Marktstimmung in familiärer Atmosphäre
21.05.2019 Bezirk Sissach, OltingenEin Dorf wächst über sich hinaus
Ideales Wetter hat dem «Oltiger Määrt» am Wochenende wiederum einen Grossaufmarsch aus Nah und Fern beschert. Die Postautokurse wurden doppelt geführt und die bereitgestellten Parkplätze waren trotz «Mega» bestens belegt.
Philipp ...
Ein Dorf wächst über sich hinaus
Ideales Wetter hat dem «Oltiger Määrt» am Wochenende wiederum einen Grossaufmarsch aus Nah und Fern beschert. Die Postautokurse wurden doppelt geführt und die bereitgestellten Parkplätze waren trotz «Mega» bestens belegt.
Philipp Widmer
Das Holzriesenrad muss nicht wieder im Vordergrund stehen und auch das grosse Haus muss nicht immer auf das Foto. Denn es gibt am «Oltiger Märt» so viele weitere Attraktionen und Fotosujets, dass es eine Freude ist. Zum Beispiel war erstmals eine Bobbahn mit dabei, bei der man einen Originalschlitten auf Schienen anschieben und dabei die Zeit messen konnte. Diese Herausforderung des Bobteams Lorenzoni nahmen viele grosse und kleine Bobbegeisterte an.
Aber natürlich stürmen die Besucher in erster Linie die liebevoll dekorierten Verkaufsstände. Sie bieten vorwiegend regionale Köstlichkeiten an, aber auch immer wieder originelles Kunsthandwerk. Darüber hinaus wird ein ganz erstaunliches musikalisches Programm angeboten, das der Autor diesmal bewusst beachten wollte.
Die heimelige Kirche mit feiner Akustik, hoch über dem Dorf gelegen, steht offen für Vorträge verschiedenster Musikstile. Der Sonntag bot ein Kammermusikprogramm über mehrere Stunden, aber ohne «Hörzwang» über die ganze Dauer, mit «I Pizzicanti». Ein Ensemble, das häufig an renommierte Festivals in der Schweiz und in Europa eingeladen wird. Den Anfang am Samstag machte aber eine A-capella-Damen-Formation, «vocafabula», die auf beachtlichem Niveau eine kurzweilige, musikalische Weltreise zwischen Volksmusik und Jazz präsentierte. Werden sie dazu eingeladen? Oder regelrecht engagiert?
«Wir müssen kein Geld verdienen»
Wie so vieles am Oltinger Grossanlass ergibt es sich einfach: Rahel Buser wirkt als Organistin in der Kirche und singt mit bei «vocafabula». Grund genug seit vier Jahren, das Damenquintett mit einer Auftrittsmöglichkeit zu fordern. Oder Paul Gass: Er ist in Oltingen aufgewachsen, dann weggezogen und spielt jetzt während des Marktes Volksmusik vor dem Hof seines Bruders mit der Formation «Binzewägerhusmusig» – ein Hinweis auf eine Adresse in Binningen.
So ergeben sich gemäss Stefan Eschbach, dem Gemeindepräsidenten und langjährigen OK-Mitglied, immer wieder Verbindungen zu Verwandten oder Freunden von Oltingern. «Meistens werden wir angefragt von Musikern, die gerne bei uns spielen wollen», erklärt er, nachdem er gerade die Musikgesellschaft Wittnau mit Verpflegungsgutscheinen belohnt hat. «Das ist, neben einer Bewilligung, eigentlich alles, was sie von uns bekommen», fügt er an.
Von diesem bescheidenen Entgelt über die moderaten Standgebühren bei den Verkaufsständen liegt der Schluss nahe, dass die Gemeinde die Finanzierung dieser jährlichen «Riesenkiste» relativ gelassen angehen kann. «Wir müssen mit diesem Anlass kein Geld verdienen», sagt Eschbach, der Ertrag liege in der Ausstrahlung der Gemeinde weit über die Grenzen hinaus und bei der Freude, welche die Einwohner selber dabei hätten. «Zufriedene Leute hier, einfach zufriedene Leute. Man merkt es überall», stellt weiter unten ein Besucher aus der grossen fernen Stadt an einem Spezialitätenstand begeistert fest und spricht dem Gemeindepräsidenten aus dem Herzen.





