MUNDART
18.08.2022 RegionTour de Suisse
«Fahre Sii uf Meiringe?», froog ich der Poschtifahrer unnötigerwyys bim Yystyge. «Ja, wenn ich de Weg finde, gäng scho», antwortet är mit eme Lache. Es sy nur e Hampfle Lüt im Poschtauto und alli reede mitenand, as ...
Tour de Suisse
«Fahre Sii uf Meiringe?», froog ich der Poschtifahrer unnötigerwyys bim Yystyge. «Ja, wenn ich de Weg finde, gäng scho», antwortet är mit eme Lache. Es sy nur e Hampfle Lüt im Poschtauto und alli reede mitenand, as weers e Reisegruppe. Gly bini au zmitz ins Gsprööch verwigglet, wie guet dä fröhlig Fahrer der Grimselpass kennt. Er fahrt los und kommentiert mit Begeischterig und in Haslitaler Dialäkt die bsunderi Strecki. Immer wiider dönt s Poschtihorn, für mii e nostalgischi Erinnerig, woni lang nümm ghört ha: düü daa doo.
Es isch e Mittwuch im Juni, ich erfüll mir es Tröumli und reis der ganz Daag elläi mit ere Daages-Charte durs Land. So vill Schwyyz wie möglig in eim Daag erläbe, isch mys Motto. Ganz früeh bini los, via Arth-Goldau diräkt uf d Rigi uufe. Im alte Zaahnradbähnli sy nur wenig Lüt. E paar Tourischte, wo filme, und e paar sehr ähnlig agleiti Seniore sitzen uf de Holzbänk. «Sii, Sii hend der Hoseschlitz offe!», rüeft plötzlig e Frau Richtig Mannegruppen übere. Chly beschäämt chnüüblet der eint an syner Funktionswanderhosen ummen und säit «Merci», was d Frau mit «Ja, er bruucht dänk e chly Luft!», kommentiert. Alli luege däm arme Kärli uf e Schritt. Ich merk erscht spöter, ass die sich gar nid kennt häi. Das cha jo no luschtig wärde, dänk ich und wyych am Tourischt us, wo mir sy Natel-Verlengerigsstängel fascht ins Gsicht bänglet.
Nach em Kaffi und der wunderbaren Ussicht bini genau so lang uf der Rigi, bis es Bähnli voll Räntner in Wanderkluft uf e Bärg chunnt. So vill karierti Hemmli und trennbari Hoose hani sälten uf eim Fläck gseh, e heerrligen Aablick. Via Brunnen und em «Platz der Auslandsschweizer» fahr ich uf der Gotthardstrecki via Göschenen uf Andermatt ufe. Vo dört wyter nach Oberwald, woni langsam e chly müed ins Grimselposchti styg.
Öise Fahrer verzellt öppis über die berüemte «Cheerine» und e dütschi Mitfahrerin froggt prompt «Was ist mit dem Käse?» Es isch e Gaudi. Am Seeli uf der Passhööchi red i mit em Chauffeur über mys Reisli. Mir sy lengscht bim Du aacho und stelle fescht, ass är eigetlig au us em Baselbiet chunnt! Die Wält isch amme so chlyy. «Mir sette wyyter fahre», meint er irgendwenn, mir laufe zrugg zum Poschti. «Es fahrt noni ab», säg ich, «es sitzt jo no kei Fahrer dinne.»
Z Meiringe hätte mir no lang chönnte wyyter plaudere, ich ha aber s letscht Schiff vo Interlaken uf Thun welle verwütsche. Am Schluss bin ich in föif verschiidene Verchehrsmittel ganzi 14 Mol umgstiigen und 16 Stund unterwägs gsi. Ass näb dere schöne Landschaft so vill Unterhaltig in ei Daag Schwyyz passt, hätt i nid dänkt.
«Über das Reisli schryyb ich e Kolumne in öiser alte Heimet», säg ich am Schluss zum Chauffeur. Sys «güüet» döönt zwar nümme ganz baselbieterisch, aber was sells. Dä Daag isch guet oder güüet oder eifach heerrlig gsi.
Marianne Lindner-Köhler, 1981 im Baselbiet geboren und aufgewachsen, lebt mit ihrer Familie in München. Als Mary Long tritt sie auf bayerischen und Schweizer Poetry-Slam- und Kleinkunstbühnen auf.

