Diskussionsfreudige Hersberger
17.03.2023 Arisdorf, Fusion, Hersberg, Gemeinden, Bezirk LiestalDie Bevölkerung wurde über geplante Fusion mit Arisdorf informiert
Der Fusionsvertrag zwischen Arisdorf und Hersberg geht bald in die finale Runde. Rund 50 Interessierte aus Hersberg wollten sich über den Projektstand informieren lassen.
Elmar Gächter
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Die Bevölkerung wurde über geplante Fusion mit Arisdorf informiert
Der Fusionsvertrag zwischen Arisdorf und Hersberg geht bald in die finale Runde. Rund 50 Interessierte aus Hersberg wollten sich über den Projektstand informieren lassen.
Elmar Gächter
Im Gegensatz zu Arisdorf, wo vor einer Woche ein identischer Anlass stattgefunden hat (die «Volksstimme» berichtete), zeigte sich die Bevölkerung von Hersberg wesentlich diskussionsfreudiger. Gegen 50 Interessierte trafen sich am Mittwochabend im «Sääli» des Restaurants Schützenstube, das Ende vergangenen Jahres seinen Gastrobetrieb eingestellt hat, um sich vom Lenkungsgremium über den Stand der Fusionsverhandlungen zwischen den beiden Gemeinden informieren zu lassen. Überraschend war das relativ grosse Interesse in Hersberg nicht, hatte dort doch im vergangenen November ein von 87 Einwohnenden unterzeichnetes Begehren – erfolglos – gefordert, den Meinungsprozess zu stoppen.
Mitglieder des Projektleitungsgremiums, das die Fusion der beiden Gemeinden erarbeitet, informierten über die finanziellen Auswirkungen sowie die Vor- und Nachteile der Fusion. Sie zeigten zudem die wichtigsten Punkte des Zusammenschlussvertrags auf und gaben ihre Empfehlungen ab. Laut den finanziellen Prognosen, präsentiert von Gemeinderat Pascal Wiget aus Hersberg, schlittert Hersberg im Gegensatz zu Arisdorf beim Eigenkapital ab 2026 in dunkelrote Zahlen, was klar für eine Fusion spreche.
Zahlen zum Teil angezweifelt
Diskussionspunkt war das Einsparungspotenzial von rund 110 000 Franken, darunter die Minderkosten von 50 000 Franken bei der Verwaltung, was in etwa einer 50-Prozent-Stelle entspricht. Im Gegensatz zu einzelnen Teilnehmern, welche diese Zahlen anzweifelten, zeigten sich Wiget und Markus Miescher, Gemeindepräsident von Arisdorf, überzeugt, dass sich der Verwaltungsaufwand mittelfristig reduzieren lässt. «Alle Zahlen sind aufgrund sehr vorsichtiger Berechnungen zustande gekommen. Unser Bild zeigt den heutigen Zustand; was morgen ist, wissen wir nicht», mahnte Miescher.
Die Vorteile der Fusion liegen laut Gemeinderat Urs Schaub aus Arisdorf bei der einfacheren Besetzung von öffentlichen Ämtern, dem Optimierungs- und Einsparungspotenzial, der stärkeren Verhandlungsposition bei Lieferanten und Dienstleistern oder dem grösseren direkten Mitspracherecht. Letzteres bezieht sich auf die verschiedenen Dienstleistungsverträge, die Hersberg mit Arisdorf abgeschlossen hat und die bei einer Fusion obsolet würden. Zu den Nachteilen zählten der höhere Aufwand für ein Referendum und der Verlust der politischen Eigenständigkeit, zudem verliere die Einzelperson an Entscheidungskraft.
Entscheidung fällt im Herbst
Eine längere Diskussion löste die Frage aus, wie die Aufgaben der Bürgergemeinde Hersberg, die heute die Einwohnergemeinde wahrnimmt, in jene der selbstständigen Bürgergemeinde Arisdorf überführt werden können. Sollte die Bürgergemeindeversammlung Arisdorf die Übernahme ablehnen, muss die Bürgergemeinde Hersberg neu gebildet werden. Die fusionierte Gemeinde wird offiziell Arisdorf heissen, Hersberg behält als Ortsteil und auf den Ortstafeln seinen Namen. Varianten wie Arisdorf-Hersberg sind laut Projektleiter Dieter Pfister geprüft worden, wurden jedoch wegen des hohen Aufwands – unter anderem müssten alle Postadressen geändert werden – fallen gelassen. Die zusammengeschlossene Gemeinde übernimmt das bisherige Wappen von Arisdorf.
Entscheiden sich die beiden Gemeinden an ihren Gemeindeversammlungen im kommenden September zu einem Zusammenschluss, verlängern sich die Amtsperioden der an der Urne gewählten Behörden in Hersberg um ein halbes Jahr vom 1. Juli auf den 31. Dezember 2024. Die Erneuerungswahlen sollen im zweiten Semester 2024 stattfinden. Wahlkreise sind keine vorgesehen. Dies schaffe die Möglichkeit, dass Hersberg mehr als nur eine Vertreterin oder einen Vertreter in den neuen fünfköpfigen Gemeinderat wählen könne. Das Projektleitungsgremium wird den Vertragsentwurf in den nächsten Wochen dem Kanton zur Vorprüfung einreichen. Stimmen beide Gemeinden an ihren Gemeindeversammlungen dem Vertrag zu, kommt es am 26. November zu einer Urnenabstimmung, zudem muss der Landrat die Fusion absegnen. Stimmt auch nur eine der beiden Gemeinden dagegen, ist die Fusion vom Tisch.
Dies würden sowohl Iris Allenspach, Gemeindepräsidentin von Hersberg, als auch ihr Amtskollege aus Arisdorf stark bedauern. Beide sind überzeugt, dass die Vorteile die Nachteile und Gegenargumente bei Weitem übertreffen. Man kenne sich bereits sehr gut und es bestünden keine unbekannten Faktoren. Mit einer Ablehnung werde eine hoffnungsvolle Möglichkeit verpasst, denn attraktivere Alternativen seien nicht bekannt. Zur Frage, wie die Chancen der Fusion an den Gemeindeversammlungen oder allenfalls später an der Urne stehen, halten sich sowohl Allenspach als auch Miescher bedeckt. «Es könnte eine knappe Angelegenheit werden», konnte die «Volksstimme» dem Gemeindepräsidenten immerhin entlocken. Lobende Worte findet er zum Informationsanlass: «Es hat mich überrascht und gleichzeitig gefreut, dass so viele sachliche Fragen gestellt wurden.»