AUSGEFRAGT | DANIEL LOETSCHER, EHEMALIGER PRÄSIDENT KAUFMÄNNISCHER VERBAND BL
17.06.2022 Baselbiet, GesellschaftPaul Aenishänslin
Herr Loetscher, wie kam es dazu, dass Sie im Juni 1995 das Amt des Präsidenten des Kaufmännischen Verbandes Baselland übernommen haben?
Daniel Loetscher: Irgendwann einmal fragte mich Ernst Weber – der damalige Sekretär des ...
Paul Aenishänslin
Herr Loetscher, wie kam es dazu, dass Sie im Juni 1995 das Amt des Präsidenten des Kaufmännischen Verbandes Baselland übernommen haben?
Daniel Loetscher: Irgendwann einmal fragte mich Ernst Weber – der damalige Sekretär des Kaufmännischen Verbandes Baselland (KVBL) – an, ob ich vom KV Basel zum KVBL wechseln wolle; man suche noch ein Vorstandsmitglied. Und so kam es, dass ich ein Jahr darauf schon zum Präsidenten gewählt wurde.
Wie ist Ihre berufliche Karriere verlaufen, die Sie parallel zur KV-Präsidentschaft vorangetrieben haben?
Ich war während 42½ Jahren bei der Migros Bank tätig, bei der ich 1972 die kaufmännische Lehre begonnen habe. Zuletzt war ich Direktionsmitglied und Leiter der Niederlassung Liestal. Ich liess mich dann mit 59 Jahren pensionieren. Bei meiner Lehrabschlussprüfung im Jahr 1974 musste ich noch meine Fertigkeit im Schreibmaschinenschreiben und in der Stenografie beweisen.
Wie muss man sich den KVBL im Jahr 1995 vorstellen, dem Jahr Ihres Starts als Präsident?
Seinerzeit war manches noch nicht so strukturiert und organisiert wie heute. Die drei Schulstandorte Reinach, Muttenz und Liestal standen je unter der Leitung eines «Rektors». Eine Gesamtleitung gab es noch nicht und es existierten verschiedenste Kommissionen, die im Verlauf der Zeit verschlankt wurden. Heute ist der Vorstand des KVBL auch für die Schulen das oberste strategische Organ und amtet als «Schulrat».
Wie präsentiert sich der KVBL heute, im Juni 2022?
Der Verband mit seinen rund 1600 Mitgliedern und seine Schulen mit über 1800 Lernenden ist mit einem Umsatz von rund 40 Millionen Franken ein KMU mit allen dazugehörenden Facetten eines erfolgreichen Unternehmens.
Was hat sich in den letzten 27 Jahren im KV am meisten verändert?
Es hat ein gewaltiger technologischer Wandel stattgefunden. Statt der Schreibmaschine ist der Computer allgegenwärtig. Die Stenografie ist verschwunden. Dafür gibt es Internet und E-Mail. Das Berufsbild des Kaufmanns hat sich wie auch bei anderen Berufen sehr verändert und es stellen sich weitere enorme Herausforderungen in der Ausbildung wie auch in der Praxis.
Gibt es heute noch genügend junge Menschen, die Kaufmann lernen oder ein anderes Ausbildungsangebot des KV nutzen wollen?
Ja, gottlob! Wir bilden ja auch noch Detailhandelsangestellte aus und wir sind im Kanton Baselland für die Brückenangebote in allen Berufen zuständig. Die Wirtschaftsmittelschule (WMS) wie auch die Weiterbildungen, die wir zusammen mit dem KV Basel in unserer Tochtergesellschaft, der «kv pro AG» führen, erfreuen sich reger Nachfrage. Insbesondere die Weiterbildung ist enorm wichtig.
Wie stark hat Sie das Amt des Präsidenten des KVBL beansprucht?
Mein Pensum war nicht fixiert, lag aber bei rund 10 bis 15 Prozent.
Ist der KVBL weitgehend selbsttragend oder lebt er von staatlichen Subventionen?
Der Verband erwirtschaftet dank der Erträge aus den Liegenschaften einen Gewinn. Die Finanzierung der Schulen – die für den KVBL finanziell «neutral» endet – wird über eine Leistungsvereinbarung zwischen KVBL und dem Kanton geregelt.
Warum haben Sie sich jetzt zum Rücktritt entschlossen? Sie machen ja einen fitten Eindruck.
Nach etwa 30 Jahren als Vorstandsmitglied und 27 Jahren Präsidium ist es an der Zeit, neuen Wind in den Verband zu bringen. Irgendwann ist es Zeit zurückzutreten, obschon es noch Spass macht und immer wieder Neues zu managen und zu entdecken gibt. Mein Nachfolger, Urs Hofmann, hat sich in den vergangenen eineinhalb Jahren bereits gut in sein neues Amt eingearbeitet.
Wird es Ihnen jetzt im doppelten Ruhestand nicht langweilig?
(Lacht) Nein, mir verbleiben noch ein paar «Ämtli» wie zum Beispiel Bürgerrat, Präsident der Rechnungsprüfungskommission Gelterkinden und mittlerweile bin ich noch Präsident des Vereins der Zweitwohnungsbesitzer in Grächen, und im Rotary-Club Gelterkinden-Oberbaselbiet verbleibe ich als Sekretär.
Sie sind also weiter ein gutes, beispielhaftes Mitglied des Milizsystems, indem Sie freiwillig Ämter und Aufgaben im Dienste der Gemeinde, der Bürger oder privater Vereinigungen übernehmen. Wie sehen Sie die Zukunft dieses Milizsystems, das die Schweiz bisher ausgezeichnet hat?
In der Tat wird dies für viele Vereine und Behörden schwierig, weil sich viele nicht berufen fühlen, ein Amt und Verantwortung zu übernehmen. Viele haben das Gefühl, dass irgendjemand solche Tätigkeiten schon ausübt und man selbst nichts tun muss. Kritisieren ist halt einfacher als selbst etwas zu unternehmen und etwas zu bewegen.
Zum Schluss noch eine Frage zur Zukunft der kaufmännischen Berufe in der Schweiz. Besteht nicht die Gefahr, dass der Computer den Faktor Mensch immer mehr ersetzt?
Noch nie ist es so gekommen, dass wegen des Computers die Fähigkeit des Menschen nicht mehr gefragt ist. Die Informatik ist wichtig und muss weiter gefördert werden. Aber es ist sicher so, dass «einfache Arbeiten» – und ich meine nicht die handwerklichen Berufe, die weiterhin sehr wichtig sind – künftig noch vermehrt informatikunterstützt verarbeitet werden.
Zur Person
pae. Daniel Loetscher, 1954 in Mulhouse (F) geboren und seit 1964 in Gelterkinden aufgewachsen, verbrachte über 42 Jahre seines Berufslebens bei der Migros Bank, bei der er mit 59 Jahren pensioniert wurde. Von 1995 bis 2022 bekleidete er das Amt des Präsidenten des Kaufmännischen Verbandes Baselland (KVBL). Er wohnt mit seiner Frau in Gelterkinden.

