«Ein Konzert ist dann gut, wenn es berührt»
29.12.2018 GelterkindenOrchester sucht einen neuen Dirigenten
Kommendes Jahr kann Ueli Gisi sein 10-Jahre-Jubiläum als Präsident des Orchesters Gelterkinden feiern. Nach einer überraschenden Kündigung muss er nun einen neuen Dirigenten für das 54-köpfige Orchester ...
Orchester sucht einen neuen Dirigenten
Kommendes Jahr kann Ueli Gisi sein 10-Jahre-Jubiläum als Präsident des Orchesters Gelterkinden feiern. Nach einer überraschenden Kündigung muss er nun einen neuen Dirigenten für das 54-köpfige Orchester finden.
Sander van Riemsdijk
«Orchester haben keinen eigenen Klang, den macht der Dirigent», pflegte Herbert von Karajan zu zitieren. Glaubt man die Worte des im Jahr 1989 verstorbenen Dirigenten, dann ist das Orchester Gelterkinden im übertragenen Sinn momentan auf der Suche nach seinem Klang. Mit dem letzten Konzert vor rund zwei Wochen unter dem Motto «In Memoriam Maestri» in der katholischen Kirche in Gelterkinden (die «Volksstimme» berichtete) hat Dirigent Gunhard Mattes sich nämlich nach sieben Jahren als künstlerischer Leiter verabschiedet. Überraschend, wie Präsident Ueli Gisi aus Wenslingen eingestehen muss.
Das Orchester Gelterkinden, 1916 durch den Primarlehrer Willy Hiestand gegründet, ist ein sogenanntes Amateurorchester. Ausser der Konzertmeisterin und dem Dirigenten, die einen Lohn beziehen, sind die Musiker fast ausnahmslos Amateure. «Ein Dirigent muss musikalische Emotionen an die Musikerinnen und Musiker vermitteln können», umschreibt Gisi das Anforderungsprofil eines musikalischen Leiters. Dies war Mattes sehr gut gelungen und er hatte auch für «einen Quantensprung in der Gesamtentwicklung des Orchesters gesorgt», ergänzt Gisi.
«Ein faszinierender Job»
Ausschlaggebend für Mattes’ Kündigung waren denn auch nicht die unbestritten musikalischen Qualitäten des Dirigenten, sondern man habe sich nach sieben Jahren schlichtweg auseinanderentwickelt. Damit das Orchester gemäss Zitat von Herbert von Karajan wieder seinen Klang erhält, wird die Stelle ab Februar 2019 ausgeschrieben. Solche Stellen sind gesucht und zusammen mit dem ausgezeichneten Renommee des Orchesters ist Gisi zuversichtlich, bald einen geeigneten Kandidaten zu finden. Bis zur definitiven Neubesetzung der Stelle konnte mit Osvaldo Ovejero für die Konzerte im Juni interimistisch ein Dirigent gefunden werden.
Dieser tritt in grosse Fussstapfen, denn das letzte Konzert bot trotz einer nicht ganz optimalen Raumakustik anspruchsvolle klassische Performances, die am Schluss mit Standing Ovations belohnt wurden. «Und für diesen Applaus lebt der Musiker», so Gisi. Für ihn ist «ein Konzert dann gut, wenn es berührt». Und wie steht es um die Motivation von Ueli Gisi nach neun anspruchsvollen Jahren als Präsident des Orchesters und kurz nach der Kündigung von Mattes? Für einen kurzen Moment gibt er sich nachdenklich. Er denkt an sein Alter – er ist unterdessen 72 – und wer ihn dann beerben könnte. Auf seine Wortwahl bedacht, gibt er zu bedenken, dass die Aufgabe gerne unterschätzt wird und sehr umfangreich ist.
Als ehrenamtlicher Präsident sei man für vieles zuständig, für die gesamte aufwendige Organisation der Konzerte, die Repräsentation des Vereins nach aussen, die Sponsorensuche, die Pflege der Website und vieles mehr. Bei ihm laufe einfach alles zusammen. Den zeitlichen Aufwand im Jahresdurchschnitt beziffert er auf etwa einen Halbtagsjob. Trotzdem: «Es ist nach wie vor ein faszinierender Job mit vielen Gestaltungsmöglichkeiten.» Gerne vergleicht er die organisatorische Führung «seines» Orchesters mit dessen 54 Mitwirkenden, einem Durchschnittsalter von 53 Jahren und einem Frauenanteil von über 60 Prozent mit einem KMU.
In Gisis Worten spürt man auch nach neun anstrengenden Jahren weiterhin das Herzblut für die Musik und sieht einen Präsidenten, der, wie er dies ausdrückt, auf eine sehr erfüllende Amtszeit zurückblickt, in der grossartige musikalische Projekte realisiert werden konnten. Als Präsident und als mitspielender Flötist freut er sich in seinem Jubiläumsjahr besonders auf die beiden Konzerte «Glocken und Spitteler», die im Juni zum 100-Jahre-Jubiläum der Verleihung des Literaturnobelpreises an Carl Spitteler aufgeführt werden.
Zur Person
svr. Ueli Gisi ist 72 Jahre alt, pensionierter Biologe und wohnt in seinem Elternhaus in Wenslingen. Er hat drei erwachsene Töchter und sechs Enkelkinder. Als ehemaliger Präsident des Gemischten Chors Wenslingen und der Pfarrwahlkommission Oltingen-Wenslingen-Anwil und als jetziger Präsident der Fachkommission Zonenplan-Landschaft Wenslingen ist er sehr mit dem Dorf verbunden.