Musikalisch-literarischer Abend zwischen Spott, Melancholie und politischer Schärfe
vs. Im 90-minütigen Reigen «Stossseufzer in bewegter Nacht» stehen am Anfang und am Schluss Tucholskys Briefe aus dem Exil an seine Zürcher Geliebte Hedwig ...
Musikalisch-literarischer Abend zwischen Spott, Melancholie und politischer Schärfe
vs. Im 90-minütigen Reigen «Stossseufzer in bewegter Nacht» stehen am Anfang und am Schluss Tucholskys Briefe aus dem Exil an seine Zürcher Geliebte Hedwig Müller, genannt «Nuuna». Diese privaten Zeilen offenbaren einen Mann, der um seine Gesundheit ringt, unter der Isolation leidet und gleichzeitig unerschütterlich versucht, die Würde und die klare politische Haltung zu bewahren – und den Humor nicht zu verlieren. Dazwischen stehen Texte und Lieder, die den Reichtum von Tucholskys Werk spiegeln: Vom kleinen Glück am Wegrand, von Frauenfiguren voller Witz und Selbstbewusstsein, von unbedarften Männern, die er mit vergnügtem Spott zerlegt bis hin zu politischen Abgründen, die leider an Aktualität nichts verloren haben.
Die Vertonungen stammen von Komponisten wie Hanns Eisler, Friedrich Hollaender, Mischa Spoliansky, Jurriaan Andriessen und anderen, die mit ihrem musikalischen Schwung Tucholskys Texte zu Gassenhauern in den Berliner Kabaretts der wilden 1920er-Jahre formten.
Die Sängerinnen Rachel Maria Kessler und Andrea Suter verleihen mit ihren Stimmen und ihrem facettenreichen Spiel den Chansons mal grelle, dann wieder zart pastose Farben. Begleitet werden sie von Alex Ruef am Klavier, der von Feingefühl bis Pomp alle Register zieht. Die Texte werden von Robert Schmid mit augenzwinkerndem Pathos und echter Leidenschaft gelesen. Stephan Mathys hat das Programm zusammengestellt und die Proben begleitet.
Das Publikum in der Liestaler Kulturscheune erwartet am kommenden Montag ein Abend voller Kontraste: heiter und melancholisch, politisch und intim, messerscharf und poetisch. «Stossseufzer in bewegter Nacht» zeigt einen Autor, dessen Œuvre auch im 21. Jahrhundert frisch und notwendig geblieben ist: So lassen die Texte und Lieder kein Auge trocken und hallen noch lange zwischen den Ohren nach.
«Stossseufzer in bewegter Nacht»,
Lieder und Texte von Kurt Tucholsky,
Montag, 16. März, 20 Uhr,
Kulturscheune, Liestal.