Soziale Lehrstunde für «Mister Fadegrad»
04.07.2019 Buckten, PolitikLandratspräsidentenfest zu Ehren von Peter Riebli
Mit Herz, Respekt und Humor haben Buckten und die Baselbieter Politik den neuen Landratspräsidenten Peter Riebli gefeiert. Und auch ein bisschen den Regierungspräsidenten Isaac Reber.
Christian ...
Landratspräsidentenfest zu Ehren von Peter Riebli
Mit Herz, Respekt und Humor haben Buckten und die Baselbieter Politik den neuen Landratspräsidenten Peter Riebli gefeiert. Und auch ein bisschen den Regierungspräsidenten Isaac Reber.
Christian Horisberger
Isaac Reber hat am Montagabend an der Landratspräsidentenfeier die anwesenden Unterbaselbieter beruhigt, die nun befürchten könnten, mit einem Sissacher als Regierungs- und einem Buckter als Landratspräsident wolle das Oberbaselbiet im Kanton die Macht ergreifen. Dem sei selbstverständlich nicht so. Er und auch Riebli fühlten sich der Bevölkerung des ganzen Kantons verpflichtet und seien an einer konstruktiven Zusammenarbeit von Regierung, Parlament und Gemeinden interessiert. Er freue sich auf die Arbeit von und mit Riebli, sagte Reber. Wo es bisher Berührungspunkte gab, habe er den SVP-Mann als pragmatisch, konziliant und kritischkonstruktiv erlebt.
Das gute Wahlergebnis habe Riebli durch sein langjähriges Engagement auf kommunaler Ebene und seine Gewissenhaftigkeit im Parlament «redlich verdient», sagte Reber weiter. Dem neu zusammengesetzten Parlament wand er für die hervorragende Wahl Rieblis ein Kränzchen: Es habe «reif gehandelt», indem es Riebli für dessen umstrittenen Sozialhilfe-Vorstoss (siehe «Volksstimme» vom Dienstag) nicht wie bei seiner Wahl zum Vizepräsidenten einen Denkzettel verpasste. Denn: «Wir wollen gemeinsam vorwärtskommen.»
Riebli gab sich optimistisch, mit dem Regierungspräsidenten zu harmonieren. Schon mal mit Sicherheit nicht in die Quere kämen er und Reber sich bei ihrem bevorzugten Getränk: Reber sei Biertrinker, er bevorzuge Wein.
Satirischer Rundumschlag
Eine weitere Kostprobe seines Humors gab der Mann des Tages in einem satirischen Rundumschlag an die Adresse aller Politikerinnen und Politiker – sich eingeschlossen – zum Besten. Er habe in seinen vier Jahren im Landrat so einiges mitbekommen: «In jeder Streitfrage gibt es zwei Standpunkte: meiner und den falschen.» Oder: «Es gibt geniale Parlamentarier, die verdrehen die Fakten, ohne sie zu kennen. Was dabei herauskommt, ist so falsch, dass nicht einmal das Gegenteil richtig wäre.»
Der Landratspräsident schlug aber auch ernstere Töne an: Er pries das Milizsystem in der Politik und zog den Kreis weiter bis zum kleinen Dorfverein, dessen Mitglieder sich gratis oder für ein Sackgeld für die Allgemeinheit engagieren würden. Freiwilliges Engagement sei eine Stütze unserer Gesellschaft.
In der politischen Debatte möchte Riebli lieber über Zweck und Ziele reden, anstatt über Gut und Böse. Eine Moralisierung sei verheerend und würde zur Ausgrenzung Andersdenkender führen, sagte er. «So funktioniert Politik nicht.» Er bleibe lieber bei Fakten und kämpfe mit offenem Visier, sagte er.
Wer sich aus dem Fenster lehnt, darf sich nicht wundern, wenn auch mal eine Tomate geflogen kommt: In Anlehnung an Rieblis Sozialhilfe-Motion überreichte Mirjam Würth (SP) dem «Wolf im Schafspelz» im Namen aller Landratsfraktionen einen Gutschein für einen «sozialen Stadtrundgang» in Basel. Bei dieser Führung der Organisation Surprise könne Riebli einen Blick «ins Wohnzimmer der Obdachlosen» werfen und sehen, wie Randständige ihr Leben bestreiten und so seinen Horizont erweitern. Würth verpackte die «Tomate» für den Kollegen mit Charme und einem Augenzwinkern.
In ähnlichem Stil ging es weiter: Basels Grossratspräsident Heiner Vischer bedankte sich für die Gastfreundschaft und wünschte Riebli ein gutes Amtsjahr. In seine Grussadresse verpackte er einen Seitenhieb an die Adresse von Justiz- und Sicherheitsdirektor Baschi Dürr. Als Redner sei eigentlich Dürr vorgesehen gewesen, der aber habe seine Notizen vergessen.
«Bester Paps der Welt»
Was bei den weiteren Ansprachen vor der gesamten Baselbieter Polit-Prominenz zu erfahren war: Rieblis Zwillingstöchter Martina und Nadia halten «Mister Fadegrad», der Mühe habe, links von rechts zu unterscheiden – geografisch, nicht politisch – für den «besten Paps» der Welt. Im Homburgertal wird der Buckter «Breesi» geschätzt als einer, der nicht lange fackelt, sondern mitmacht und anpackt. Da vergeben die Buckter ihrem einstigen Feuerwehrkommandanten sogar, dass er seinen Obwaldner Dialekt auch nach mehr als 30 Jahren im Homburgertal nicht abgelegt hat.
Die Feier in der mit Flaggen und kunstvollen Blumenarrangements dekorierten Mehrzweckhalle wurde umrahmt von hochklassigen musikalischen Einlagen des Musikvereins Buckten (unter anderem mit dem «Landratspräsidentenmarsch», einst komponiert zum Landratspräsidentenfest zu Ehren von Robert Schneeberger), dem Chor Buckten (unter anderem mit einer Ode ans «Läufelfingerli») und einem Alphorntrio.