Ein Sissacher gewinnt – die Gemeinde auch
29.12.2018 SissachRisiken und Nebenwirkungen eines Millionengewinns
Seit 2012 hat die Show «Happy Day» 28 Menschen zu Millionären gemacht. Diese Woche auch einen Sissacher – nur wenige Tage vor der neuen Steuerregelung.
Yvonne Zollinger
«Der Abspann lief ...
Risiken und Nebenwirkungen eines Millionengewinns
Seit 2012 hat die Show «Happy Day» 28 Menschen zu Millionären gemacht. Diese Woche auch einen Sissacher – nur wenige Tage vor der neuen Steuerregelung.
Yvonne Zollinger
«Der Abspann lief schon, als wir bemerkten, dass wir einen Fehler gemacht haben», sagt Willy Mesmer, Mediensprecher von Swisslos, zu den Verwirrungen, die um den Gewinner der «Happy Day»-Show vom 22. Dezember entstanden sind. «Danach mussten wir erst einmal das Chaos sortieren, das wir angerichtet hatten.» Das Los fiel nach manueller Ziehung beim zweiten Versuch auf Kurt Huber. Pech im Glück hat der Sissacher, weil er kurz vor Inkrafttreten des neuen Steuergesetzes für Einnahmen aus Lotterien gewonnen hat. Ab 1. Januar kommenden Jahres sind diese bis 1 Million Franken steuerfrei. «Der Zeitpunkt der Ziehung ist massgebend», sagt Mesmer. Zehn Tage später und der Gewinn hätte dem Sissacher vollumfänglich gehört.
«Steuerhölle» Baselland
Generell gilt nach einem Lottogewinn: 35 Prozent des Gewinns werden von Swisslos direkt an die Steuerbehörden überwiesen. Wenn man seinen Gewinn in der nächsten Steuererklärung deklariert, wird das Geld an die Steuerbehörde im Wohnkanton des Gewinners gezahlt. Diese berechnet dann, ob er, je nach Steuersatz, noch mehr vom Gewinn nachzahlen muss oder zurückerhält. Kantone wie Baselland oder Zürich zwacken, laut Informationen von VZ Vermögenszentrum, schweizweit am meisten vom Millionenbetrag ab, nämlich fast die Hälfte.
Der Umzug in einen steuergünstigeren Kanton könnte sich daher lohnen, wird aber laut Mesmer kaum praktiziert. «Die meisten Gewinner verhalten sich typisch schweizerisch, nämlich pragmatisch und unauffällig», sagt er. «Sie leben auch Jahre nach dem Gewinn noch am selben Ort, zum Teil in derselben Wohnung oder im selben Haus.» Viele würden weiterhin arbeiten. Der Luxus zeige sich eher bescheiden, wie zum Beispiel in grösseren Ferienreisen.
Das Leben nach dem Gewinn
«Jedes Jahre verschicken wir Fragebogen an Gewinner von vor fünf Jahren», sagt Mesmer. «Wir möchten wissen, wie es den Menschen mit ihrem Gewinn ergangen ist.» Zum Fragekatalog gehörten nicht nur Angaben zur Verwendung des Gewinns, sondern auch, wie dieser familiäre Beziehungen beeinflusst habe. Ob er Auswirkungen auf Freundschaften hatte oder die Lebensumstände anderweitig veränderte. Die Auswertung wird von Mesmer jeweils in einer Medienmitteilung Anfang Jahr publiziert. Zu den Geschichten, die er im Zuge dieser Umfragen hört, zählt auch die der kurdischen Familie, die in einer Gemeinde auf dem Land Asyl gefunden hat. Nach einem Millionengewinn hätte die Familie durch den Wegzug in eine steuer günstigere Gegend sehr viel Geld sparen können. Sie tat es nicht, mit der Begründung: «Hier sind wir gut aufgenommen worden. Hier wollen wir bleiben und den Menschen etwas zurückgeben.»
Am 23. Februar steht die nächste «Happy Day»-Sendung auf dem Programm. Kurt Huber wird als frischer Millionär mitwirken und dabei sein, wenn ein glücklicher Gewinner eine, diesmal steuerfreie, Million gewinnt.