Schützen ja, bevormunden nein
31.12.2020 PolitikTrotz der Feiertage ist die Stimmung dieses Jahr stark getrübt. Bereits seit vielen Monaten drückt Corona auf unsere Laune und beeinträchtigt unser Leben. Ich bin froh, dass der Bundesrat und die Regierungen der einzelnen Kantone sehr lange sehr mutig mit der Pandemie ...
Trotz der Feiertage ist die Stimmung dieses Jahr stark getrübt. Bereits seit vielen Monaten drückt Corona auf unsere Laune und beeinträchtigt unser Leben. Ich bin froh, dass der Bundesrat und die Regierungen der einzelnen Kantone sehr lange sehr mutig mit der Pandemie umgegangen sind und sich so lange wie möglich mit der Anordnung von einschneidenden Massnahmen zurückgehalten haben. Trotz der reisserischen Berichterstattung der Boulevard-Presse, die uns täglich mit neuen Negativrekorden zu verunsichern versucht, indem jeweils Zahlen präsentiert werden, die teilweise aus der Luft gegriffen sind oder schlicht und einfach das Worst-Case-Szenario darstellen, ist insbesondere die Regierung des Kantons Basel-Landschaft mit gesundem Augenmass durch diese schwierige Zeit gegangen.
Es ist einfach, andauernd Massnahmen zu fordern und nach Lockdown zu rufen, wenn man die Folgen nicht verantworten muss. Der Ruf nach Sicherheit hallt derzeit durch alle Gesellschaftsschichten, wird aber immer nur isoliert betrachtet, und es wird nie auf die daraus resultierenden Folgen hingewiesen. Dazu möchte ich Ihnen einen Vergleich präsentieren: Hochgerechnet auf die Halbjahreszahlen 2020 wurden auf Schweizer Strassen 3230 Personen schwer verletzt und 190 getötet. Ohne Gurtenobligatorium wären diese Zahlen um ein Vielfaches höher, und es ergibt durchaus Sinn, sich im Auto mit Gurten zu schützen. Um eine absolute Sicherheit zu erlangen, müssten wir aber den Strassenverkehr komplett einschränken und sowohl das Auto- als auch das Velofahren verbieten. Dadurch könnten jährlich fast 200 Leben gerettet werden. Weshalb fordert dies jedoch niemand?
Ganz einfach – weil es keinen Sinn ergibt, weil es unser Leben und unsere Freiheit viel zu stark einschränken und unsere Wirtschaft zerstören würde. Komisch, dass wir dies bezüglich der Corona-Massnahmen so ganz anders sehen. Auch hier sind jene Auflagen und Verbote sinnvoll, die einen klaren und erweisbaren Nutzen bringen, aber unser Leben, unsere Freiheit und unsere Wirtschaft nur in einem erträglichen Mass einschränken. Forderungen nach vollständiger Sicherheit, nach Lockdown und ähnlich einschneidenden Massnahmen kommen dem vorgenannten gänzlichen Verbot des Autofahrens gleich und sind meines Erachtens nicht zielführend. Die Folgen sowohl wirtschaftlicher als auch gesellschaftlicher Natur können heute nicht abschliessend beurteilt werden, führen aber mit Sicherheit zu Schäden, die nicht weniger schlimm sind als jene, die durch das Virus verursacht werden. Wir setzen uns deshalb auch im Jahr 2021 dafür ein, dass zusätzliche Massnahmen immer nur dann verfügt werden, wenn sie wirklich notwendig sind und nur so, dass diese ihr Ziel mit geringsten Kollateralfolgen erreichen können. Populistische Forderungen nach Totalschliessungen und sofortigen, unbedachten Massnahmen unterstützen wir nicht, denn die Sicherheit steht nicht unbedingt und vorbehaltlos über der Freiheit. Wir wollen die Bevölkerung schützen, sie aber nie bevormunden. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen einen guten Start in ein hoffentlich besseres 2021. Bleiben Sie gesund und behalten Sie Ihre Freude am Leben – trotz der schwierigen Zeiten!
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.