Zwischen Wohlwollen und Skepsis
28.07.2026 ReigoldswilBauernfamilie betreibt erfolgreich Crowdfunding
Mit einer Crowdfunding-Aktion hat eine Reigoldswiler Bauernfamilie innert weniger Tage fast 16 000 Franken für den Zukauf von Futter gesammelt. Die ungewöhnliche Idee stösst auf viel Sympathie – wirft in der ...
Bauernfamilie betreibt erfolgreich Crowdfunding
Mit einer Crowdfunding-Aktion hat eine Reigoldswiler Bauernfamilie innert weniger Tage fast 16 000 Franken für den Zukauf von Futter gesammelt. Die ungewöhnliche Idee stösst auf viel Sympathie – wirft in der Landwirtschaft aber auch Fragen nach ihrer Nachhaltigkeit auf.
Thomas Gubler
Die zweifellos unorthodoxe Idee der Reigoldswiler Bauernfamilie Rosset, mittels Crowdfunding das nötige Geld für den Zukauf von Futter für ihre Kühe zu generieren, erweist sich als Erfolg. Nach kräftigem Anschub durch den Bericht im «Regionaljournal Basel/ Baselland» von Radio SRF kam bis am Donnerstagabend eine Summe von knapp 10 000 Franken an Spenden zusammen. Das ursprüngliche Ziel von 3500 Franken konnte so innert kurzer Frist auf 20 000 Franken angehoben werden. Inzwischen konnten knapp 16 000 Franken gesammelt werden (Stand gestern Nachmittag).
Die Reaktionen in der Branche und in der Öffentlichkeit reichen dabei von wohlwollendem Staunen bis zu skeptischer Kenntnisnahme. Der allgemeine Tenor lautete: Man gönnt es der Familie Rosset, ist sich aber auch bewusst, dass das keine nachhaltige Massnahme gegen Futterknappheit auf einem Bauernhof sein kann. Offene Kritik mag niemand üben.
Originelle Idee
Eleonor Fiechter, Leiterin der Abteilung Produktion, Markt und Direktzahlungen im Ebenrainzentrum für Landwirtschaft, Natur und Ernährung in Sissach, erachtet das Crowdfunding durchaus als originelle Idee, «auch wenn es letztlich ein Hilferuf ist». Ein Patentrezept sei das nicht. «Aber warum es nicht mal probieren?» Das einzige Patentrezept in der gegenwärtigen Situation wäre nur «mindestens eine Woche feiner Regen».
Auch eine nachhaltige Massnahme für die Zukunft sieht Eleonor Fiechter im Crowdfunding «eher nicht». Jeder Betrieb müsse die Rechnung aber für sich selber machen. Bei genauem Hinsehen seien Spendengelder letztlich aber doch nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Zumal diese nur einem einzigen Betrieb zugutekommen, während die Trockenheit alle in der Region betrifft. Vielleicht müsse man halt doch, so Fiechter, wieder zur alten Bauernweisheit zurückkehren, wonach die beste Vorsorge für Jahre wie diese darin besteht, «einen halben Heustock in Reserve zu halten». Will heissen: in guten Jahren wie 2025 vorzusorgen.
Geben und nehmen
Ähnlich denkt auch Marcel Itin, Biolandwirt, Obst- und Gemüsebauer aus Ormalingen. Er gönnt zwar seinem Reigoldswiler Kollegen Rosset, den er von der Ausbildung her kennt, das Spendengeld, könnte sich aber eine Nachahmung in seiner betrieblichen Situation nicht vorstellen. Itin befürchtet auch – und das wohl nicht ganz zu Unrecht –, dass ein solches Crowdfunding den Neid von Kollegen in ähnlich schwieriger Situation wecken könnte. «Und irgendwie entsteht doch aus diesen Spenden auch so etwas wie eine Bringschuld. Massnahmen dieser Art müssten irgendwie auf ein Geben und Nehmen hinauslaufen», meint der Ormalinger Landwirt.
Die Idee der Familie Rosset mag durchaus originell sein. Und so wird sie auch gewürdigt. Zahlreiche Beobachter hoffen denn auch, dass es den Rossets gelingt, ihren Viehbestand damit vor der Schlachtbank zu bewahren. Klar ist aber auch, dass ein solches Crowdfunding nur punktuell wirksam sein kann. Denn wenn «jeder» das macht, funktioniert es nicht mehr.
Abhilfe schaffen kann in einer angespannten Futtersituation wie der gegenwärtigen letztlich neben dem dringend notwendigen Regen eben doch nur eine genügende Reservehaltung oder – auch wenn das schwerfallen kann – eine Reduktion des Viehbestands.
