Eishockey, KV, Zügeldienst
22.01.2021 Bennwil, Porträt, Sport, EishockeyJérôme Lanz kämpft im Thurgau für seinen Platz in der Swiss League
Mit Ausnahme der National League, der Swiss League und der Women’s League sind sämtliche Eishockey-Meisterschaften abgebrochen. Jérôme Lanz steht mit dem HC Thurgau noch mitten in der Saison – und im ...
Jérôme Lanz kämpft im Thurgau für seinen Platz in der Swiss League
Mit Ausnahme der National League, der Swiss League und der Women’s League sind sämtliche Eishockey-Meisterschaften abgebrochen. Jérôme Lanz steht mit dem HC Thurgau noch mitten in der Saison – und im Arbeitsleben.
Sebastian Wirz
Selten waren die Löhne von Profisportlern mehr in der Presse und der öffentlichen Diskussion als im vergangenen Jahr: Wegen der Corona-Pandemie, der Einnahmeausfälle der Sportklubs und der Hilfspakete des Bunds, die Zweitere kompensieren sollten. Thematisiert wurden Lohnexzesse im Fussball und Eishockey – diese Reichen sollten auf einen Teil ihrer fürstlichen Gehälter verzichten, so die Meinung am polternden Stammtisch.
Es mag exorbitante Löhne geben im Profi-Sport, auch im Schweizer Eishockey. Für viele Berufssportler sieht die Lage aber eher aus wie bei Jérôme Lanz. Der Bennwiler spielt beim HC Thurgau in der Swiss League, der zweithöchsten Liga des Landes. Neben den Eishockeytrainings und -matches arbeitet der 22-Jährige beim Thurgauer Gewerbeverband. «Ich arbeite gerne. Es ist eine gute Abwechslung zum Eishockey. Rund 30 Prozent sind machbar», sagt Lanz zur «Volksstimme».
Training, Montage, Training
Seine Sportler-KV-Lehre, die er in Liestal begonnen hat, schloss er nach dem Wechsel vom EHC Basel zur Academy des EV Zug in der Innerschweiz ab. «Ich musste ein Jahr anhängen, weil das Sportler-KV dort vier Jahre dauert. Aber so habe ich einen Abschluss.» Auf die vergangene Saison hin wechselte Lanz zum EHC Olten. Vom Innerschweizer Nachwuchsteam ging es zu einem der besten und ambitioniertesten Teams der einstigen Nationalliga B. Er spielte 36 Matches für die Solothurner, darunter 3 in den Play-offs, erhielt aber keine Vertragsverlängerung. Einen Einsatz hatte er zudem beim EHC Basel in der Mysports League.
Mit dem HC Thurgau fand der Oberbaselbieter im Frühling schnell wieder ein Swiss-League-Team – die neue Arbeitsstelle konnte er aber erst im Oktober antreten. So jobbte er neben dem Sommertraining temporär: «Zügeldienst, Montage – ich habe einfach gemacht, was ich erhalten habe. Bei täglichen Trainings ist das als ‹Temporär› nicht ganz einfach», sagt Lanz.
In Weinfelden gehört Lanz zur Stammbelegschaft, allerdings wie schon in Olten als Rollenspieler: Der Stürmer hat sämtliche Vorbereitungs- und Meisterschaftsspiele für die Ostschweizer absolviert, erhält aber relativ wenig Eiszeit. «Ich spiele in der dritten oder vierten, der Kämpferlinie. Ich mache das gerne, aber jeder Spieler würde sich lieber in den ersten beiden Linien präsentieren», sagt Lanz. Im Kader stehen 14 bis 15 Angreifer, man könne sich nie sicher sein, ob man auf dem Matchblatt stehe. «Und bei wenig Eiszeit hat man auch wenig Möglichkeiten, sich für mehr aufzudrängen.»
Weihnachten mit Corona
Lanz will sich weiterhin durchbeissen, lässt aber offen, was nach seinem Vertragsjahr in der Ostschweiz passieren wird. Die laufende Saison hält schliesslich genügend Aufgaben für die Berufs-Hockeyaner bereit: Es gilt nicht nur, sich auf dem Eis von der besten Seite zu zeigen, sondern auch mit den Tücken der Pandemie umzugehen: Weihnachten hat der HC Thurgau in Quarantäne verbracht. 13 Spieler wurden positiv getestet – unter ihnen Jérôme Lanz. «Ich war krank und hatte Geschmacksverlust. Aber mich hat es nicht sehr hart getroffen.» Die zehn Tage ohne Sport seien hingegen ungewohnt gewesen.
An die Geisterspiele habe er sich gewöhnt, wenn auch nicht gerne. «Ich weiss schon bald nicht mehr, wie es überhaupt war mit Fans im Stadion», sagt Lanz und schmunzelt. «Es löscht einem ein wenig ab. Eishockey macht so weniger Spass. Aber immerhin können wir spielen. Und den Willen, ein Match zu gewinnen, haben wir auch so intus.» Dieser schlägt sich in der Tabelle nieder: Die Aussichten auf den 6. Rang, der die direkte Qualifikation für die Play-offs bedeutet, sind beim HC Thurgau gut – sofern die Pandemie der Liga nicht noch einen Strich durch die Rechnung macht.
Zum Zeitpunkt des Meisterschaftsabbruchs im Frühling war Lanz mit dem EHC Olten bereits aus den Play-offs ausgeschieden. Auf die Gefahr angesprochen, dass die Pandemie auch die Spielzeit 2020/21 vorzeitig beenden könnte, sagt der Waldenburgertaler: «In der Kabine wird schon darüber geredet. Aber wir spielen einfach so lange, wie es geht.» Es ist nicht die Zeit für weitreichende Pläne. «Wir haben uns daran gewöhnt, dass von Tag zu Tag etwas Neues kommen kann.»
Saison auch für den Nachwuchs zu Ende
wis. Nach der Saison der Regionalligisten sind nun auch die Meisterschaften in der Mysports League, der 1. Liga, der SWHL B und diejenigen der Junioren definitiv abgebrochen worden. Nur in den Elite-Kategorien der U17 und U20 hofft die Swiss Ice Hockey Federation noch auf eine Fortsetzung. Damit ist die Saison für sämtliche Oberbaselbieter Teams beendet.

