Einmaliges Projekt für das Architekturbüro Peter Völlmin AG
22.04.2021 PorträtDer Tennisclub Gelterkinden ist stets für seine grosszügige Terrasse und die gute Sicht auf die Tennisplätze bekannt gewesen. So ist es wenig erstaunlich, dass diese beiden Merkmale der meistgenannte Wunsch für die neue Anlage waren. Die Architekten der Peter Völlmin AG ...
Der Tennisclub Gelterkinden ist stets für seine grosszügige Terrasse und die gute Sicht auf die Tennisplätze bekannt gewesen. So ist es wenig erstaunlich, dass diese beiden Merkmale der meistgenannte Wunsch für die neue Anlage waren. Die Architekten der Peter Völlmin AG sind diesem Wunsch nachgekommen.
Vier Jahre dauerte die Projektierungsphase, bei der gemeinsam mit den Bauherrenkommissionen aus dem Raumprogramm, den Rahmenbedingungen des Ortes und den finanziellen Möglichkeiten ein stimmiges Bauprojekt entwickelt wurde.
Der neue Standort am Rüttebergweg («Wolfstiege») zeichnet sich durch ein nicht unerhebliches Quergefälle und eine konisch zulaufende Parzelle aus. Die finale Gebäudeanordnung nutzt das natürliche Terraingefälle aus und erzeugt mittels Höhenabstufungen wichtige Sichtbezüge auf allen Ebenen. Die Niveauunterschiede sind so gewählt, dass möglichst wenig Terrainveränderungen vorgenommen werden mussten und sich eine natürliche Terrasse bildet, die eine gute Sicht auf die Aussenplätze ermöglicht.
Hochwasserschutz wird gewährt
Tiefstes Element sind die vier Aussentennisplätze, die aus einem nicht bewässerten verfüllten Kunststoffrasen (RedCourt) auf einem Sportsickerasphalt bestehen. Die Tennisplätze sind – entsprechend der Parzellenform – alle auf einer Achse angeordnet und werden im Aussenbereich von einem markanten Betonsockel umfasst, was den geforderten Hochwasserschutz gewährt.
Die Tennishalle ist gegenüber den Aussenplätzen um rund einen Meter höher platziert und in einer Holzkonstruktion mit Firstpfette und zwei Mittelstützen konstruiert. Dadurch können die Binder verhältnismässig schlank dimensioniert werden und die abzutragenden Horizontalkräfte in den Fundamenten werden deutlich reduziert, was sich positiv auf die Baukosten auswirkt.
Sicht auf Aussen- und Hallenplätze
Die Setzung des Clubhauses resultiert aus dem Wunsch einer optimalen Sicht auf Aussen- und Hallenplätze. Die präzise Anordnung einer geknickten und statisch wirksamen Sichtbetonwand in Weisszement schafft einen zusammenhängenden Raum, der diese Anforderungen erfüllt und neben dem gestalterischen Faktor das Clubhaus in zwei Bereiche trennt: Einerseits sind dies die Nebenräume wie Garderoben, Nasszellen und Küche, die in ihrer Materialisierung eher zweckmässig ausgestattet sind. Andererseits ist es der zusammenhängende Hauptraum, der Lounge, Clubraum und Terrasse nahtlos miteinander verbindet und durch die höher frequentierte Nutzung auch einen höheren Ausbaustandard vorweist.
Die Gebäudehülle aus mikroprofilierten, speziell beschichteten Sandwichpanels vermag die Witterung unterschiedlich zu widerspiegeln, verlängert die Lebensdauer der Panele und integriert in der Farbigkeit die grosse Photovoltaikanlage auf der Südseite des Hallendachs.
Das Gebäude wird über eine eingeschobene Nische in der Fassade betreten, die den Haupteingang markiert. Beim Eintritt werden die Tennisplätze subtil über einen runden Glaseinsatz in der Tennishallentüre angedeutet. Sobald die erwähnte geknickte Betonwand durchschritten wird, eröffnen sich den Spielern wie auch den Gästen die Raumaufteilung und Nutzung des Gebäudes. Die Hallen- und Aussenplätze werden über eine zentrale Schmutzschleuse erschlossen, wodurch die sportlichen Laufwege die Kulinarik im Clubrestaurant nicht tangieren. Der gesamte Tennisclub ist rollstuhlgängig ausgeführt.
Wärme via Deckenstrahlplatten
Im Untergeschoss befinden sich der Geräteraum sowie ein grosser Technikraum, der insbesondere die aufwendigen Elektroinstallationen in sich zusammenträgt: Steuerschränke für Heizung, Lüftung, Photovoltaikanlage, Reservationssystem, Tennisplatzbeleuchtung und Brandschutzschiebewand wurden installiert. Beheizt wird die Tennishalle mittels einer Luft/Wasser-Wärmepumpe, wobei die Wärme in der Halle via Deckenstrahlplatten abgegeben wird und im Clubhaus über eine Bodenheizung.
Die Deckenstrahlplatten verteilen die Wärmeenergie nicht durch Konvektion, sondern sie geben die Energie überwiegend in Form von Infrarotstrahlung ab, die sich erst beim Auftreffen auf den menschlichen Körper in Wärme umwandelt. Künstlich belüftet werden sämtliche Nasszellen wie Garderoben, Duschen und die Toiletten. Sämtliche Beleuchtungen entsprechen der neuesten Generation, basieren auf LED-Lichttechnik und sind grösstenteils dimmbar.
Nahezu endlose Terrasse
Die Materialisierung reduziert sich auf die dominanten Elemente Holz und Beton, die möglichst unbehandelt gezeigt werden. Entsprechend den beiden Ausbaustandards dominiert im Clubraum eine schöne astreine Weisstanne, wobei in den Garderoben unbehandelte Dreischichtplatten verwendet werden. Die dunklen Einbaumöbel und die dunkle Küche bilden den Farbkontrast zu den restlichen Materialien.
Der auffällig rote Farbton der Tennisplätze ist dominant – auf weitere Farben wurde bewusst verzichtet. Der Bodenbelag in Terrazzo-Optik und die Akustikdecke im Hauptraum laufen nahtlos in die Terrasse über, was die Wirkung vom zusammenhängenden Innenund Aussenraum verstärkt. Der Begriff Innenraum wird im Restaurantbereich durch die Hebeschiebetüren-Fassade bewusst verwässert: Die raumhohen Clubhausfenster lassen sich grossflächig öffnen. So fühlt man sich auf einer nahezu endlosen Terrasse noch ein Stück näher am Spielgeschehen.
Das Architekturbüro Peter Völlmin AG dankt dem Tennisclub Gelterkinden für die Möglichkeit, dieses einmalige Projekt über alle Phasen realisiert haben zu dürfen.
Martin Fernández, Architekturbüro Peter Völlmin AG
www.petervoellmin.ch