IM GEDENKEN
27.08.2021 BaselbietHedi Müller, Ziefen
Am 2. August ist die frühere Ziefner Dorfschullehrerin Hedi Müller im Alter von 102 Jahren verstorben. Hedwig Susanne Müller wurde am 13. Januar 1919 in Langenbruck geboren. Hedis Schulweg zur Bezirksschule in Waldenburg war lang: ...
Hedi Müller, Ziefen
Am 2. August ist die frühere Ziefner Dorfschullehrerin Hedi Müller im Alter von 102 Jahren verstorben. Hedwig Susanne Müller wurde am 13. Januar 1919 in Langenbruck geboren. Hedis Schulweg zur Bezirksschule in Waldenburg war lang: Eine Stunde musste sie mit den Langenbrucker Kindern durch Feld und Wald gehen – im Winter dunkelte es früh. Ein Lehrer riet ihr, weiter die Schule zu besuchen. Also fuhr sie 1935, als erstes Mädchen und einzige zukünftige Lehrerin unter Männern, nach Schiers im Bündnerland ins Evangelische Lehrerseminar. 1938, mit 19 Jahren, machte Hedi dort ihren Abschluss und ging anschliessend für ein Jahr als Haushaltshilfe nach England. Danach fand sie eine Stelle in einem Kinderheim in Langenbruck.
Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, mussten die Männer in den Militärdienst und Hedi musste zusätzlich zur Tätigkeit im Heim vormittags vier Klassen der Primarschule unterrichten, was für die junge Lehrerin eine sehr hohe Anforderung war. Als dann die Schulpflege in Ziefen Hedi Müller als Lehrerin nach Ziefen holte, war ihr das gerade recht. Die Schulpflege hatte sie gewählt, ohne sie vorher zu fragen. Punkt. Aus dem vorgesehenen einen Jahr wurden schliesslich ganze dreissig. Hedi Müller war ausserordentlich gerne Dorfschullehrerin. «Da kannst du kreativ etwas gestalten», sagte sie sich. Sie hat als Lehrerin alles Mögliche ausprobiert und war sehr beliebt.
Hedi wurde später ganz unerwartet ans Lehrerseminar in Liestal berufen, um angehende Primarlehrpersonen praktisch auszubilden. Daraufhin musste sie sich den Vorwurf anhören, sie würde ihr Dorf im Stich lassen. Hedi jedoch nahm dieses neue Amt als Zeichen von Respekt und Anerkennung an. Keinesfalls traf es zu, dass Hedi «ihr» Dorf im Stich gelassen hatte, im Gegenteil: Sie engagierte sich unter anderem zusammen mit dem Verein für Heimatpflege intensiv für die Einrichtung eines Dorfmuseums und sorgte mit dafür, dass die alten Wasch- und Bachhüsli renoviert wurden. Der Gute Hirte, der durchs ganze Leben für Hedi wichtig war, steht dank ihr in Stein auf dem Friedhof beim Gemeinschaftsgrab, umgeben von seinen Schafen.
Im Januar 2018 spürte Hedi Müller sehr stark, dass es nun an der Zeit sei, ihr geliebtes Haus zu verlassen und ins Altersheim in Reigoldswil einzuziehen. Hedis 100. Geburtstag musste aber trotzdem noch gross gefeiert werden. Dazu lud sie viele Verwandte, Freunde und Bekannte in die Turnhalle in Ziefen ein. Die Dorfvereine, unter anderem die Ziefner Blasmusik, der Frauenverein und der Verein für Heimatpflege, bescherten Hedi ein würdiges, unvergessliches Fest.
Am Montag, 26. Juli erlitt sie morgens einen Schlaganfall und konnte sich davon nicht mehr erholen. Am darauffolgenden Montagmorgen, dem 2. August, ist Hedi Müller ruhig eingeschlafen. Diese aussergewöhnliche Frau, Alt-Schierserin und Ziefner Ehrenbürgerin, wird nicht vergessen werden.
Heidi Recher, Ziefen

