Ruedi Epple über Abstimmungen im 19. Jahrhundert
Wenn ein Landes- oder ein Kantonsteil mehr oder weniger regelmässig anders abstimmt als der Rest, pflegen Politologen von einem politischen Graben zu reden. Auch dem Baselbiet waren solche Gräben nicht fremd, wie der Sissacher ...
Ruedi Epple über Abstimmungen im 19. Jahrhundert
Wenn ein Landes- oder ein Kantonsteil mehr oder weniger regelmässig anders abstimmt als der Rest, pflegen Politologen von einem politischen Graben zu reden. Auch dem Baselbiet waren solche Gräben nicht fremd, wie der Sissacher Historiker Ruedi Epple in Heft 3/2020 der «Baselbieter Heimatblätter» zeigt. Epple konzentriert sich auf das Abstimmungsverhalten der Birsecker Gemeinden von 1874 bis 1919. Diese 9 katholischen Gemeinden waren am 20. März 1815 vom Wiener Kongress dem reformierten Kanton Basel zugewiesen worden und hatten sich bei der Kantonstrennung von 1832/33 auf die Seite von Baselland geschlagen.
Führten die konfessionellen Unterschiede im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts zu einem deutlich anderen Abstimmungsverhalten besagter Gemeinden? Lässt sich also ein konfessionell bedingter politischer Graben zwischen ihnen und dem restlichen, reformierten Baselbiet feststellen? Aufgrund der von ihm analysierten Abstimmungen kommt Ruedi Epple zum Schluss, «dass im Bezirk Arlesheim sowohl konfessionelle als auch politische Gräben in Bezug auf das Verhältnis zwischen Kanton und Gemeinden auftraten. Konfessionelle Polarisierungen fielen dabei zeitweise heftiger aus als andere, traten dafür aber während einer kürzeren Phase auf.» Dabei macht Ruedi Epple deutlich, dass die neun katholischen Gemeinden keinen homogenen Block bildeten. Zudem war ihr Beharren auf möglichst grosser Gemeindeautonomie keine katholische Spezialität.
Den konfessionellen Graben eingeebnet hat schliesslich der Umstand, dass der Bezirk Arlesheim im ausgehenden 19. Jahrhundert der Teil des Kantons Baselland war, der sich am rasantesten veränderte. So führten die Ausstrahlung des nahen städtischen Zentrums sowie das Bevölkerungswachstum, verbunden mit der geografischen und sozialen Mobilität, dazu, dass das Birseck seine politische Eigenheit ablegte und in den Bezirk Arlesheim integriert wurde.
Martin Stohler, Gesellschaft für Regionale Kulturgeschichte BL
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