Seit 175 Jahren fit und munter
28.10.2022 MaisprachMännerchor – der älteste Dorfverein jubiliert
Leicht verspätet feiert der Männerchor Maisprach seinen 175. Geburtstag dieses und kommendes Jahr. Mit dabei ist Karl Berger, mit 94 Jahren wohl einer der ältesten aktiven Chorsänger im ...
Männerchor – der älteste Dorfverein jubiliert
Leicht verspätet feiert der Männerchor Maisprach seinen 175. Geburtstag dieses und kommendes Jahr. Mit dabei ist Karl Berger, mit 94 Jahren wohl einer der ältesten aktiven Chorsänger im Baselbiet.
Otto Graf
Im Jahr 1846 wurde in Maisprach der Männerchor aus der Taufe gehoben und ist damit der älteste Verein im Weinbaudorf. Pandemiebedingt mussten die Feierlichkeiten zum 175. Geburtstag jedoch verschoben werden. Das Motto «Lasst uns singen und feiern» darf nun aber durchaus wörtlich verstanden werden. Denn die Männer haben entschieden, das Vereinsjubiläum gestaffelt gleich mehrfach zu feiern.
Der erste Akt ging anlässlich der Bundesfeier unter der Bezeichnung «1. August Spezial» über die Bühne. Das Spezielle an diesem Anlass war die Uraufführung des Kurztheaters «Lasst uns singen und feiern … jetzt erst recht». Im Mittelpunkt stand, um bei der Handlung zu bleiben, eine Vorstandssitzung im Jahr 1946, also genau ein Jahrhundert nach Gründung des Chors. Wie es in Maisprach üblich ist, umrahmte der Männerchor die Bundesfeier musikalisch mit mehreren Liedvorträgen. Auch die Festansprache von Andrea Sulzer, Kulturbeauftragte der Gemeinde Pratteln, passte in den Rahmen dieses Jubiläums des Männerchors.
Kommendes Wochenende folgt nun ein weiterer Höhepunkt. Übermorgen Sonntag, 30. Oktober, gibt der Männerchor, zusammen mit dem Frauenchor Maisprach und unter der Gesamtleitung von Stephan Imhof, in der Kapelle des Klosters Bethanien in St. Niklausen, Kanton Obwalden, ein Konzert. Schwerpunkt der Aufführung ist die «Deutsche Messe» von Franz Schubert.
Das gleiche Konzert, begleitet durch die Orgel und ein Bläserquintett, findet zudem bereits am Vortag – morgen Samstag, 29. Oktober – in der Kirche Maisprach statt. Beide Chöre ergänzen das Programm mit Liedern aus ihren Repertoires.
Das finale Highlight geht dann am 3. Juni 2023 mit dem Jubiläumsabend in der Mehrzweckhalle Maisprach mit einem bodenständigen Fest über die Bühne. Neben dem Programm mit viel Gesang und Musik sind auch Showeinlagen vorgesehen.
Derzeit zählt der Männerchor, der von René Imhof präsidiert wird, 26 aktive Sänger. Die musikalische Leitung obliegt seit mittlerweile 32 Jahren Stephan Imhof.
NACHGEFRAGT | KARL BERGERUND PASCALGRAF
«Das Singen bereichert den Alltag und fördert die Kameradschaft»
og. Der älteste Aktive im Männerchor Maisprach ist der Tenor Karl Berger, im Alter von 94 Jahren. Er singt seit 75 Jahren im Chor mit. Sein Pendant ist der 38-jährige Pascal Graf, seit 2018 Aktivmitglied, auch er ein Tenor und jüngstes Chormitglied. Die «Volksstimme» hatte Gelegenheit, den beiden Sängern ein paar Fragen zu stellen.
Welche Erinnerungen haben Sie an das Singen während der Schulzeit? Was hat man damals gesungen? Karl Berger: Früher bei Lehrer Graf haben wir vor allem patriotische Stücke und Heimatlieder gesungen, etwa das Rütlilied «Von Ferne sei herzlich gegrüsset».
Pascal Graf: Ich erinnere mich aus der Schulzeit unter anderem an fremdsprachige Lieder in Französisch und Englisch. Auch an Mundartlieder habe ich gute Erinnerungen.
Hält das Singen einen jung?
Berger: Auf jeden Fall. Das ist so. Ich kann das jedem jungen Burschen nur anraten. Auch das Notenlesen, das ich leider versäumt habe, ist empfehlenswert.
Graf: Kari hat recht. Das Singen bedeutet Abwechslung, bereichert den Alltag und fördert die Kameradschaft. Übrigens wird ja auch in den Fussball- und Hockeystadien gesungen, insbesondere wenn das Spiel nach dem Gusto des Publikums verläuft.
Was singen Sie am liebsten?
Berger: Wie erwähnt Heimatlieder und alte sentimentale Weisen wie etwa «Das Elternhaus». Aber solche Lieder sind heute nicht mehr so gefragt.
Graf: Als Bewohner einer Region mit vielen Reben bevorzuge ich Weinlieder. Wie Kari liegen mir bodenständige Melodien, ferner ein abwechslungsreiches Repertoire, in dem auch Fremdsprachiges, zum Beispiel Romanisches, Platz hat.
Welches Genre liegt Ihnen weniger?
Berger: Englischsprachige Songs.
Graf: Kirchenlieder gehören nicht zu meinen Favoriten, obwohl es einige darunter hat, die wirklich schön sind. Übrigens bestimmt der Dirigent, was gesungen wird, und da hat Kari ein gewisses Mitspracherecht.
Singen Sie auch noch in anderen Chören?
Berger: (ringt lange nach einer Formulierung) Ja, das ist eine Geschichte für sich. Vor Jahrzehnten war ich für kurze Zeit im Männerchor Buus. Das ist den Maisprachern an einem Gesangfest dann in den falschen Hals geraten, weil ich dort mit Buus aufgetreten bin.
Sind Sie erblich vorbelastet, was das Singen betrifft?
Berger: Das ist so. Mein Vater war 46 Jahre lang im Männerchor. Die Mutter sang im Frauenchor.
Graf: Nein. In meiner Familie hatte das Turnen Priorität.
Welches sind für Sie die Höhepunkte im Vereinsjahr?
Berger: Für mich waren dies die verschiedenen Gesangsfeste im Bezirk, auf kantonaler und eidgenössischer Ebene. Weil ich nicht mehr der Jüngste bin, nehme ich jedoch nur noch an eintägigen Anlässen teil.
Graf: Gesangsfeste, Ausflüge, Ständeli und Darbietungen bei familiären Ereignissen bereichern die Vereinsaktivitäten. So macht das Singen noch mehr Spass.
Was machen Sie sonst noch in der Freizeit?
Berger: Andere sagen, ich sei ein Vereinsmeier. Ich war und bin tatsächlich in vielen Vereinen aktiv dabei gewesen, auch in den Vorständen. Wenn einer bei den Sängern, Turnern, Schützen, im Weinbauverein und so weiter eine Funktion ausübt, wird er halt als Vereinsmeier abgestempelt.
Graf: Ich war ab dem siebten Altersjahr während 20 Jahren Tambour in der Fasnachtszunft Ryburg und wirkte in der Chaotenbande Gelterkinden mit. Zudem bin ich Mitglied im TV Maisprach, in der Schützengesellschaft Buus/Maisprach sowie in weiteren Vereinen. Ich schwimme gern in Flüssen und Seen. Auf meinen Wanderungen, etwa im Jura und in den Alpen, bin ich gerne allein unterwegs.