«Ich will an der EM Akzente setzen»
30.06.2022 Fussball, SportLara Marti hat mit der Schweiz die K.o.-Phase zum Ziel
Heute Abend bestreitet das Fussball-Nationalteam der Frauen das letzte Vorbereitungsspiel vor der Europameisterschaft. Es ist die letzte Möglichkeit für Lara Marti, sich für Einsätze am Turnier aufzudrängen.
Sebastian ...
Lara Marti hat mit der Schweiz die K.o.-Phase zum Ziel
Heute Abend bestreitet das Fussball-Nationalteam der Frauen das letzte Vorbereitungsspiel vor der Europameisterschaft. Es ist die letzte Möglichkeit für Lara Marti, sich für Einsätze am Turnier aufzudrängen.
Sebastian Wirz
Als Team deutlich 0:7 verloren, aber individuell nach der Einwechslung zur zweiten Halbzeit eine gute Leistung gezeigt. Was sind Ihre Erkenntnisse aus dem Testspiel gegen Rekord-Europameister Deutschland am vergangenen Freitag, Frau Marti? Lara Marti: 0:7 zu verlieren ist immer blöd, aber wir können daraus viel lernen. Wir haben viele Sachen angeschaut, etwa das taktische Verhalten, das es gegen so gute Gegner einfach braucht. Sieben Gegentore hätten es nicht gerade sein müssen, da waren viele individuelle Fehler dabei. Aber der Zeitpunkt der Niederlage ist noch okay. Viel schlimmer wäre es, wenn wir an der EM so eine Packung kassieren würden.
Nationaltrainer Nils Nielsen hat Sie auf dem linken Flügel nicht als Verteidigerin, sondern offensiver aufgestellt. Sie hatten die einzige echte Schweizer Chance. Lotet er aus, auf welchen Positionen Sie an der EM eine Verstärkung sein können?
Er hat mir gesagt, dass ich unsere defensiven und die offensiven Ideen verinnerlichen soll und dass er in den Testspielen einiges ausprobieren will. Ich konnte mich darauf also vorbereiten und spiele auch im Klub als Verteidigerin durchaus offensiv. Ich finde, ich kam gut rein ins Spiel, aber nach einem 0:7 fühlt sich keine Spielerin gut. Dazu müsste meine Chance eigentlich ein Tor sein, aber so ist es halt nicht gekommen. Grundsätzlich ist es immer gut, variabel zu sein, damit dich der Trainer auf mehreren Positionen einsetzen kann.
Mit 9 Länderspielen auf dem Konto sind Sie eine der unerfahrensten Spielerinnen im Kader. Mit welchen persönlichen Zielen fahren Sie zur EM?
Ich bin keine Stammspielerin und darum ist es für mich umso wichtiger, mental bereit zu sein. Ein Fussballspiel ist so unberechenbar und es kann schnell gehen. Wenn es eine Chance gibt, dann muss ich voll da und bereit sein, den Unterschied zu machen. Einmal muss eine Einwechselspielerin Schwung bringen, einmal zur Stabilität beitragen, je nach Situation. Mein Ziel ist es, an dieser EM bereit zu sein und Akzente zu setzen.
Heute Abend testet die «Nati» in Zürich ein letztes Mal und das gegen die EM-Gastgeberinnen aus England. Bedeutet es etwas für Sie, dass das Turnier im sogenannten Mutterland des Fussballs stattfindet?
Abgesehen von einem Götti in England – er wird auch ein Spiel von uns besuchen – habe ich keine persönlichen Beziehungen zum EM-Gastgeberland. Aber es ist toll, dass das Turnier dort stattfindet, weil England Gas gibt im Frauenfussball. Es wurde in den vergangenen Jahren viel Geld darin investiert, die Infrastruktur ist gut und es gibt viele Zuschauer. Das ist schon noch einmal ein Unterschied zur Bundesliga. Das wird bestimmt speziell für mich.
Das erste EM-Spiel gegen die Portugiesinnen, die für die Russinnen nachgerückt sind, dürfte gleich ein entscheidendes werden. Wie gut kennen Sie Portugal und die anderen Teams in der Schweizer Gruppe?
Wir machen unsere Analyse zu Spielweise, Stärken und Schwächen bei allen gegnerischen Teams gleich. Wir reden viel über die Spiele und unsere Idee, wie wir auftreten wollen.
Mit Schweden und den amtierenden Europameisterinnen aus den Niederlanden warten in der Folge zwei grosse Aufgaben.
Einige Spielerinnen kenne ich, aber nicht alle. Ich weiss über individuell starke Spielerinnen Bescheid oder über Spielerinnen, die in den nationalen Ligen auf höchstem Niveau agieren. Es wird eine Herausforderung für mich, gegen diese Spielerinnen zu bestehen, aber ich schätze das, weil ich da alles «reinhauen» muss. Und es ist klar, dass wir uns nicht verstecken müssen. Auch wir haben herausragende Spielerinnen aus den grossen Ligen.
Wie weit kann die Reise des Schweizer Nationalteams an dieser Endrunde gehen? Wären Sie zufrieden, dabei gewesen zu sein, wenn das Team in der Gruppenphase ausscheidet.
Sollten wir die K.-o.-Runde nicht erreichen, wären wir sicher enttäuscht. Wir wollen unbedingt weiterkommen. Aber das lässt sich nicht planen. Auch wenn es wie eine Floskel klingt: Wir müssen von Spiel zu Spiel schauen. Wenn wir uns auf den dritten Match konzentrieren und dort siegen, davor aber zweimal verlieren, bringt das auch nichts. Wir gehen jedes Spiel einzeln an und wollen jeweils einen Haken dahinter setzen. Und so wollen wir lange im Turnier bleiben.
Donnerstag, 30. Juni, 18 Uhr:
Schweiz – England (Vorbereitungsspiel).
Das Spiel wird auf SRF Zwei live übertragen.