Zweiter Anlauf für Kunstrasen
12.03.2026 Oberdorf
Gemeindeversammlung entscheidet kommende Woche über kleineren Kredit
Statt 530 000 Franken soll die Gemeinde Oberdorf 290 000 Franken für einen neuen Kunstrasenplatz zahlen. Darüber entscheidet nun die Gemeindeversammlung. Der FC Oberdorf ist auf den Ersatz angewiesen.
...Gemeindeversammlung entscheidet kommende Woche über kleineren Kredit
Statt 530 000 Franken soll die Gemeinde Oberdorf 290 000 Franken für einen neuen Kunstrasenplatz zahlen. Darüber entscheidet nun die Gemeindeversammlung. Der FC Oberdorf ist auf den Ersatz angewiesen.
Janis Erne
Man könnte fast sagen: Die Saga geht weiter. An der Gemeindeversammlung vom kommenden Montag wird in Oberdorf erneut über den Ersatz des Kunstrasenfelds auf der Sportanlage z’Hof diskutiert. Nachdem ein erster Kredit im vergangenen Jahr an der Urne gescheitert war, legt der Gemeinderat nun eine überarbeitete Vorlage vor. Die finanziell angeschlagene Gemeinde soll sich neu mit 290 000 Franken an den Kosten beteiligen.
Der Kunstrasenplatz wurde 2007 eingebaut und hat seine erwartete Lebensdauer mittlerweile überschritten. Nach rund 19 Jahren Nutzung zeigen sich deutliche Abnutzungserscheinungen: Die Kunststoffhalme und das Granulat lösen sich, wodurch der Platz unebener wird. Dadurch steigt die Verletzungsgefahr für die Fussballer. Aus Sicht des Gemeinderats und des Fussballclubs Oberdorf ist ein Ersatz daher dringend nötig.
In einem Schreiben, das der «Volksstimme» vorliegt, warnt FCO-Präsident Hansjörg Regenass, dass der Nordwestschweizer Fussballverband den Platz nicht mehr zulassen werde, wenn dieser nicht noch in diesem Jahr ersetzt wird. Dann müsste der Verein aus Kapazitätsgründen die Hälfte der Juniorenteams wohl vom Spielbetrieb abmelden. Der FC Oberdorf verfügt über zwei Aktiv- und mehrere Juniorenteams.
Kosten wurden gedrückt
Im Dezember 2024 hatte die Gemeindeversammlung einen Kredit von 530 000 Franken knapp gutgeheissen. Gegen diesen Entscheid wurde jedoch das Referendum ergriffen. In der anschliessenden Urnenabstimmung im Mai des vergangenen Jahres lehnten die Stimmberechtigten den Kunstrasen-Kredit mit 508 Nein- gegen 386 Ja-Stimmen deutlich ab.
In der Folge setzten sich Vertreter der Gemeinde, des FC Oberdorf und der Gegnerschaft zusammen, um nach Lösungen zu suchen. Das Projekt wurde überarbeitet und die Finanzierung neu aufgestellt. Insgesamt belaufen sich die Kosten nun auf 620 000 statt 770 000 Franken. Neben der Gemeinde beteiligen sich der Swisslos Sportfonds mit 145 000 Franken und der FC Oberdorf mit 160 000 Franken. Weitere 25 000 Franken sollen von umliegenden Gemeinden kommen.
Der Fussballclub hat seinen Anteil damit deutlich erhöht. An einer ausserordentlichen Generalversammlung Ende Januar beschlossen die Mitglieder einstimmig, zusätzlich 110 000 Franken beizusteuern (die «Volksstimme» berichtete). Damit reagierte der Verein auch auf die Kritik, sein ursprünglicher Beitrag sei zu tief angesetzt gewesen und er habe sich zu sehr auf die Allgemeinheit verlassen.
Trotz der Anpassungen bleibt der Kredit für den Kunstrasenplatz umstritten. Vertreter der Gegnerschaft halten auch den reduzierten Gemeindebeitrag für zu hoch und fordern weitere Einsparungen. An der Gemeindeversammlung am Montag wollen sie eine geheime Abstimmung beantragen. Zudem bringen sie erneut die Möglichkeit eines Referendums ins Spiel, falls der Kredit gutgeheissen wird. Auch die Befürworter sprechen von einer Urnenabstimmung, sollte die «Gmäini» nicht in ihrem Sinn entscheiden. Darüber berichtete jüngst die «bz Basel».
Die Gegner kritisieren unter anderem, dass im Rahmen des Kunstrasen-Projekts auch Anpassungen rund um die Anlage vorgesehen sind, etwa eine erweiterte Abstellfläche für Tore. Die Unterstützer des Projekts verteidigen dieses Vorhaben und verweisen auf Sicherheitsaspekte. Beide Seiten verteilten Flyer im Dorf und mobilisieren ihre Anhänger, die «Gmäini» zu besuchen. Es wird mit einem grossen Aufmarsch gerechnet.
Gemeinderat will Liegenschaften wieder in Schuss bringen
je. Im Schatten der erneuten Debatte um den Kunstrasen-Kredit soll die Gemeindeversammlung von Oberdorf am Montagabend über zwei weitere wichtige Traktanden abstimmen. So will die Gemeinde die baulichen Probleme bei der Verwaltung und den Räumlichkeiten der Primarschule angehen. Der Gemeinderat beantragt dafür einen Planungskredit über 250 000 Franken. Mit dem Kredit sollen die Detailplanung sowie die Ausschreibungen und Offerten für mögliche Umbauten erarbeitet werden.
Laut Gemeinderatsvorlage bestehen beim Verwaltungsgebäude mehrere Mängel. Besonders der Glas-Verbindungsbau zwischen Altbau und Anbau aus den 1990er-Jahren bereite Probleme. Trotz Reparaturen komme es dort zu Wassereinbrüchen. Zudem verursache der Glasbau im Winter Energieverluste und im Sommer starke Hitze. Auch Brandschutz und Fluchtwege würden nicht mehr den heutigen Vorschriften entsprechen. Bei der Primarschule sind laut Gemeinderat ebenfalls Anpassungen nötig. Für den Unterricht und die Förderangebote fehlten Klassen- und Gruppenräume. Zudem müssten Turnstunden teilweise ausserhalb der Gemeinde stattfinden.
Der Gemeinderat prüfte grössere Lösungen, etwa Teile des Verwaltungsgebäudes neu zu bauen oder ein neues Schulhaus zu errichten. Diese Varianten wurden verworfen, da sie finanziell nicht tragbar seien. Ein Neubau für die Verwaltung würde mehr als 7 Millionen Franken und zusätzliche Schulzimmer zwischen 2,2 und 3,1 Millionen Franken kosten. Der Gemeinderat setzt daher auf Anpassungen und eine bessere Nutzung bestehender Räume: Die Baukosten werden auf rund 2,4 Millionen Franken geschätzt.
Zudem soll die Versammlung über den Antrag entscheiden, den möglichen Verkauf der Parzelle 1400 beim Kindergarten Talweg erneut auf die Traktandenliste zu setzen. Der Verkauf war von der «Gmäini» abgelehnt worden, später trat sie gar nicht auf das Geschäft ein. Ein Antrag aus der Bevölkerung verlangt nun eine erneute Diskussion.
