Angespannte Lage im Asylbereich
03.01.2023 Baselbiet, Bezirk LiestalKasernen-Sporthalle dient als vorübergehende Unterkunft für Flüchtlinge
Seit November wird die Sporthalle der Kaserne Liestal als Asylunterkunft genutzt. Da die Situation angespannt bleibt, wurde die Betriebsdauer bis Ende März verlängert.
Sander van ...
Kasernen-Sporthalle dient als vorübergehende Unterkunft für Flüchtlinge
Seit November wird die Sporthalle der Kaserne Liestal als Asylunterkunft genutzt. Da die Situation angespannt bleibt, wurde die Betriebsdauer bis Ende März verlängert.
Sander van Riemsdijk
Im abgelaufenen Jahr sind rund 70 000 Schutzsuchende aus der Ukraine und mehr als 24 000 Asylsuchende aus anderen Staaten in die Schweiz eingereist. Aufgrund dieser Zahlen bleibt die Situation für das Land eine Herausforderung. Angespannt ist die Lage auch in Liestal, wo seit Mitte November 146 Personen in der Kasernen-Sporthalle auf engem Raum untergebracht sind.
Bereits im Frühling hatte das Staatssekretariat für Migration (SEM) die Halle für eine allfällige Nutzung als temporäres Bundesasylzentrum vorbereitet. Am 14. November wurde es schliesslich in Betrieb genommen. Die Dreifachsporthalle mit einer Maximalkapazität von 200 Plätzen sollte nur kurzzeitig in Betreib bleiben. Da sich die Situation im Asylbereich aber kaum entspannt hat, stimmte der Kanton als Eigentümer der Halle einer letztmaligen Verlängerung für diese Nutzung bis Ende März zu.
Im Liestaler Asylzentrum sind aktuell ausschliesslich allein reisende Männer untergebracht. Die meisten stammen aus der Türkei, Burundi, Afghanistan, Algerien und Syrien. Das macht die Verständigung untereinander nicht leicht. Die durch das SEM mandatierten Dienstleiter achten deshalb darauf, wenn möglich Personal einzustellen, das aus unterschiedlichen Kulturkreisen stammt und mit den Sprachen der Migranten vertraut ist, erklärt SEM-Mediensprecher Simon Kormann auf Anfrage.
Das SEM stehe aufgrund der vielen Schutzsuchenden vor der Herausforderung, rechtzeitig ausreichend Unterbringungsplätze und qualifiziertes Personal bereitstellen zu müssen. «Wir müssen vorausschauend agieren, denn wir können nicht erst nach verfügbaren Unterbringungsstrukturen und geeignetem Personal suchen, wenn die Menschen vor unserer Türe stehen.»
Der Eingangsraum zum Asylzentrum ist bei unserem Augenschein an einem Morgen von mehreren Personen besetzt. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen, Mitarbeitende von privaten Sicherheitsfirmen führen die Zutritts- und Ausgangskontrolle für Personen und deren Gepäck durch. Für eine sinnvolle und betreute Tagesstruktur der Asylsuchenden sind die Organisation for Refugee Service (ORS) AG und die Asyl-Organisation Zürich (AOZ) zuständig.
Aufgabe des Sicherheitspersonals ist die Aufsicht über das Zusammenleben von unterschiedlichen Kulturen und Religionen, das nicht frei von Spannungen ist. «Keine einfache, aber eine notwendige Aufgabe», erläutert SEM-Sprecher Kormann. «Es ist wichtig, dass die Regeln des Zusammenlebens im Zentrum von allen eingehalten und auch durchgesetzt werden.»
Anschlusslösung zwingend
Medienberichte über eine Zunahme von Ladendiebstählen im «Stedtli» in Liestal, die Asylsuchenden zugeschrieben, aber nicht bewiesen wurden, sind für eine bessere Akzeptanz des Asylzentrums in der Bevölkerung nicht gerade förderlich. Die Baselbieter SVP spricht in der bz gar von «untragbaren Zuständen». «Die grosse Mehrheit der in Liestal untergebrachten Schutzund Asylsuchenden verhält sich einwandfrei», sagt Kormann. Aber wie überall gebe es auch hier Einzelne, welche die Regeln missachteten. In solchen Fällen suche das SEM das Gespräch mit der Baselbieter Polizei, um geeignete weitere Massnahmen vorzusehen.
Die Mehrheit der Liestaler Bevölkerung habe Verständnis fürs Bundesasylzentrum, so der SEM-Sprecher. Anfragen für Kleiderspenden und Engagements im Zentrum deuteten darauf hin.
Wenn die Unterkunft Ende März geschlossen wird, muss für alle Asylsuchenden eine Anschlusslösung gefunden werden. Dies ist dem SEM bislang gelungen. Alle Schutz- und Asylsuchenden hätten dank der Zusammenarbeit mit der Armee, die dem SEM in der ganzen Schweiz diverse Unterkunftsstrukturen temporär zur Verfügung stellt, untergebracht werden können, so Kormann. «Auch das generöse Engagement vieler Schweizer Gastfamilien hilft mit, vor allem Schutzsuchenden aus der Ukraine ein Dach über dem Kopf bieten zu können.»
Falls eine weitere Flüchtlingswelle auf die Schweiz zurollt: Was bedeutet dies für die Unterkunft in Liestal? Wird sie noch länger in Betrieb stehen? Für Kormann ist klar, «dass es dies mit unseren Ansprechpartnern bei der Armee, beim Kanton und mit der Stadt Liestal rechtzeitig zu klären gilt».
