Fünf präventive Massnahmen zeigen beachtlichen Erfolg
vs. Lungenentzündungen bei nicht beatmeten Patienten gehören zu den häufigsten spitalerworbenen Infektionen und können schwerwiegende Komplikationen verursachen: Rund die Hälfte der ...
Fünf präventive Massnahmen zeigen beachtlichen Erfolg
vs. Lungenentzündungen bei nicht beatmeten Patienten gehören zu den häufigsten spitalerworbenen Infektionen und können schwerwiegende Komplikationen verursachen: Rund die Hälfte der Patientinnen und Patienten, die eine solche Lungenentzündung erleiden, benötigt intensivmedizinische Versorgung. Der schwerere Krankheitsverlauf ist somit eine grosse Belastung für die Betroffenen, die Komplikation führt aber auch zu längeren Spitalaufenthalten und hohen Kosten. Umso erstaunlicher ist es, dass zu den sogenannten «nv-HAP» (Non-ventilator-associated hospital-acquired pneumonia) genannten Infektionen bisher kaum Forschung betrieben wurde und nur wenige Studien dazu vorliegen.
In einer Studie hat das Spitalhygiene-Team der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich (USZ) unter der Leitung des Infektiologen Hugo Sax nun untersucht, ob sich mit einem «Bündel» von fünf ausgesuchten Präventionsmassnahmen die Zahl dieser spitalerworbenen Lungenentzündungen bei nicht beatmeten Patienten reduzieren lässt. Gleichzeitig wurden auch die Faktoren für eine erfolgreiche Implementierung der Massnahmen erforscht. «Die Reduktion spitalerworbener Infektionen ist ein Ziel, das unser Team mit innovativen Ansätzen verfolgt, wir investieren aber auch in Forschungsarbeit dazu», wird Aline Wolfensberger, Leiterin der Studie, in einer Mitteilung zitiert.
Man habe in der Studie nicht nur wissen wollen, wie gut die Präventionsmassnahmen wirken, sondern auch, unter welchen Rahmenbedingungen die Präventionsmassnahmen erfolgreich eingeführt und angewendet werden können.
Für die Studie wurden fünf Präventionsmassnahmen ausgewählt: regelmässige Mundpflege, das Erkennen und Behandeln von Schluckschwierigkeiten, die Mobilisierung (Bewegung) der Patientinnen und Patienten, das Absetzen nicht notwendiger Magensäureblocker-Medikamente und Atemtherapie.
Während der Projektlaufzeit wurden Daten zu Häufigkeit von «nvHAP» und zur Anwendung der Präventionsmassnahmen erhoben. Innerhalb des Erfassungszeitraums von drei Jahren traten insgesamt 451 Fälle von «nvHAP» auf bei 361 947 Patiententagen. Vor dem Projektbeginn lag die Zahl der «nvHAP» bei 1,42 Fällen pro 1000 Patiententagen, diese Rate sank über die Beobachtungszeit hinweg auf 0,9 Fälle pro 1000 Patiententage, was – nach der Korrektur beeinflussender Faktoren – einer Reduktion der «nvHAP»-Fälle um 31 Prozent entspricht. «Diese Verbesserung ist beeindruckend», so Aline Wolfensberger.