«10-Millionen-Schweiz»
21.04.2026 BRIEFERadikales Umdenken nötig
Sich mit der Zuwanderung auseinandersetzen ist sinnvoll. Die SVP-Initiative ist aber fremdenfeindlich. «Deckel drauf und fertig» ist nicht lösungsorientiert. Wachstumswahn, Konkurrenzdenken, Egoismus und Gewinnmaximierung ...
Radikales Umdenken nötig
Sich mit der Zuwanderung auseinandersetzen ist sinnvoll. Die SVP-Initiative ist aber fremdenfeindlich. «Deckel drauf und fertig» ist nicht lösungsorientiert. Wachstumswahn, Konkurrenzdenken, Egoismus und Gewinnmaximierung beherrschen die Szene weltweit.
Was es braucht, ist ein radikales Umdenken und die absolute Bereitschaft für effektive Veränderungen. Wie sollen Studierende für Reformen gewonnen werden, wenn an den Hochschulen weiterhin betriebswirtschaftliche Narrative aus dem letzten Jahrhundert doziert werden, die zu den heutigen Sorgen, Ärgernissen und Ängsten der Menschen geführt haben? Es werden milliardenhohe Summen für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Wie viel davon fliesst wohl in das Entwickeln einer Volks- und Betriebswirtschaftslehre, die den Menschen wirklich dient? Ich kann beispielsweise der Schöpfung von Avataren an der ETH nichts abgewinnen. Zugespitzt formuliert handelt es sich dabei bloss um luxuriöse Spielereien für Start-ups und das Börsencasino.
Wie wäre es, wenn Budgets mit jährlich gleichbleibenden oder gar leicht abnehmenden Umsätzen erstellt würden und auf unanständige Gewinne verzichtet würde? Wachstumstreibend ist auch die Kredit- und Zinspolitik. Ein tiefes Zinsniveau begünstigt das Leben auf Pump, verleidet das Sparen und verleitet zum Erwerb von Equity- und Immobilienfonds in der Hoffnung auf steuerbefreite Kapitalgewinne. So werden unter anderem Realwerte, zum Beispiel Wohnungen, in Kapitalanlagen transformiert. Wohnungsproduktion generiert Zuwanderer, und ausländisches Kapital findet unter Umgehung der Lex Koller den Weg in die Schweiz.
Ich erwarte von unseren Politikerinnen und Politikern das Aushandeln von gemeinschaftsdienlichen Lösungen. Die Initiative ist unaufrichtig, zielt auf die von der SVP als «Sozial- und Asylmigranten» Bezeichneten ab und ist deshalb zwingend abzulehnen.
Heinz Schweingruber, Kilchberg
