Für die Leinwand und den Alltag
30.06.2023 BretzwilFilmtiertrainerin Angelika Pinth verbindet Lernen mit Spiel und Spass
Angelika Pinth aus Bretzwil bietet mit einer Spezialausbildung talentierte Tiere zu Filmstars aus. Aber das Training für Hunde, Katzen, Ponys und andere ist nicht nur nützlich, um vor der Kamera bestehen zu ...
Filmtiertrainerin Angelika Pinth verbindet Lernen mit Spiel und Spass
Angelika Pinth aus Bretzwil bietet mit einer Spezialausbildung talentierte Tiere zu Filmstars aus. Aber das Training für Hunde, Katzen, Ponys und andere ist nicht nur nützlich, um vor der Kamera bestehen zu können.
André Frauchiger
Angelika Pinth aus Bretzwil ist seit Jahren Tiertrainerin. Nicht nur für Hunde, sondern auch für Katzen, Ponys, Pferde, Ziegen, Schafe, verschiedene Vogelarten wie Papageien und Hühner, Ratten und sogar Regenwürmer. Und auch nicht nur für den Alltag, sondern auch für die Leinwand: Die Filmtiertrainerin bildet etwa Hunde so aus, dass sie vor laufender Kamera aus einer Distanz von sieben Metern auf ein entsprechendes Handzeichen genau das machen, was ihre Besitzerin oder ihr Besitzer befiehlt. Sei dies nun den Blick direkt in die Kamera zu richten, gezielt und zeitlich richtig zu bellen oder den Schauspieler oder die Schauspielerin freudvoll anzuspringen.
Der Hund soll die Übungen gerne machen und das Training als Spiel und Spass wahrnehmen. Dabei Zwang und Druck auf die Tiere auszuüben, ist absolut tabu. Es darf diesbezüglich keinerlei Körpereinsatz geben. «Ich teile die Philosophie eines gewaltfreien Trainings, bei welchem dem Hund mit Freude neue Verhaltensweisen beigebracht werden», sagt Angelika Pinth.
Training, Casting, Prüfung
Hat ein Tier das Training bei der Bretzwilerin abgeschlossen, kann es für ein Casting bei Anita Ziegler angemeldet werden. Bei ihr hat Pinth selbst die Ausbildung absolviert. Ziegler betreibt eine eigene Tier-Agentur für Film und Werbung. Verläuft die Prüfung im Rahmen des Castings erfolgreich, gibt es ein Zertifikat und das Tier wird zusammen mit der Besitzerin oder dem Besitzer in ein Verzeichnis aufgenommen. Die Chancen für ein Engagement bei Film und auch Fernsehen sind damit intakt.
Kommt zum Beispiel aus der Werbewirtschaft eine Anfrage für den Einsatz eines Hundes, wird geprüft, welches Tier im konkreten Fall am geeignetsten ist: Braucht es einen weissen, braunen oder schwarzen Hund, klein oder gross, temperamentvoll oder eher gemütlich im Charakter? Ist es ein Hund, der wegen seines Aussehens gleich die Herzen des Publikums erobern kann? Der Traum, seinen Hund zum Filmstar zu machen, ist am Anfang für Hund und Mensch ein hartes Stück Arbeit. Nur charakterlich wirklich geeignete, nicht nervöse Hunde kommen für die Arbeit am Set bei meistens hektischer Umgebung infrage. Aber viele Eigenschaften und Verhaltensweisen lassen sich beim Training bei Angelika Pinth auf spielerische Weise fördern und lernen.
Das Filmhundetraining ist auch dann geeignet, wenn nicht an die Teilnahme an einer Filmproduktion mit dem eigenen Hund gedacht wird, sondern auch für den «Eigengebrauch». Es geht vor allem darum, seinen Hund auszulasten, gemeinsam alltägliche Situationen zu meistern, eine spannende Beschäftigung zu haben, Körper sowie Geist des Hundes zu trainieren und bei Welpen den Start ins Leben reibungslos über die Bühne zu bringen.
Aktivität und Entspannung
Trainiert werden die Tiere mit einem Marker inklusive Belohnung – eine zusätzliche Motivation neben dem Spass. Dass dieses Clickertraining gut funktioniert und zielführend ist, bewies das kürzliche Schnupperseminar bei Angelika Pinth in Bretzwil. Dabei ging es zum Beispiel darum, seinen Hund aus rund drei Metern Distanz per Handzeichen auf eine erhöhte Schlafmatte zu dirigieren und ihn zum Hinlegen zu bewegen. Dann betätigt der Mensch den «Clicker»: Click – und sofort die Belohnung. Nicht selten lag die Besitzerin – am Schnuppertag waren nur Halterinnen im Einsatz – dabei selber am Boden, um ihrem Hund zu zeigen, was man von ihm erwartet.
Das Training mit gezielten Signalen ist von entscheidender Bedeutung. Für die Trainerin spielt auch eine grosse Zuneigung zum Hund eine wichtige Rolle. Es brauche eine gute Verbindung zum Tier, um dessen Vertrauen und die notwendige Aufmerksamkeit zu haben. Bei einem Filmdreh darf sich ein Hund nicht ablenken, irritieren oder abschrecken lassen.
Entspannen ist für einen Hund jedoch genauso wichtig wie Beschäftigung. Nach einer halben Stunde Training sollte eine grössere Pause eingelegt werden, denn sonst besteht beim Vierbeiner die Gefahr von negativer Überaktivität – oder Müdigkeit: «Das Tier denkt mit, es muss aufnahmefähig sein», wie die Bretzwiler Hundetrainerin erklärt. Aufmerksamkeitsübungen haben generell Priorität.
Die Hunde Mira, Rico, Missy, Cookie, Timmy und Mira zeigten am Schnupperkurs, dass sie glücklich sind: Sie machten die Übungen alle freudig mit. In einem Kurs bei Angelika Pinth könnten sie ihre Fähigkeiten weiterentwickeln – und vielleicht dereinst zu tierischen Stars werden. Ein Border Collie aus ihrer «Schule» war zumindest schon bei der Sendung «Happy Day» des Schweizer Fernsehens im Einsatz.
Schnupperkurse für Hunde für Filmsets gibt es am Samstag, 29. Juli, in Bretzwil und am Freitag, 11. August, in Sissach (Zelglihof). www.leineabundleben.ch