Einer der letzten Ur-Adler

| Fr, 08. Mär. 2019

Unihockey | Simon Werthmüller hat alles erlebt, was ein Waldenburg Eagle erlebt haben kann

Morgen starten die Waldenburg Eagles in die Play-offs, die sie zurück in die 1. Liga führen sollen. Mit dabei: Simon Werthmüller, ein Adler der ersten Stunde, berüchtigt für seine «Zorro-Moves».

Sebastian Wirz

Wenn der Körperkontakt durch die Regeln auch begrenzt ist: Unihockey zehrt am Körper. Mit 32 Jahren schmerzen die Glieder. Die Hüfte bockt seit längerer Zeit. Nun sind auch noch zwei Rippen geprellt. Simon Werthmüller beobachtet das letzte Spiel, bevor seine Adler ab morgen in den Play-offs den Aufstieg in die 1. Liga anpeilen, von der Tribüne aus. Wenn es gut läuft, kann er seinen Teil zum Aufstieg auf dem Feld in den beiden anstehenden Serien noch beitragen.

Werthmüller hat alles gesehen, was ein Eagle gesehen haben kann. Als der Verein 1999 eine Nachwuchs-Abteilung gründete, stieg er ein. Seit die Waldenburger auf dem Grossfeld unterwegs sind, ist der Feldspieler Teil der ersten Mannschaft. Darum kennt er auch die 1. Liga. Er war dabei, als die Waldenburger 2013 aufgestiegen sind, und kämpfte mit dem Team die folgenden drei Jahre gegen den Abstieg. Zweimal klappte es mit dem Ligaerhalt in den Playouts, im Frühling 2016 war der Abstieg dann aber Tatsache.

«Die Rückkehr in die 1. Liga wäre super. Wir sind nach Unihockey Basel Regio der zweitgrösste Verein in der Region», sagt der Ur-Adler. Der Niveauunterschied zur 2. Liga sei beträchtlich. «Das Balltempo ist höher und das Spiel physisch deutlich härter.» Von der Ambiance her gehörten die Eagles so oder so ins Oberhaus: «Diese Kulisse, die wir hier in Oberdorf haben», sagt Werthmüller und zeigt auf die Tribüne, auf der auch mal über 200 Zuschauer Platz nehmen, und die Fans, «das hat kein anderer Zweitligist und auch nicht jedes Team in der 1. Liga.»

Zorro ohne Maske
Mit Daniel Fluri an der Bande hält Werthmüller nicht nur den Aufstieg für möglich. «Mit seinem Fachwissen, seinem Engagement in der Matchanalyse, seiner klaren Linie und seiner fordernden Art schon im Sommertraining könnte das Team auch eine Klasse höher bestehen.» Fluri habe zudem kaum Abwesenheiten, sei einfach immer da. Damit lebe er etwas vor, das die Waldenburger brauchen: «Wenn wir nicht mehr machen als andere, steigen wir nicht auf», sagt der Routinier.

Werthmüllers Vertrauen in Fluris Entscheidungen geht so weit, dass er dem Trainer überlässt, ob er seine Karriere auch nach dem Aufstieg fortsetzen wird. «Wenn es mein Körper zulässt und ich ein Spieler sein kann, der in den entscheidenden Momenten auf dem Feld steht, mache ich gerne weiter.» Für den Coach gibt es keinen Grund für einen Rücktritt seiner Nummer 13. «Simon ist einer unserer Topskorer. Seine Stärken liegen im Offensiv- und Überzahlspiel. Der Abschluss ist jeweils brandgefährlich.»

Und nicht zu vergessen: Werthmüller ist der «Zorro» bei den Adlern. Mit seinem «Zorro-Move» gehört er «zu den wenigen ‹Zauberern› auf Schweizer Unihockeyfeldern», sagt Fluri. Dabei schwingt der Angreifer den Ball in der Luft von links nach rechts und wieder zurück – also wie das Z der berühmten Roman- und Filmfigur –, um so den gegnerischen Torhüter zu täuschen und dann auf der Gegenseite einzuschiessen. Diese technische Finesse macht Werthmüller zu einem starken Freistoss- und vor allem Elfmeterschützen.

Keine Junioren seit dem Junior
Seit über 20 Jahren verbringt Werthmüller nun seine Freizeit als Unihockeyaner in der Sporthalle. Das ist noch etwas länger, als er im familieneigenen Malerbetrieb involviert ist, wo die Verantwortung langsam von seinem Vater an ihn übergeht. Werthmüller ist ein identitätsstiftendes Puzzleteil bei den Eagles, deren Spieler immer seltener aus Waldenburg und dem Tal kommen. «Für diesen Verein opfern sich vom Vorstand und dem Sportchef bis zu den Trainern so viele Leute auf – er ist stark verankert im Tal», sagt Werthmüller.

Auch er war jahrelang Juniorentrainer, bis der eigene Junior zu Hause dies zeitlich nicht mehr erlaubte. Beendet Werthmüller einst seine Spielerlaufbahn, wird er die Sporthalle fürs Erste als Zuschauer beehren. Eine Rückkehr als Trainer kann sich der zweifache Vater eher vorstellen, wenn der eigene Nachwuchs einst im entsprechenden Alter ist. Da bliebe noch etwas Zeit, sollte er denn wirklich aufhören.

Aktuell gilt der Fokus dem Projekt Aufstieg. Morgen um 17 Uhr treffen die Eagles in Oberdorf auf Lausanne, ehe eine Woche später das zweite Spiel auswärts stattfindet. Spätestens am Sonntag, dem 17. März, fällt die Entscheidung in der Best-of-Three-Serie der beiden Zweitligisten. Der Gewinner der Serie trifft auf ein Team aus der 1. Liga. Wer dreimal siegt, sichert sich den Platz im Oberhaus. Spätestens dann sollten Werthmüllers Rippen wieder halten, damit «Zorro» seinen Adlern zum Aufstieg verhelfen kann.

Als der Abpfiff ertönt und die Eagles auch das letzte Spiel vor den Play-offs gewonnen haben, verabschiedet sich Werthmüller. Ob verletzt oder nicht – er ist Teil des Teams und des Chors: Seine Stimme darf beim Baselbieterlied, das die Adler nach jedem Heimspiel gemeinsam mit den Fans singen, nicht fehlen.

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