Fusionsgespräche bei Glühwein und Gebäck
15.12.2022 Fusion, Hersberg, GemeindenAdventsanlass im Zeichen des geplanten Zusammenschlusses mit Arisdorf
Das Projektlenkungsgremium, das die Fusion von Hersberg und Arisdorf am Prüfen ist, will den Meinungsbildungsprozess fördern. Am Montag lud es die Bevölkerung beider Dörfer ein, sich beim Öffnen eines Adventsfensters ...
Adventsanlass im Zeichen des geplanten Zusammenschlusses mit Arisdorf
Das Projektlenkungsgremium, das die Fusion von Hersberg und Arisdorf am Prüfen ist, will den Meinungsbildungsprozess fördern. Am Montag lud es die Bevölkerung beider Dörfer ein, sich beim Öffnen eines Adventsfensters besser kennenzulernen.
Elmar Gächter
«Mir rütsche zämme.» Das steht auf den Änisbrötli, die am vergangenen Montagabend den Besucherinnen und Besuchern in der Gemeindeverwaltung Hersberg offeriert worden sind. Eingeladen hatte das Projektlenkungsgremium, das die Fusion zwischen den Gemeinden Hersberg und Arisdorf prüft und vorbereitet. Äusserer Anlass bildete das Öffnen eines Adventsfensters, gestaltet von Schülerinnen und Schülern der Primarschule Arisdorf-Hersberg.
Konkret erhofften sich die Veranstalter angeregte Gespräche zwischen Einwohnenden von Hersberg und Arisdorf, die dem Meinungsbildungsprozess zur geplanten Fusion dienen sollten. Eine ähnliche Veranstaltung hatte bereits in Arisdorf stattgefunden – mit «enttäuschend» wenigen Leuten, wie dessen Gemeindepräsident Markus Miescher gegenüber der «Volksstimme» festhält. Im einwohnermässig wesentlich kleineren Hersberg waren es immerhin rund zwei Dutzend Interessierte, darunter sowohl Fusionsbefürworter als auch -gegner, die an diesem kalten Winterabend den Weg ins Gemeindehaus gefunden haben. Beide Dörfer hatten an ihren Gemeindeversammlungen im Dezember 2019 (Hersberg) und September 2020 (Arisdorf) ihren Gemeinderäten den Auftrag erteilt, gegenseitige Verhandlungen über den Zusammenschluss aufzunehmen. Mit der konkreten Arbeit wurde ein Projektlenkungsgremium beauftragt. Es ist paritätisch zusammengesetzt, aus je drei Vertretern der beiden Gemeinderäte, und es wird extern unterstützt von der «dp Dienstleistungen GmbH» aus Diegten, geführt von Dieter Pfister.
Während in Arisdorf das Thema Fusion bis jetzt keine hohen Wellen geworfen hat, verlangte in Hersberg im vergangenen Monat ein von 87 Einwohnerinnen und Einwohnern unterzeichnetes Begehren, dass der Meinungsbildungsprozess abrupt gestoppt werden soll. Das Projektlenkungsgremium will demgegenüber seine Arbeit «auftragsgetreu» weiterführen und beruft sich dabei auf die demokratisch gefassten Beschlüsse der beiden Gemeindeversammlungen.
Zusammenarbeit genüge
«Einer der Kritikpunkte der Opponenten ist, dass die Fusionsprüfung viel zu schnell vonstattengehe. Deshalb hat das Projektlenkungsgremium bewusst Tempo rausgenommen, um der Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, Fragen zu stellen – unter anderem am heutigen Anlass», so dessen Mitglied Markus Miescher. Wichtig sei vor allem, dass sich die Einwohnnden von Arisdorf und Hersberg gegenseitig besser kennenlernten.
Dass solche Fusionen nicht einfach seien, habe er selber bei jener der Feuerwehr miterlebt. Es gelte, die Emotionen und Ängste ernst zu nehmen. In Arisdorf sei noch keine Opposition gegen einen möglichen Zusammenschluss zu spüren. Vielleicht hielten sich die Leute dort einfach noch zurück, bevor Entscheidungen getroffen werden. «Aus meiner Sicht wäre die Ablehnung eine verpasste Chance. Denn ich sehe, welch immense Arbeit die Behörden haben und wie schwierig es ist, Interessierte für Ämter zu finden, die ihr Mandat mit Herzblut ausüben», hält Miescher fest.
Dominik Rumpel ist einer der Initianten des Begehrens, das den Prozess stoppen will. «Für Hersberg hat die Fusion keine Vorteile. Unsere Selbstständigkeit würde sterben, wir hätten in einer gemeinsamen Gemeinde keine Chance, ein Referendum zu starten», ist er überzeugt. Die heutige Zusammenarbeit mit Arisdorf, bei der Hersberg Dienstleistungen einkauft, funktioniere gut. Ähnlich sieht es auch sein Sohn Florian, mit 21 Jahren einer der jüngeren Stimmbürger im Dorf. Ein wichtiges Argument für ihn ist, dass die Fusion nie mehr rückgängig gemacht werden könne.
«Befürchte keine Zweiteilung»
Ebenfalls zu den jüngeren Besuchern des Anlasses zählt Kevin Bär, 28-jährig. Er hat seine Meinung zur Fusion noch nicht abschliessend gemacht. Auf die Frage, ob sich die jüngeren Einwohnenden überhaupt für das Thema motivieren lassen, meint er: «Ich denke, dass sich die 20- bis 30-Jährigen eher weniger für die lokale Politik interessieren. Sie machen erst ein Studium oder eine Lehre und suchen sich dann eine Wohnung in Stadtnähe.»
Iris Allenspach, Gemeindepräsidentin von Hersberg, glaubt nicht, dass der Fusionsprozess zu einer Zweiteilung des Dorfes führt. «Da habe ich keine Befürchtungen, denn die Leute, ob Befürworter oder Gegner, reden nach wir vor miteinander. Aus meiner Sicht läuft hier ein ganz normaler demokratischer Prozess ab.»
Das Projektlenkungsgremium will die wesentlichen Ergebnisse seiner Arbeit an einer Infoveranstaltung am 8. März umfassend präsentieren und dann im September kommenden Jahres die Fusion der Gemeindeversammlungen zur Abstimmung vorlegen.