AUSGEFRAGT | FRED LÖW, WEINBAUER AUS BUUS
12.10.2018 Baselbiet«Baselbieter Tropfen müssen sich nicht verstecken»
Die Oberbaselbieter Weinbauern können auf eine aussergewöhnliche Ernte zurückblicken. Die Trauben sind bereits gelesen, rund einen Monat früher als gewöhnlich. Qualitativ müsse ...
«Baselbieter Tropfen müssen sich nicht verstecken»
Die Oberbaselbieter Weinbauern können auf eine aussergewöhnliche Ernte zurückblicken. Die Trauben sind bereits gelesen, rund einen Monat früher als gewöhnlich. Qualitativ müsse man sich längst nicht mehr verstecken, sagt Weinbauer Fredy Löw aus Buus.
Jürg Gohl
Vor einer Woche haben Fredy Löw, der Weinbauer aus Buus, und seine Helfer die letzten Trauben auf seinen 3,5 Hektaren Rebland geerntet. Nie zuvor konnte er bereits im August mit der Lese beginnen und sie so früh im Jahr, nämlich anfangs Oktober, beenden. Die Freude am ausserordentlichen Weinjahr lässt er sich nicht verderben. Auch nicht durch ein Ranking in einer Sonntagszeitung, das vor fünf Tagen erschien und unter den 50 besten Schweizer Blauburgunder-Weinen keinen einzigen Baselbieter Tropfen führte.
«Volksstimme»: Herr Löw, wie sehr waren Sie enttäuscht, als Sie in der Zeitung die 50 besten Rotweine sahen, die allesamt aus anderen Landesteilen stammen?
Fredy Löw: Ich bemerkte das gar nicht. Wir haben am vergangenen Freitag unsere Lese abgeschlossen. Deshalb wollte ich am Sonntag einfach nur ausspannen – ohne Zeitung. Bei solchen Ranglisten bin ich immer sehr vorsichtig, zumal sie sehr subjektiv sind. Nach welchen Kriterien sind sie erstellt? Wie viele Juroren entscheiden mit? Zu welchen Weinbauern unterhalten diese Experten eine Beziehung?
Es gibt aber auch ein objektives Kriterium, den Öchsle-Grad.
Da können wir problemlos mitbieten. Diesbezüglich liegt das Baselbiet in aller Regel jedes Jahr mit den Bündner und den St. Galler Weinen an der Spitze. Doch der Öchsle-Wert ist nicht der allein seligmachende Massstab.
Baselbieter Weine werden immer wieder prämiert. Sind diese Auszeichnungen demnach auch subjektiv und sagen deshalb nicht viel aus?
Tatsächlich kehren die Baselbieter Weine immer wieder mit Medaillen und Auszeichnungen von nationalen, ja sogar internationalen Weinprämierungen heim. Und die Konkurrenz schickt dort ebenfalls ihre Hengste an den Start, nicht die Maulesel. Wir müssen uns also nicht verstecken. Ich stelle immer wieder fest, dass Leute, die unsere Weine nicht kennen oder bisher ignorierten, mit einem Aha-Erlebnis reagieren. Jeder Weinkonsument sollte sich ohnehin seine eigene Meinung bilden. Denn jeder Weintrinker hat seine eigenen Vorlieben. Schlechte Weine kommen heute ohnehin nicht mehr auf den Markt, und die Qualität hängt sehr stark auch mit dem Fleiss des Weinbauern während des ganzen Jahres im Rebberg zusammen.
Weshalb aber haben das offenbar noch nicht alle Experten bemerkt?
Das ist auch eine Frage der Grösse. Ein kleiner, aber ausgezeichneter Uhrmacher wird immer seine Insider-Kunden haben, während Uhrenkonzerne in grossen Mengen produzieren und zudem werben können. Bei uns ist das ähnlich. Im Kanton Wallis zählt man rund 5000 Hektaren Rebland, im Baselbiet sind es 120. Wir sind zu klein, um mit der grossen Kelle anrühren zu können. Unser Kanton macht im Schweizer Rebbau knapp ein Prozent aus. So dürfte man dem Weinexperten der Zeitung nicht einmal böse sein, dass er dieses Krümelchen vom Kuchen übersehen hat.
Die Weinbauern blickten im Oktober auf einen ausserordentlichen Herbst zurück. Wurden die Hoffnungen voll erfüllt?
Ja. Die Quantität ist sehr gut ausgefallen, ich betrachte sie sogar als ausserordentlich. Jetzt ist der Kellermeister gefordert, daraus einen aussergewöhnlichen Wein zu schaffen. Es liegt ein Jahr ohne störende Ereignisse wie Hagel oder Dauerregen hinter uns. Weil wir früh fertig sind, weisen die Rebstöcke auch noch keine Herbstfärbung auf und können deshalb über ihre dunkelgrünen Blätter Reservestoffe für den Winter tanken. Der einzige Nachteil: Beim Herbsten war es dieses Mal im Rebberg oft zu heiss und wegen der Menge sehr hektisch. Deshalb können wir Weinbauern den vielen freiwilligen Helfern nicht genug danken.
Die Kirschessigfliege verschonte die Reben in diesem Jahr auch weitgehend. Wie wichtig war das?
Das verschönert die Ernte zusätzlich. Bei uns steht auf dem Hof zu Anschauungszwecken noch ein Sortengarten. Dort konnte man zuletzt beobachten, wie die Trauben von der Kirschessigfliege von Tag zu Tag stärker befallen wurden. Ich führe das auf den morgendlichen Tau zurück. Mit anderen Worten: Hätten wir in diesem Jahr nicht einen Monat Vorsprung auf die Marschtabelle gehabt, hätte dieser Schädling unseren Trauben erneut schwer zugesetzt.
Angenommen, Sie wären statt Weinbauer Petrus. Welches Wetter würden Sie für 2019 planen?
Hitze und Wassermangel haben im endenden Sommerhalbjahr der Natur sehr zugesetzt. Doch für uns Weinbauern war es geradezu ideal. Ich arbeite nun seit 40 Jahren im Rebberg. Doch ein solches Jahr, in welchem alles passte, habe ich noch nie erlebt. Petrus Löw würde also für das kommende Jahr einfach 2018 kopieren. Vielleicht noch mit der einen oder anderen kühlenden Wolke.

