Zwischen Spitex und Pfl egeheim braucht es Angebote
12.06.2026 PolitikPascal Wiget, Gemeindepräsident Hersberg, GLP
In den vergangenen Tagen war in der Presse erneut zu lesen, dass die steigenden Kosten in der Langzeitpflege viele Gemeinden beschäftigen. Das wirft verständlicherweise Fragen auf. Es zeigt aber vor allem, ...
Pascal Wiget, Gemeindepräsident Hersberg, GLP
In den vergangenen Tagen war in der Presse erneut zu lesen, dass die steigenden Kosten in der Langzeitpflege viele Gemeinden beschäftigen. Das wirft verständlicherweise Fragen auf. Es zeigt aber vor allem, dass eine Weiterentwicklung der Versorgung im Alter notwendig ist. Dabei geht es nicht darum, einzelne Pflegeheime als teuer darzustellen. Pflegeheime erfüllen eine zentrale Aufgabe. Sie betreuen Menschen mit hohem Pflegebedarf. Dafür braucht es qualifiziertes Personal, Infrastruktur und verlässliche Rahmenbedingungen. Wer über Kosten spricht, sollte deshalb auch über Qualität und Versorgungssicherheit sprechen.
Gleichzeitig verdient die Kostenentwicklung Aufmerksamkeit. Die Zahl älterer Menschen steigt deutlich an. Da sich die heutigen Strukturen kaum verändern, nehmen auch die finanziellen Belastungen der Gemeinden weiter zu. Entscheidend ist deshalb, passende Angebote zu schaffen, damit Menschen nicht früher als nötig in ein Pflegeheim eintreten. Genau hier setzen intermediäre Angebote an. Sie liegen zwischen der Unterstützung zu Hause und der stationären Versorgung. Sie sind nicht an eine bestimmte Institution gebunden, sondern können von unterschiedlichen Leistungserbringern getragen werden. Dazu gehören Tagesstrukturen, Kurzzeit- aufenthalte, Entlastungsangebote, Übergangspflege, betreutes Wohnen oder koordinierte Unterstützung zu Hause. Solche Angebote können ältere Menschen stabilisieren, Angehörige entlasten und Krisensituationen entschärfen.
In der Alters- und Pflegeregion Liestal setzen wir uns mit der Frage auseinander, wie die Versorgung im Alter gezielter gestaltet werden kann. Ältere Menschen sollen jene Unterstützung erhalten, die zu ihrer Situation passt. Heute wird oft entlang der Pole «zu Hause» und «Pflegeheim» diskutiert. In der Praxis sind die Lebenssituationen vielfältiger. Viele Menschen möchten lange selbstständig und selbstbestimmt bleiben, brauchen aber mehr Sicherheit, Begleitung oder Entlastung, als punktuelle Hilfe leisten kann. Beispiele sind Tagesstrukturen, Übergangspflege und betreutes Wohnen. Eine Tagesstruktur kann Alltag und soziale Kontakte geben und Angehörige entlasten. Übergangspflege kann nach einem Spitalaufenthalt die Rückkehr nach Hause vorbereiten. Betreutes Wohnen verbindet Selbstständigkeit mit Sicherheit und sozialer Einbindung.
Intermediäre Angebote brauchen Personal, Räume, Transportlösungen und Leistungsvereinbarungen. Kurzfristig können Kosten entstehen. Langfristig können sie helfen, teurere Versorgungssituationen zu vermeiden und Ressourcen gezielter einzusetzen. Die Zukunft der Altersversorgung liegt nicht im Gegeneinander von Spitex, Pflegeheimen und neuen Angeboten. Sie liegt im Zusammenspiel. Es lohnt sich, früher anzusetzen, dort, wo Selbstständigkeit erhalten und schwierige Situationen entschärft werden können. Intermediäre Angebote sind ein wichtiger Baustein für eine würdige, bezahlbare und gut koordinierte Altersversorgung.
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

