Zwischen Zirkus und Gourmetküche
30.10.2026 Oltingen«Kulturplatz» zeigt das Zusammenspiel von «Ochsen» und Oberer Mühle
Weit hinten im Tafeljura sagen sich Fuchs und Hase nicht nur gute Nacht, nein, hier steppt auch der Bär. Die Crew der Fernsehsendung «Kulturplatz» machte sich deshalb vor Kurzem ...
«Kulturplatz» zeigt das Zusammenspiel von «Ochsen» und Oberer Mühle
Weit hinten im Tafeljura sagen sich Fuchs und Hase nicht nur gute Nacht, nein, hier steppt auch der Bär. Die Crew der Fernsehsendung «Kulturplatz» machte sich deshalb vor Kurzem neugierig auf den Weg nach Oltingen.
Brigitte Keller
«Kleines Dorf, viel Kultur: das Geheimnis von Oltingen.» So lautet der Titel zur aktuellen Ausgabe der Fernsehsendung «Kulturplatz», die am Mittwochabend erstmals ausgestrahlt wurde. Host Nina Mavis Brunner nimmt darin die Zuschauerinnen und Zuschauer mit auf die Suche nach dem Geheimrezept, das im «Zaubertrank» von Oltingen steckt.
Einen grossen Beitrag für das vielfältige kulturelle Angebot im Dorf leisten die Betreiber des Gasthauses «Ochsen», Markus «Stocky» Stocker und Mirjam Hildbrand, und – gleich auf der gegenüberliegenden Seite der Schafmattstrasse – Thekla Michel und Fidelio Lippuner von der Genossenschaft Obere Mühle. Damit es nicht zu Überschneidungen der beiden Kulturanbieter kommt, spreche man sich untereinander ab oder – noch besser – kombiniert die Angebote.
In der «Kulturbeiz Ochsen» gibt es einen Mix aus Konzerten, Kleinkunst und ganz viel Kultur auf dem Teller. Dahinter stehen der Gastronom Markus Stocker und Mirjam Hildbrand, ausgebildete Theaterwissenschaftlerin. Für einmal hatte Corona auch sein Gutes, denn in jener Zeit begann die Liebe zueinander und das gemeinsame Wirken.
Dörfer beleben
An einem der Tage, als die Filmcrew zu Besuch war, empfingen die beiden Kulturbeizbetreiber befreundete Zirkusakrobaten aus Frankreich. Nach dem gemeinsamen Aufbau der mobilen Bühne auf dem Schulhausplatz gaben sie am Abend eine Vorstellung. Auf die Frage der Reporterin, was man besonders schätze am vielfältigen Angebot, antwortet eine der Besucherinnen wie folgt: «Wir geniessen sehr, dass hier im kleinen Dorf immer wieder die Welt zu Besuch kommt.» Untergebracht sind die Artisten in der Oberen Mühle, wo Räume als «Bed and Breakfast» zur Verfügung stehen. Dort gibt es gleich noch eine kleine Führung mit der Filmkamera durch die Räumlichkeiten: Es wird gezeigt, wie aus Stoffstreifen von ausgedienten Kleidern neue Teppiche gewoben werden und wie Fidelio Lippuner in seiner Polsterei-Werkstatt einem alten Sitzmöbel ein neues Leben schenkt. Der Plan, die altehrwürdige Obere Mühle mit allerlei Aktivitäten zu beleben und für die Öffentlichkeit zugänglich zu erhalten, ist aufgegangen. «Wir finden es wichtig, dass die Dörfer belebt bleiben und dass man gemeinsam etwas gestalten kann», erzählt Thekla Michel.
Dass es derweil in der Küche des «Ochsens» auch mal hektisch zu und her gehen kann, das zeigt die «Kulturplatz»-Kamera ebenfalls. Denn gerade trifft eine Gruppe ein, die zuvor einen eigens organisierten Wildkräuterrundgang mit einem befreundeten Pflanzenexperten unternommen hatte, und lässt sich für das Gourmet-Menü an den gedeckten Tischen vor dem Haus nieder.
Mit ihrem grossen Einsatz und der Liebe zum Detail treffen Stocker und Hildbrand den Nerv der Zeit weit über die Dorfgrenzen hinaus, und die beiden haben sich längst eine grosse Fangemeinde erkocht. «Unser Anspruch ist, die Leute glücklich zu machen», sagt «Stocky» Stocker, «und uns machen wir damit auch glücklich. Das ist ein Privileg.»
Wie gross und vielfältig das kulturelle Angebot in Oltingen ist, darüber haben auch die Verantwortlichen der Sendung «Kulturplatz» gestaunt bei ihren Besuchen im entlegenen Dorf. Offenbar kam so viel Material zusammen, dass statt der Hälfte der Sendezeit eine ganze Sendung genehmigt und gestaltet wurde.
Die fertige Sendung bekamen die Protagonisten auch erst am Mittwochabend zu sehen. «Man weiss ja nicht, was von den Geschichten schlussendlich genommen wird», erzählt Mirjam Hildbrand am Donnerstagmorgen. Ein schönes Porträt sei es geworden, das es auf den Punkt treffe. Und Markus «Stocky» Stocker fügt an: «Es ist das ganze Dorf, nicht nur der ‹Ochsen› und die Obere Mühle, das sehr aktiv ist. Es ist eine wunderschöne Energie mit so vielen engagierten Menschen im Dorf – und dass man das teilt, damit etwas zusammen entsteht, von dem wir ein Teil sind.»
Wer kann, hilft mit, packt an und ist zugleich auch Teil des Publikums in Oltingen. Oder, wie es «Kulturplatz»- Host Brunner nennt, «hier ist Gemeinschaft Programm». Das scheint eine der wichtigsten Zutaten im «Zaubertrank» zu sein und womöglich das grosse Geheimnis des kleinen Dorfes, das schon immer etwas anders tickte.
www.ochsenoltingen.ch
www.oberemühleoltingen.ch

