16,5 × 2,5 × 4 Meter: XXL-Fasnachtslastwagen
26.02.2026 Fasnacht, SissachDie Wagenclique «Zapfhähne» hat sich mit einem Camion selbst übertroffen
Mit einem Sattelschlepperauflieger als Fasnachtswagen haben die Sissacher «Zapfhähne» in Sachen Grösse eine neue Dimension erschlossen. Sie haben dafür Lob und Tadel ...
Die Wagenclique «Zapfhähne» hat sich mit einem Camion selbst übertroffen
Mit einem Sattelschlepperauflieger als Fasnachtswagen haben die Sissacher «Zapfhähne» in Sachen Grösse eine neue Dimension erschlossen. Sie haben dafür Lob und Tadel erhalten.
Pyro Man
Gross, grösser, Zapfhähne: Nach dieser Formel hat die Sissacher Wagenclique an den Umzügen in der Vergangenheit immer wieder für Aufsehen gesorgt. Dieses Jahr überbietet sich die zehn Mann starke Formation selber: Sie hat einen Lastwagenauflieger zum Fasnachtswagen umfunktioniert und ihn ausserdem mit zwei Bars, professioneller Beleuchtung, Sound-Anlage und Platz zum Tanzen ausgestattet.
Durch die schiere Grösse des von einem Sattelschlepper gezogenen 13-Meter-Anhängers geriet das Sujet der «Zapfhähne», die Sissacher 800-Jahr-Feier, am Umzug vom Sonntag fast ein wenig in den Hintergrund. Mehr als für den «Zirkus», den die Wagenclique zum 801. veranstaltete, dürften sich die Schaulustigen dafür interessiert haben, ob es das insgesamt mehr als 16,5 Meter lange und 21 Tonnen schwere Gespann um die engen Kurven schafft.
Es war manchmal knapp, aber die Schlüsselstellen konnten alle gemeistert werden, sagt «Zapfhähne»-Chef Mike Christen. Dies sowohl in Sissach als auch am Umzug in Gelterkinden. Der Chauffeur, ein «Zapfhahn» und Profi am Lastwagenlenkrad, habe beide Umzugsrouten vorgängig mit einem Auto abgefahren, um sich zu vergewissern, dass der Camion beim Umzug nicht stecken bleibt. Für die Sicherheit der Zuschauenden sei das Fahrzeug ausserdem von zwei Personen zu Fuss begleitet worden, die über Funk mit dem Fahrer in Kontakt standen, ergänzt Christen: «Sicherheit ist das höchste Gebot.»
Grosse Investition
Nur drei Mal stand der Anhänger der «Zapfhähne» mit einer Länge von 13 Metern, einer Breite von 2,5 Metern und einer Höhe von gegen 4 Metern an der Fasnacht im Einsatz: Nach den Umzügen in Sissach und Gelterkinden noch am Sissacher Kinderumzug vom Dienstag. Im Anschluss daran wurde er in der Begegnungszone parkiert und die Soundanlage in Betrieb genommen: Kinderdisco. Je länger der Abend dauerte, desto erwachsener wurden die Gäste und desto alkoholischer die Getränke – das Ganze mündete im Fastnachtsprogrammteil «Wagenburg». Dies war dann auch der letzte Einsatz des Camions – für diese Fasnacht.
Und das nächste Jahr? War der Auflieger eine einmalige Aktion und die Zapfhähne besinnen sich für die Zukunft wieder auf ein traditionelles Konzept mit Traktor und Anhänger? Oder wollen sie wieder mit einem neuen, noch grösseren Wurf auftrumpfen?
Der Chef-«Zapfhahn» verneint. Dafür habe die Clique schlicht zu viel Geld (und Arbeit) in den Auflieger gesteckt, der in seinem ersten Leben zum Absaugen und Transportieren von Schlamm gedient hatte: rund 13 000 Franken. Ein Crowdfunding auf der Plattform «wemakeit» (die «Volksstimme» berichtete) kam laut Mike Christen nicht zustande. Stattdessen hätten private Gönner aus dem Umfeld der Aktiven bei der Finanzierung geholfen. In Zukunft werde die Wagenclique ihren Anhänger unter dem Jahr als mobiles, autobahntaugliches «Eventlokal» vermieten und für die Fasnacht dann äusserlich umgestalten.
Streitbarer Gigantismus
Sicher ist: Der imposante Fasnachtswagen der «Zapfhähne» hat beim Publikum einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Der Clique gebührt Lob für eine gelungene Überraschung beim Umzug, Respekt für die Leistung, die sie in baulicher Hinsicht erbracht und für den Aufwand, den sie betrieben hat. Über die neue Dimension des Gigantismus kann man sich streiten. So hatte sich zum Beispiel die Präsidentin der Fasnachtsgesellschaft Sissach (FGS) in der «Volksstimme» kritisch zur Fahrzeuggrösse und Abkehr vom traditionellen Wagenbau geäussert und bekräftigte dies, nachdem sie das vollendete Werk gesehen hatte: «Noch so einen würde ich nicht erlauben», sagte Rebecca Badella. Dies müsste wohl in den lokalen Vorschriften verankert werden. Am Fasnachtsumzug wurden auch eindeutig ablehnende Stimmen laut.
Mike Christen hat dafür sogar Verständnis: «Das ist kein traditioneller Fasnachtswagen mehr, das schleckt keine Geiss weg», sagt er. Es sei auch gar nicht in seinem Interesse, dass irgendwann nur noch solche Wagen an den Umzügen mitfahren: «Wir wollten einfach etwas anderes machen und als sich die Gelegenheit dazu ergab, haben wir sie genutzt.»
Die Rückmeldungen, die ihn erreichten, seien ausschliesslich positiv, betont Christen – selbst aus den Reihen der FGS. Zudem sei er bereits am Sissacher Umzug von einem Zaungast aus Basel darauf angesprochen worden, der sich vorstellen könnte, einen runden Geburtstag im Fasnachtslastwagenzirkuszelt zu feiern. Und: Am Sissacher Kinderumzug seien die zur Verfügung stehenden Plätze im Fasnachtslastwagen beim Fasnächtler-Nachwuchs heiss begehrt gewesen.

