. Dieses andere Spielverständnis von den Junioren zu den Aktiven und von der Stadt aufs Land, da mussten wir uns in Bubendorf zuerst finden. Mit dem A-Diplom bin ich in den sieben Jahren in Bubendorf ein reiferer Trainer geworden.
2.-Liga-inter-Aufstieg, Corona-Zwangspause, Schweizer Cup gegen den FC Sion oder die Klassenerhalte: Was bleibt Ihnen am meisten in Erinnerung?
Der Aufstieg in der zweiten Saison als junger Trainer war sehr speziell. Der absolute Höhepunkt war 2021 das Cup-Spiel gegen den FC Sion. Die Vorbereitung, die Vorfreude und auch die Nervosität waren einzigartig. Auch die Organisation, die hinter diesem Spiel gesteckt hat und wie alle mitgeholfen haben, war sehr eindrücklich. Die unzähligen Stunden in den Garderoben mit Freude und Frust bleiben mir ebenso in Erinnerung. Neben dem Cup-Spiel war die familiäre Atmosphäre in Bubendorf das Prägendste, das ich mitnehmen werde.
Vom Abstiegskandidaten zum 1.-Liga-Mitfavoriten. Mit welchen Erwartungen blicken Sie dieser Herausforderung entgegen?
Die Erwartungen sind beim FC Black Stars vorhanden. Die Mannschaft hat die nötige Qualität, um vorne mitspielen zu können. Zuerst geht es aber darum, die neuen Spieler kennenzulernen. Die Vorfreude auf die neue Situation ist riesig. Glücklicherweise kenne ich schon einige Spieler aus meinen Trainerstationen im Nachwuchsbereich. Deshalb habe ich zu einigen Akteuren schon einen Bezug und komme nicht in eine ganz neue Mannschaft. Umgekehrt wissen diese Spieler auch, was mir als Trainer wichtig ist.
Wer Sie in Bubendorf erlebt hat, der spürte Ihre ambitionierte Art. Der FC Black Stars wird nur ein Zwischenschritt in Ihrer Karriere sein. Wohin soll der Weg von Matthias Maeder führen?
Träumen darf man immer. In erster Linie liegt mein Fokus nun darauf, mit Assistenztrainer Sascha Degen in der neuen Mannschaft gut zu starten. Wir wollen bei «Black» gute Arbeit leisten. Viel weiter in die Zukunft möchte ich nicht schauen. Weiteres kommt danach von selbst. Das war auch in Bubendorf so. Ich bin nie aktiv auf andere Vereine zugegangen, sondern die Anfragen wurden stets an mich herangetragen. Diese waren auch ein Verdienst der guten Arbeit, die wir über die Jahre beim FC Bubendorf geleistet haben. Natürlich möchte ich als Trainer so weit wie möglich kommen. Wo das sein wird, weiss ich heute noch nicht.