AUSGEFRAGT | ALEXANDER ZWAHLEN, PRÄSIDENT VEREIN ALTES BLECH, LANGENBRUCK
17.08.2018 GesellschaftDieses Wochenende haben Schönwetterautos in Langenbruck ihren grossen Auftritt – oder zumindest die betagteren unter ihnen. Am Oldtimer-Treffen des Vereins Altes Blech Langenbruck treffen sich die Liebhaber alter Autos von nah und fern. Der Vereinspräsident Alexander Zwahlen hat ...
Dieses Wochenende haben Schönwetterautos in Langenbruck ihren grossen Auftritt – oder zumindest die betagteren unter ihnen. Am Oldtimer-Treffen des Vereins Altes Blech Langenbruck treffen sich die Liebhaber alter Autos von nah und fern. Der Vereinspräsident Alexander Zwahlen hat über sechs Jahre an seinem eigenen Oldtimer geschraubt.
Michèle Degen
Wer sich zwischen Weisswandreifen und Dieselqualm wohlfühlt, den zieht es dieses Wochenende nach Langenbruck. Denn das Passdorf wird ab morgen für zwei Tage zum Mekka für Oldtimer-Liebhaber. Der Verein Altes Blech Langenbruck organisiert bereits zum 16. Mal ein Treffen für Besitzer geschichtsträchtiger Karossen und Interessierte. Der Langenbrucker Alexander Zwahlen erlebt den Anlass heuer zum dritten Mal als Präsident des Vereins Altes Blech. Im Interview mit der «Volksstimme» spricht er über seine Passion für die Restauration von in die Jahre gekommenen Fahrzeugen und darüber, was passiert, wenn der Oldtimer plötzlich fertig restauriert ist.
«Volksstimme»: Herr Zwahlen, macht altes Blech nicht mehr Probleme als Freude? Alexander Zwahlen: Solange das Blech alt ist, aber noch in gutem Zustand, wie das bei unseren Oldtimern ja der Fall ist, hat man schon Freude daran. Bei altem Blech hat man allerdings oft mit rostigen Stellen zu tun, die weniger Spass machen. Aber die beseitigt man während der Restauration.
Was macht denn die Faszination an Oldtimern aus?
Ein altes Auto ist ein Stück Geschichte, das man in seiner Garage stehen hat. Die Fahrzeuge sind Zeitdokumente verschiedener Jahrzehnte. An den Autos sieht man, was die Leute der damaligen Zeit überhaupt technisch umsetzen konnten. Die Autos zeigen, was damals realisierbar war und was noch nicht. Es ist spannend, die Entwicklung der Autos und damit auch der Technik zu verfolgen. Aus diesem Grund besitzen Oldtimer-Eigentümer eines oder mehrere solcher Zeitdokumente.
Aus welcher Zeit stammt Ihr Oldtimer?
Ich habe mehrere. Das Auto, in das ich am meisten Zeit gesteckt habe, ist ein Mercedes mit Jahrgang 1957. Ihn habe ich vor acht Jahren in einem sehr schlechten Zustand gekauft. Es war ein reines Gebrauchsauto. Und je älter das Auto wurde, desto mehr haben die Besitzer nur noch das Allernötigste gemacht. Eine Zeit lang stand es einfach in der Garage. Das setzt einem Auto zu.
Was kostet Sie Ihr Hobby?
Ein Auto zu restaurieren, ist ein Abwägen zwischen Geld und Zeit: Investiert man mehr Geld, braucht man weniger Zeit. Ich habe mich für die zeitaufwendigere Variante entschieden und das meiste selbst gemacht. Dafür habe ich während sechs Jahren einen Grossteil meiner Freizeit mit der Arbeit am Auto verbracht und kann nun sagen, dass ich jedes Einzelteil des Fahrzeugs einmal in den Händen hatte.
Bleibt da noch Zeit für etwas anderes?
Sicher. Ich habe noch weitere Hobbys, denen ich regelmässig nachgehe. Ich mache Musik und fliege Segelflugzeug, und das geht gut nebeneinander. Man muss sich die Zeit dafür aber schon nehmen. Ich habe keinen Fernseher, vielleicht ist das der Grund, dass ich das kann. (lacht)
Was sagt Ihre Familie dazu, dass Ihre Hobbys Sie so absorbieren?
Die Familie muss das Hobby unterstützen, sonst geht es nicht. Gerade beim Oldtimer-Restaurieren ist das wichtig. Es gab Zeiten, in denen im ganzen Haus Teile des Mercedes herumlagen, an denen ich gerade gearbeitet habe. Da musste meine Familie eine Menge Toleranz aufbringen. Wenn ein Fahrzeug aber einmal fertig restauriert und eingelöst ist, geht es eigentlich nur noch darum, es instand zu halten und zu pflegen.
Verliert das Auto nicht an Reiz, wenn die Restauration einmal beendet ist?
Vielleicht ein bisschen. Deshalb beginnen viele Oldtimer-Liebhaber dann mit einem zweiten Projekt. Neue Projekte sind natürlich immer spannend. Es ist wohl einfacher, etwas Neues zu beginnen, als etwas Bestehendes zu beenden.
Wie könnte so ein nächstes Projekt für Sie aussehen? Kaufen Sie sich einfach die nächste alte Rostlaube und legen wieder los?
Im Moment nicht. Mit jedem weiteren Oldtimer, den man besitzt, wird der gesamte Pflegeaufwand grösser; und irgendwann wird das zu viel. Dann müsste man entweder ein Auto abgeben oder in einem anderen Lebensbereich kürzertreten. Und den Mercedes, in den ich so viel Zeit und Herzblut gesteckt habe, gebe ich nicht gleich wieder her. Es würde mich aber reizen, ein Auto für jemand anderes zu restaurieren.
16. Oldtimer-Treffen des Vereins Altes Blech Langenbruck, Samstag, 18. August, von 10 bis 22 Uhr, und Sonntag,19. August, von 10 bis 17 Uhr, Langenbruck, Eintritt frei.
Zur Person
md. Der 32-jährige Alexander Zwahlen ist Maschineningenieur und lebt in Langenbruck. Bereits mit 14 Jahren begann er mit dem Restaurieren von Motorrädern. Vor acht Jahren kam dann der erste Oldtimer – ein Mercedes aus dem Jahr 1957. Zwahlen ist Gründungsmitglied des Vereins Altes Blech Langenbruck. Seit drei Jahren hat er das Amt des Präsidenten inne. Der Verein umfasst rund 50 Aktivmitglieder. Mithilfe von Freiwilligen organisiert der Verein jedes Jahr ein zweitägiges Oldtimer-Treffen in Langenbruck, an dem Liebhaber ohne Anmeldung ihre Oldtimer ausstellen können.


