Eisern durch brütende Hitze
16.09.2021 Baselbiet, SportSebastian Wirz
Es gibt viele Hürden, welche die meisten Menschen davon abhalten, einen Ironman-Triathlon zu absolvieren – auch schon nur über die halbe Distanz, die wegen der addierten Strecke in Meilen «Ironman 70.3» genannt wird. Da wäre zuerst einmal die ...
Sebastian Wirz
Es gibt viele Hürden, welche die meisten Menschen davon abhalten, einen Ironman-Triathlon zu absolvieren – auch schon nur über die halbe Distanz, die wegen der addierten Strecke in Meilen «Ironman 70.3» genannt wird. Da wäre zuerst einmal die geforderte Fähigkeit, am Stück 1,9 Kilometer zu schwimmen, 90 Kilometer auf dem Rennrad zu absolvieren und deren 21 laufen zu können.
Für die Weltmeisterschaften, die am Samstag in St. George im Bundesstaat Utah stattfinden, kommt die Hürde der Qualifikation durch gute Resultate an einem anderen Rennen der Serie hinzu. Und schliesslich bedeuten dieses Jahr die wegen der Pandemie strengen Einreisebestimmungen in die Vereinigten Staaten eine letzte Hürde.
Alle diese Hürden genommen hat Mirjam Leuenberger. «Manchmal braucht es im Leben etwas Vitamin B und ganz viel Glück», sagt die Gelterkinderin und lacht. Über den Arbeitgeber eines befreundeten Paars ist sie zu einer Einreisebewilligung gekommen. Bei den sonstigen Hindernissen brauchte sie weder Glück noch Hilfe: Den «Ironman 70.3» im finnischen Lahti absolvierte sie Anfang Juli in 5:42:22 Stunden. Damit belegte sie in der Alterskategorie der 35bis 39-jährigen Frauen den 18. Rang.
Wintersport und Wüstenhitze
Dass Leuenberger Ausdauersport beherrscht, hat sie schon mehrfach bewiesen. Die Distanzen und Höhenmeter, die sie beim Gigathlon oder dem Inferno-Triathlon schon abgespult hat, übersteigen die Anforderungen des Halbdistanz-Ironman. Auch den «Matterhorn Ultraks», einen Lauf über «nur» 25 Kilometer, aber mit 2876 Höhenmetern, die zuerst hoch und dann wieder nach unten absolviert werden müssen, ist sie Mitte August gelaufen. Er sei «doch fast eine Nummer zu gross» gewesen für sie. Und doch zeigte der Lauf ein weiteres Mal: Mirjam Leuenberger kann für den sportlichen Erfolg leiden.
Auch wenn die Distanzen «Ironman 70.3» für Leuenberger gewohnt sind, dürfte sie auch morgen leiden: Utah dürften manche mit den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City in Verbindung bringen. Doch es ist Sommer – und St. George liegt an der südlichen Grenze des Bundesstaats. Die angrenzenden Wüsten-Staaten Arizona und Nevada evozieren eher das zutreffende klimatische Bild: «Es hat 40 Grad», lässt Leuenberger aus Amerika ausrichten. «Hier zählt für mich wirklich nur: ‹Dabei sein ist alles.› Ich kann ganz ohne Druck an den Start gehen.»
Etwas grösser dürfte der Druck bei einer anderen Schweizerin am Start sein. Triathlon-Dominatorin Daniela Ryf peilt einen weiteren WM-Titel an. Es wäre ihr sechster über die Ironman-Halbdistanz.
