Aus den Augen, aus dem Sinn – zum Zweiten
30.09.2021 PolitikAls ich im Juli vor 9 Jahren mein Amt als Gemeinderätin angetreten habe, waren wir in Tenniken kurz danach in allen Medien wegen unserer Abfallsammelstelle. Die Entsorgung des Hauskehrichts mittels Container hatte zwar ihre praktischen Seiten, aber der Geruch und die Fliegenplage waren ...
Als ich im Juli vor 9 Jahren mein Amt als Gemeinderätin angetreten habe, waren wir in Tenniken kurz danach in allen Medien wegen unserer Abfallsammelstelle. Die Entsorgung des Hauskehrichts mittels Container hatte zwar ihre praktischen Seiten, aber der Geruch und die Fliegenplage waren nicht tolerierbar. In den vergangenen Jahren haben wir es zwar wegen anderer Themen in die Schlagzeilen geschafft, aber die Abfallsammelstelle beschäftigt uns noch immer.
Unsere Sammelstelle liegt relativ praktisch in der Nähe zur Hauptstrasse, sodass man auch als auswärtige Person auf der Durchfahrt gut und praktisch seine Abfälle bei uns entsorgen kann. Neben Karton und Papier können auch PET, Haushaltbatterien, Alu, Glas, Kaffeekapseln und Altmetall deponiert werden. Schon in meiner «Carte blanche» im März 2018 habe ich geschrieben, dass wir grundsätzlich nichts gegen den sogenannten Abfalltourismus haben, dass wir aber nicht nachvollziehen können, warum nicht korrekt entsorgt wird.
Bei den Kaffeekapseln werden Bierdosen, Glühbirnen oder Haartrockner ab- gelegt. In der Tonne der Haushaltbatterien findet man grosse Autobatterien, Rasierer, Mixer und auch einmal einen Pürierstab. (Ein kleiner Hinweis an dieser Stelle: Elektrogeräte kann man in allen Läden, die Elektro- geräte verkaufen, gratis zurückgeben. Dies dank der vorgezogenen Entsorgungsgebühr, die Sie beim Kauf des Gerätes schon bezahlt haben.) Waschmittel- und Fleischverpackungen werden im PET-Sammelbehälter zusammen mit altem Brot entsorgt und in den Karton- und Papiermulden finden sich Plastik, Zementsteine, Holzstöcke, Sportstöcke, Bierdosen (vielleicht weil im Kaffeekapselbehälter grad kein Platz mehr war) und ab und an auch mal alte Unterhosen.
Die grössten Überraschungen bietet allerdings die Altmetallmulde. Dort finden sich neben Schultaschen und Inlineskates, alte Autoreifen, Bettgestelle (aus Holz!), Fensterscheiben, Waschmaschinen, Gläser, Tassen und vieles mehr.
Wir haben immer wieder Hinweise im gemeindeeigenen Mitteilungsblatt veröffentlicht. Sowohl die Gemeindemitarbeiter wie auch die Gemeinderäte waren vor Ort und haben die Leute auf ihr Verhalten angesprochen (die Reaktionen pendelten zwischen Gleichgültigkeit und Aggression). Zudem haben wir eine Kamera installiert. Aber all diese Massnahmen haben nicht zu einer Verbesserung der Situation geführt. Deshalb hat sich der Gemeinderat nun entschieden, die Abfallsammelstelle mit einem Zaun zu schliessen und ein Badge-System einzuführen. Damit können nur noch Tennikerinnen und Tenniker die Sammelstelle benutzen. Zusätzlich können wir so auch sicherstellen, dass die Abfallsammelstelle nur noch während der Öffnungszeiten benutzt wird. Auch das hat in der Vergangenheit nämlich nicht geklappt, sehr zum Ärger der Anwohner.
Ich bedaure, dass wir diesen Schritt machen müssen, aber offenbar ist der «Nach mir die Sintflut»-Mentalität in diesem Fall nicht anders beizukommen.
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.