«Noch mehr Rekorde. Und 100 Jahre alt werden»
05.12.2019 Porträt, SportSchwimmen | Mit 95 Jahren ist Werner Keller noch kein bisschen müde
Der Seltisberger Werner Keller hat als 95-jähriger Sportler in seinem Leben viel erreicht. Er hat als Schwimmer grosse Erfolge erzielt und ist dabei mehrfach ausgezeichnet worden. Europa- und Schweizer ...
Schwimmen | Mit 95 Jahren ist Werner Keller noch kein bisschen müde
Der Seltisberger Werner Keller hat als 95-jähriger Sportler in seinem Leben viel erreicht. Er hat als Schwimmer grosse Erfolge erzielt und ist dabei mehrfach ausgezeichnet worden. Europa- und Schweizer Rekorde zieren sein Palmarès, das im Oberbaselbiet einzigartig ist.
Willi Wenger
Werner Keller aus Seltisberg ist als Schwimmer einzigartig. Er ist genial. Dokumentiert hat er dies zum wiederholten Mal in Nyon, wo er unlängst anlässlich der Masters-Schweizermeisterschaften vier Landesrekorde und zwei Kontinentalrekorde aufgestellt hat. Über 200 Meter Brust und über 800 Meter Freistil holte er in der Altersklasse 95 bis 99 Jahre in 9:39,87 Minuten beziehungsweise 42:14,70 Minuten Europarekorde. Er ist bescheiden und rückt diese Erfolge im Gespräch mit der «Volksstimme» nicht in den Mittelpunkt. Im Gegenteil. Er rühmt sich nicht selber, wenngleich er aus sportlicher Sicht allen Grund dazu hätte.
So hat er in den vergangenen fünf Jahren, in denen er in der Altersklasse 90 bis 94 schwamm, neun Schweizer Rekorde erzielt. Und jetzt, nachdem er am 27. Februar 95 Jahre alt geworden ist, erzielte er im Brust-, Rücken- und Freistilschwimmen bis jetzt 18 nationale Rekorde. «Ich bin noch nicht müde und werde in diesem Sinn weiterschwimmen», sagt der 70 Kilogramm schwere und 1,73 Meter grosse Sportler vom «Ärdbeerihübel». Er hofft, dass er «demnächst» in Delsberg weitere Bestmarken über 25 respektive 50 Meter erzielen kann.
Vom «Geschirrwasch-Jungen» …
Keller, der in Birsfelden aufgewachsen sowie zur Schule gegangen ist und als Sportler unter anderem Ski alpin, Militärischen Dreikampf und Orientierungslauf betrieben hat, hat ein facettenreiches, ein interessantes wie gutes Leben hinter sich. «Ich kann mich in keiner Weise beklagen», blickt der seit 70 Jahren mit seiner Frau Hedy verheiratete Seltisberger zurück. Er, der in den Jahren 1943, 1944 und 1945 jeden Monat Aktivdienst leistete, hat zwei bereits im AHV-Alter befindliche Kinder und mehrere Enkelinnen und Enkel. Und: Er ist in jeder Beziehung gesund.
Als 14-Jähriger verliess Keller 1938 die Birsfelder Primarschule und wurde kurzzeitig Ausläufer bei einer Lichtpausanstalt, ehe er «Geschirrwasch-Junge» in einer Basler Chemischen Fabrik wurde. Damals habe er in der Stunde 70 Rappen verdient, später, als Chemiearbeiter, an einem Samstagmorgen während fünf Stunden 5 Franken. Keller stieg zum Laboranten auf und war als gelernter Berufsmann an der Gründung der Laborantenvereinigung Basel beteiligt.
1949 heiratete er, in einer Zeit, als er bei den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) als Wagenführer und Billetteur tätig war. «Als Wagenführer lenkte ich die legendäre ‹Dante Schuggi›, unter anderem im Eilkurs zwischen dem Aeschenplatz und Aesch.» Obwohl ihn die Arbeit bei den BVB erfüllte, wechselte er 1962 nach diversen Weiterbildungen in die Versicherungsbranche zur damaligen Nationalversicherung. Er wurde Disponent, Schulungsleiter und zum Schluss seiner eindrücklichen Berufslaufbahn Leiter der Direktionsagentur im Rang eines Prokuristen. Das sei eine gute, eine geniale Zeit gewesen, und er habe in diesem Sinn auch beruflich das erreicht, was möglich war.
100 Jahre und dann weiter
1973 übersiedelte Keller mit der Familie von Basel nach Lampenberg und realisierte dort ein Haus, das ihm viel bedeutete. «Ich war über Jahre alle Tage im Garten und hatte es wirklich schön», kommentiert er in Basler Dialekt. Heute wohnt er in Seltisberg in einer Wohnung der Bürgergemeinde am Rand des Siedlungsgebiets zur Miete und nimmt es – auch bedingt durch sein Alter – etwas gemächlicher. «Einen Plan habe ich trotzdem immer und Termine ebenfalls», sagt der rüstige Pensionist und schmunzelt. Termine beispielsweise, wenn es ums Schwimm-Training geht. «Zweimal die Woche schwimme ich im Hallenbad Liestal zwischen 500 und 800 Meter, vor Wettkämpfen dreimal.»
Das Ehren- und Freimitglied des Schwimmvereins beider Basel sowie der einstige Präsident der Schwimmsektion von Old Boys Basel hat in seinem Leben immer noch klare Ziele. «Ich wünsche mir, dass ich noch weitere Altersklassen-Rekorde holen kann und dass ich hundert Jahre alt werde.» Dann wolle er weitere Bestleistungen in der Altersklasse ab 100 Jahre schwimmen, sagt der vor Lebensfreude sprühende Keller. 2020 will er aber zuerst an den Europameisterschaften in Ungarn teilnehmen. «Man muss sich ja Ziele setzen», freut er sich auf eines der kommenden sportlichen Glanzlichter.