Zwei Nächte durch das Dorf
21.10.2025 SissachDie «Kultournacht» zog zahlreiche Neugierige an
Mit einem vielfältigen Programm aus Musik, Kunst und Handwerk auf 26 «Posten» verteilt lockte die «Kultournacht» am Freitag und am Samstag die Besucherschaft an. Das Wetter hat mitgespielt.
...Die «Kultournacht» zog zahlreiche Neugierige an
Mit einem vielfältigen Programm aus Musik, Kunst und Handwerk auf 26 «Posten» verteilt lockte die «Kultournacht» am Freitag und am Samstag die Besucherschaft an. Das Wetter hat mitgespielt.
Carolina Mazacek
Anlässlich des Jubiläums «800 Jahre Sissach» fand die «Kultournacht» dieses Jahr an zwei Abenden statt. Somit hatten die Besucher genügend Zeit, die 26 «Posten» zu besuchen, was wahrscheinlich für eine Nacht nicht gereicht hätte. Die «Volksstimme» war ebenfalls unterwegs.
Bevor die Glocken der reformierten Kirche am Freitag pünktlich um 17 Uhr die «Kultournacht» einläuteten, wurde am Friedhof bei Alphornklängen und lieblichem Gesang das Sissacher-Fluh-Fernrohr enthüllt. Zum Apéro gab es «Änisbrötli», auf denen das Fernrohr abgebildet war.
Nach dem Glockenläuten war der Gewölbekeller der «Villa27» bereits zum Platzen gefüllt. Dort fand der Koffermarkt statt. Jeder Aussteller hatte so viel Platz, wie in seinen Koffer passte. Zu kaufen gab es unter anderem Schokoladenpralinen, gehäkelte Kürbisse, Necessaires, Seifen und Geschenkkarten.
In der Bibliothek hörten die Kinder gespannt zu, wie die Kinderbuchautorin Evelyn Studer-Kopp aus Riehen aus ihrem Buch «Rosi will zur Feuerwehr» vorlas. Nach der Lesung durften die Kinder Feuerwehrkleidung anprobieren. Es war ein lustiger Anblick, als Kinder in Erwachsenengrössen Feuerwehrjacken trugen und einen Helm, der doppelt so gross war wie ihr Kopf.
Ein grosser Ansturm herrschte auch im Keramikatelier von Akia Obrist beim Workshop «Eigenes Porzellan-Schälchen gestalten». Die selbstmodellierten Porzellanschälchen wurden vorsichtig bemalt.
Oberhalb des «Cheesmeyers» waren Porträtgemälde, zum Beispiel von Emil Berger aus der Kunstsammlung der Einwohnergemeinde Sissach aufgestellt. Sie zeigten die verschiedenen Umsetzungen eines Porträts. «Wir Erwachsenen haben hohe Anforderungen beim Porträtzeichnen. Viele denken, es muss wie ein Foto aussehen. Aber so wird es zu sehr mathematisch», erklärte die Künstlerin Tabea Niederhauser der «Volksstimme». Kinder hingegen zeichnen einfach drauflos und haben diesen Gedanken nicht, fügt die Künstlerin hinzu. Deshalb ermutigte Niederhauser auch Erwachsene, einen Stift in die Hand zu nehmen und ein Porträt zu zeichnen.
Sich schlafen legen
Wer nicht alles ansehen konnte, was er wollte, hatte in der Nacht darauf eine zweite Chance. So hatte das Henkermuseum mit seinen Folterinstrumenten offen. In die moderne «Folterkammer», das Varry’s Tattoo & Art-Studio, konnte man ebenfalls einen Blick werfen. Wem die Folter zu gruselig war, der konnte für einen Moment die Welt in der reformierten Kirche bei Kerzenschein mit einer Tasse Tee und Kuchen vergessen, während er Gitarrenklängen lauschte. Der Aufstieg in den Glockenturm war für unvorsichtige Besucher eine böse Überraschung. Wer den Kopf nicht einzog, bekam eine Kopfnuss. Wenn das jemandem passierte, hatte sich die Beule gelohnt, um die vier Glocken aus der Nähe zu betrachten. Der Organist Bernhard Müller nahm die Interessierten mit auf eine Reise durch die Klangwelt der Orgel – von trompetenähnlichen bis zu den leisesten Tönen.
Wer sein Wissen einmal auf die Probe stellen wollte, hatte die Möglichkeit, am Pubquiz in der Bibliothek teilzunehmen. Bei einem Bier traten verschiedene Teams gegeneinander an, um herauszufinden, welche Gruppe das grösste Allgemeinwissen hatte.
Am Samstag ging die Besucher auf eine Reise in die Vergangenheit. Emil Abt zeigte in der «Villa27» seine Filme über Sissach und Umgebung und erzählte Anekdoten, die das Publikum zum Schmunzeln brachten. Einer der Filme zeigte die Baustelle, die durch die Begegnungszone ging, die vorher eine Durchfahrtsstrasse war.
Die Gewinnerin der diesjährigen Schweizer Poetry-Slam-Meisterschaften, Annika Biedermann, trat am Samstag im «Cheesmeyer» auf und zog das Publikum mit ihren Texten in den Bann.
Eine Pause
Meldete sich der Durst oder Hunger, war an verschiedenen Posten für das leibliche Wohl gesorgt. In der Werkstatt von Rudolf Tschudin betrachteten die Besucherinnen und Besucher bei einem Glas Wein die Kunstwerke, während andere aus Metall eigene herstellten.
Im «ChinaHouse» gab es einen Stand mit asiatischen Spezialitäten, die man im Raum, in dem Fotografien von Ursula Graf gezeigt wurden, verspeisen konnte. Die Bilder zeigten ihre Reisen durch China.
Wer der Meinung war, er sei in Sissach nicht genug herumgelaufen, konnte im «TaGeRhy» beim Afrotanz mit Perkussionsklängen den Rest seiner Energie ausschöpfen.
Auch wenn man den Anschein bekam, am Freitag war viel mehr los als am Samstag, gingen die Besucherschaft und die Veranstalter auch am Samstag zufrieden ins Bett.





