CARTE BLANCHE
28.10.2022 PolitikWarum in Arboldswil die Weihnachtsbäume leuchten
Johannes Sutter, Gemeindepräsident Arboldswil, SVP
Ein mittelgrosser Weihnachtsbaum auf dem Dorfplatz, eine grosse Tanne bei unserem neuen Dorfladen. Beide wunderschön und warm ...
Warum in Arboldswil die Weihnachtsbäume leuchten
Johannes Sutter, Gemeindepräsident Arboldswil, SVP
Ein mittelgrosser Weihnachtsbaum auf dem Dorfplatz, eine grosse Tanne bei unserem neuen Dorfladen. Beide wunderschön und warm leuchtend, gar von den Gemeinderäten höchstselbst bekränzt und mit LED-Lichterketten versehen (und dies nicht zu knapp). Dies ist die «offizielle» Weihnachtsbeleuchtung in unserem Dorf.
Die Einwohnerinnen und Einwohner erfreuen sich in der Adventszeit tagtäglich daran. Gemäss vielen Rückmeldungen aus der Bevölkerung zählt dies für uns Arboldswilerinnen und Arboldswiler zum Inbegriff von Weihnachten. Das Einkaufserlebnis in unserem Dorfladen wird in der Adventszeit dank des Baumes noch eindrücklicher. Während den beiden Covid-Jahren haben unsere beleuchteten Weihnachtstannen zusätzliche Bedeutung für die Bevölkerung erlangt; man hat gemerkt, dass die Freude an dieser schönen Tradition noch grösser war als sonst schon.
Und nun das Jahr 2022. Wiederum eine spezielle Weltlage. Krieg in Europa, hohe Energiepreise, drohende Strommangellage, das Leben wird teurer. Einzelne Gemeinden haben bereits entschieden, allen Sicherheitsbedenken zum Trotz, nachts die Strassenbeleuchtungen zu reduzieren oder gar ganz auszuschalten. Da und dort wird über Weihnachtsbeleuchtungen diskutiert, sei es in der Stadt oder in ländlichen Gemeinden. Der Bund hält uns alle zum Stromsparen an.
Man fragt sich, wie es überhaupt so weit kommen konnte, dass unsere Stromversorgung während des Winters nicht gesichert scheint. Etwas einfach gesagt: Nach der Katastrophe von Fukushima 2011 ist augenblicklich eine neue Energiestrategie entwickelt und durchgesetzt worden. Abkehr von der Atomenergie war das politische Gebot der Stunde, um nicht zu sagen der Minute. Bei der Frage aber, womit und bis wann der Atomstrom ersetzt werden soll, war die Politik nicht gleich schnell unterwegs. Man hat sich stets darauf abgestützt, dass ja aus dem Ausland günstiger Strom eingekauft werden kann (vor allem französischer Atomstrom notabene). Das AKW Mühleberg wurde in einer raschen Aktion stillgelegt. Und jetzt, da mit dem Ukraine-Krieg ein zusätzlicher Effekt das System beeinflusst, droht eine Mangellage.
Was tut die Politik? Sie wirft jahrzehntelang geltende Regeln des Naturund Landschaftsschutzes über Bord; in hektischem Aktionismus soll das halbe Land mit Photovoltaikanlagen versehen werden (die in den meisten Fällen allerdings erst nach dem Winter geliefert werden können), Windkraftanlagen sollen hier und dort hingestellt werden, gar ein Gas- oder Öl-Notkraftwerk wird betriebsbereit gemacht; wir sollen zwar zu zweit duschen, von Einsparungen beim Laden der Elektroautos habe ich indessen noch nichts gehört.
Oder kurz gesagt: Die Politik tut heute wie auch schon 2011 das, wozu sie leider häufig neigt: Sie überschiesst und neigt zu Überreaktionen. Ein Muster, das leider häufig sichtbar ist, auf kantonaler und eidgenössischer Ebene. Was unsere Weihnachtsbeleuchtung anbelangt, wird aber bei uns nichts «überschossen». Die Beleuchtung ist gerade in Krisenzeiten psychologisch wichtig, haben doch die Weihnachtsbäume in der nicht für alle Leute einfachen Weihnachtszeit eine besondere Funktion – etwas, das man sieht, an dem man sich seelisch festhalten kann, das einen erfreut. Deshalb leuchten unsere Weihnachtsbäume auch dieses Jahr in bekanntem Glanze.
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

