Zwei Skulpturen werden eingelagert
11.08.2026 ReigoldswilAus für vier andere Probst-Gipse
Zwei der sechs Probst-Gipsskulpturen im ehemaligen Gemeindezentrum bleiben erhalten. Sie wurden am Donnerstag fachmännisch verpackt und abtransportiert. Für die übrigen vier Gipse kam ein Rettungsversuch – aus verschiedenen ...
Aus für vier andere Probst-Gipse
Zwei der sechs Probst-Gipsskulpturen im ehemaligen Gemeindezentrum bleiben erhalten. Sie wurden am Donnerstag fachmännisch verpackt und abtransportiert. Für die übrigen vier Gipse kam ein Rettungsversuch – aus verschiedenen Gründen – zu spät.
Martin Stohler
Bleiben die sechs Gipsskulpturen Jakob Probsts erhalten oder werden sie zerstört? Nach einer Telefonkonferenz am 26. Mai dieses Jahres schien ihr Schicksal besiegelt. Da die Gemeinde Reigoldswil nach dem absehbaren Abbruch des Gemeindezentrums keinen Platz mehr für sie haben würde und da keine Institution Interesse an einer Übernahme gemeldet hatte, sollten die Gipse, dies der Entscheid der Erbinnen des Probst-Nachlasses, beim Abbruch zerstört werden (die «Volksstimme» berichtete).
Alarmiert durch diese Nachricht versuchte Stefan Hess, der Leiter des Dichter:innen- und Stadtmuseums Liestal, die Zerstörung der Originale doch noch abzuwenden. Dazu war allerdings eine institutionelle Lösung erforderlich. Eine solche fand sich schliesslich auch. So war das Museum.BL bereit, den «Schwörenden» in die kantonale Kunstsammlung aufzunehmen und einzulagern, während die restlichen fünf an das «Archiv Regionaler Künstler*innen-Nachlässe (ARK)» nach Pratteln gehen sollten. Ein entsprechender Schenkungsvertrag kam Mitte Juli bzw. in den letzten Juli-Tagen zustande. Damit schienen die sechs Probst-Gipse gerettet. Termin für den Abtransport war der 6. August.
Kniffliger Transport
Spätestens nachdem Silvia Kalabis, die Leiterin des Konservierungslabors von Archäologie und Museum.BL, am 21. Juli zusammen mit einer Kollegin den «Schwörenden» gereinigt hatte, war klar, dass der Transport der in die Jahre gekommenen Gipsskulpturen eine heikle Sache sein würde und nur von einer Firma durchgeführt werden konnte, die auf solche Kunsttransporte spezialisiert ist.
Die drei «Zügelmänner» der Firma Kraft aus Münchenstein gingen denn auch mit der nötigen Umsicht und dem entsprechenden Gerät ans Werk. Den «Schwörenden», der bei genauerem Hinsehen einige Risse aufweist und mit 2,60 Meter Höhe von beachtlicher Grösse ist, stabilisierten sie zunächst mit einem Balken und Folie, bevor sie ihn vom ersten Stock über die enge Treppe ins Freie transportieren und anschliessend verladen konnten.
Das ARK in Pratteln archiviert im Wesentlichen Bilder, Zeichnungen und grafische Werke aus den Nachlässen regionaler Künstlerinnen und Künstler. Für die Lagerung grosser Plastiken fehlt die nötige Fläche. Dennoch hatte sich Tomas Lochman, der im ARK-Team mitarbeitet, für die Aufnahme der Gipse eingesetzt. Dabei mag auch eine Rolle gespielt haben, dass er als früherer Leiter der Skulpturhalle Basel eine besondere Affinität zu Gipsskulpturen hat.
Bröselnder Gips
Da es sich bei den Gipsplastiken Probsts zum Teil um sehr grosse Werke handelt, war für Lochman allerdings von Anfang an fraglich, ob das ARK alle restlichen fünf Gipse übernehmen könne. Bei der Untersuchung vor Ort zeigte sich noch ein weiteres Problem: So musste Tomas Lochman feststellen, dass fast alle Figuren gravierende Schadstellen aufweisen, an denen die Gipsoberfläche bröselt.
Dies liess Lochman befürchten, dass vier Gipsplastiken den Transport wohl nicht überstehen würden und schon gar nicht das spätere Hinund Herschieben im ARK-Lager. Er entschied sich daher schweren Herzens, vier der fünf Gipse in Reigoldswil zu lassen und nur den am besten erhaltenen «Schweizertypen» und den leicht abnehmbaren Kopf eines der beiden «Landmädchen» für das ARK zu übernehmen. Somit werden zwei «Landmädchen», der «Genius» und «Kolumbus» gemäss einer Klausel des Schenkungsvertrags zerstört werden.
Beim «Schweizertypen», dessen Gipsoriginal erhalten bleibt, handelt es sich um ein Werk, das 1936 in Bronze gegossen wurde. Die Bronzeplastik wurde im Jahr 1942 nach einer Ausstellung von Werken Schweizer Bildhauer und Maler vom Kunsthaus Zürich erworben.
Das soeben erschienene Heft 2 / 2026 der «Baselbieter Heimatblätter» enthält neben anderen Beiträgen einen illustrierten Katalog der sechs Probst-Gipsskulpturen, erhältlich bei Schaub Medien AG.


