«Der Philosophie treu bleiben»
28.02.2019 Fussball, SportDer FC Liestal sieht seine Rolle als Nummer 1 im oberen Kantonsteil
Der FC Liestal ist der höchstklassierte Fussballverein der Region. Nach schwierigen Jahren steht der Verein unter der Führung von Präsident André Benz wieder auf gesunden Füssen und lebt seine Philosophie der ...
Der FC Liestal sieht seine Rolle als Nummer 1 im oberen Kantonsteil
Der FC Liestal ist der höchstklassierte Fussballverein der Region. Nach schwierigen Jahren steht der Verein unter der Führung von Präsident André Benz wieder auf gesunden Füssen und lebt seine Philosophie der regionalen Verankerung.
Daniel Schaub
«Dem FC Liestal geht es sehr gut», sagt André Benz, der Präsident des interregionalen Zweitliga-Fussballklubs. Es ist Februar, sein Verein organisiert gerade den «EBL Binggis Cup», ein Kinderfussball-Hallenturnier mit 500 Beteiligten. Zum Empfang geben sich gleich drei Regierungsräte die Ehre, und selbst wenn man das dem laufenden Wahlkampf zuschreiben mag, zeigt es doch den Respekt der Politik gegenüber der Arbeit, die der Klub leistet.
Benz hat mit seinem Vorstandsteam den Verein vor knapp vier Jahren übernommen – und es galt, den Klub wieder in die Spur zu bringen. Heute kann Benz erleichtert sagen: «Wir sind gut aufgestellt, wir sind liquid und ohne jegliche Verbindlichkeiten.» Und die erste Mannschaft agiert wieder als das, was der Philosophie des Vorstands und des Klubs entspricht. Das hat einerseits mit Kontinuität zu tun. Trainer Mario Ritter ist schon in seiner vierten Saison in Folge tätig, im vergangenen Sommer hatte das Team keinen Abgang zu verzeichnen und hat sich nur mit zwei jungen Spielern ergänzt.
In der Zusammenstellung achtet der FC Liestal auf drei Kriterien: Ein Spieler soll eine historische Verbindung zum FC Liestal haben, er soll aus einem Verein der Region stammen – oder er soll ganz einfach ins Konzept passen.
Spieler aus der Region
Wer die aktuelle personelle Spielersituation des FC Liestal analysiert, kommt zum Schluss, dass diese Vorgaben zu 100 Prozent erfüllt sind. Gleich zwölf Fussballer des momentanen Kaders haben schon beim FC Liestal Junioren gespielt oder sind nach Ausbildungsjahren im Spitzenfussball wieder nach Liestal zurückgekehrt.
Einige Spieler haben Wurzeln bei Oberbaselbieter Vereinen, schwergewichtig beim FC Gelterkinden oder beim FC Frenkendorf. Einige wurden von benachbarten Klubs übernommen, Silas Schneider vom FC Bubendorf etwa oder im vergangenen Sommer Sven Hirschi vom FC Gelterkinden. «Ich verstehe, dass dies den Stammvereinen nicht immer gefällt, aber für die Entwicklung des Spielers ist es oft der richtige Schritt, sich in einer höheren Liga beweisen zu können», sagt Benz. Er räumt ein, dass «wir manchmal unter dem schlechten Ruf aus früheren Zeiten leiden, wir uns aber immer um ein gutes Einvernehmen mit den Klubs aus dem Oberbaselbiet bemühen und sogar gerne noch enger zusammenarbeiten würden».
Benz sagt, dass es für den FC Liestal als Verein aus dem Baselbieter Kantonshauptort nichts als logisch sei, den Anspruch zu erheben, «die Nummer 1 in der Region zu sein». Dies gilt durchaus auch für die höchste Nachwuchsstufe ausserhalb des Spitzenfussballs. Der Klub bemüht sich, auf allen Stufen in der Coca-Cola-Junior-League vertreten zu sein, was für Talente aus der Region eine attraktive Plattform bieten kann. Verabschiedet hat sich der FC Liestal vor einiger Zeit aus den Förderprogrammen im Spitzenfussball und im Projekt Footeco – nicht primär aus sportlichen, sondern vorab aus finanziellen Gründen. Man wollte sich wieder auf das «Kerngeschäft» konzentrieren. Auch das zuvor lohnintensive Sekretariat verursacht im aktuellen Budget keine Personalkosten mehr.
200 finanzielle Unterstützer
«Wir hatten das grosse Glück, dass wir zu Anfang unseres Engagements eine Welle der Solidarität durch die Mitglieder und Partner erfahren durften», sagt Benz. Heute weiss er rund 180 bis 200 Unterstützer an der Seite des Vereins. Eine Abhängigkeit von einzelnen Geldgebern gibt es nicht mehr. Benz hat in erster Linie die Vision, dass «wir unserer Philosophie treu bleiben und dass wir den sportlichen Erfolg anstreben, aber nur mit jenen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen». Im vergangenen Sommer stand der FC Liestal eine Zehenspitze vor dem Aufstieg in die 1. Liga, doch der verlangte Sieg im letzten Meisterschaftsspiel gegen den SC Dornach gelang nicht.
In der laufenden Spielzeit muss sich der FC Liestal eher nach hinten orientieren, ohne akut abstiegsgefährdet zu sein. Benz macht sich keine grossen Sorgen. «Wir haben eine tolle Mannschaft», ist er überzeugt. Im Winter kam Florian Müller zurück, der im Angriff eine wertvolle Verstärkung sein wird. Und wer weiss, vielleicht klopft der FC Liestal dereinst wieder an die Tür zur 1. Liga. Ein guter Zeitpunkt wäre das Jahr 2020, dann wird einer der ältesten Fussballklubs der Schweiz 125 Jahre alt.