Nur noch wenige Minuten bis zum Start. Ein weiteres Mal sitzen wir im Flieger an ein Auswärtsspiel. Über die Lautsprecher die Sicherheitsinstruktionen, die ich zum gefühlt tausendsten Mal höre. Ich habe mal gelesen, man solle jedes Mal aufmerksam zuhören. Nur durch diesen ...
Nur noch wenige Minuten bis zum Start. Ein weiteres Mal sitzen wir im Flieger an ein Auswärtsspiel. Über die Lautsprecher die Sicherheitsinstruktionen, die ich zum gefühlt tausendsten Mal höre. Ich habe mal gelesen, man solle jedes Mal aufmerksam zuhören. Nur durch diesen Drill und die Wiederholungen könne man sich die Informationen auch im Ernstfall vergegenwärtigen. Eigentlich wie im Sport, wo Perfektion der Bewegungsabläufe ebenfalls nur durch eine fast endlose Anzahl Wiederholungen erreicht werden kann.
Wir rollen nun auf die Startbahn, dann geht’s los. Wir heben ab. Ziel dieser Reise: Saporischschja, Ukraine – das erste Spiel der Europameisterschafts-Quali. Die Ukraine ist eine weitere Destination auf einer langen Liste von Orten, die ich im vergangenen Jahr dank des Volleyballs besuchen durfte: Taipeh, Tschechien, Österreich, Russland, Italien, Slowenien. Nun noch die Ukraine und Mazedonien. Es sind viele Orte darunter, die ich in meiner Freizeit wohl nie bereisen würde. Ich denke dabei beispielsweise an unser Sibirien-Abenteuer im Europacup vergangenen Winter. Temperaturen bis zu minus 34 Grad. Die Stadt – Surgut – nicht gerade eine typische Feriendestination. Vielmehr eine reine Industriestadt. Ein Erlebnis nichtsdestotrotz.
Spitzensport verlangt viele Opfer und der Trainingsalltag kann schon mal hart und eintönig sein. Das viele Reisen ist ein Faktor, der dafür entschädigt. Man besucht spezielle Orte und lernt tolle Persönlichkeiten kennen. Kontakte mit den verschiedensten Kulturen und deren Eigenheiten sind prägende Erlebnisse und lassen einen meist die eigene schweizerische Wesensart reflektieren. So muss ich im Ausland auch mal über mich selbst lachen, wenn ich an der Kasse im Supermarkt ungeduldig werde, weil das ganze Prozedere etwas gemächlicher abläuft, als ich es aus der Schweiz gewohnt bin.
Das Reisen mag viel mit sich bringen, auch hier steht aber der Sport immer im Zentrum. Sightseeing und andere Freizeitaktivitäten bleiben dabei meist auf der Strecke. Ich vergegenwärtige mir gerade unser heutiges Programm. Wir landen um circa 17 Uhr. Vom Flughafen gehts direkt ins Training. Danach Essen, Physio, Regeneration. Der Plan für morgen: nach einem kurzen, morgendlichen Training noch Videovorbereitung auf das abendliche Spiel. Dazwischen wieder Erholung und mentale Vorbereitung. Am nächsten Tag fliegen wir dann schon wieder zurück. Denn am Sonntag haben wir bereits unser nächstes Spiel. In Schönenwerd, um 18.30 Uhr, gegen Ungarn. Es gibt sicher noch Tickets.
Der Bubendörfer Samuel Ehrat ist seit sieben Jahren Profi-Volleyballer in der Nationalliga, derzeit bei Volley Schönenwerd unter Vertrag und Captain der Schweizer Nationalmannschaft. Er wohnt in Basel.